VIMBULNATT – Der dunklen Tugenden. Echos (2026)

 

Band: VIMBULNATT
Album: Der dunklen Tugenden. Echos
Genre: Black Metal

Trackliste:
01. Mir das Meiste
02. Domus Flavo Somnium
03. Vom Biss der Natter
04. Die dunkle Tugend. Kapitel I
05. Par excellence
06. Kernumwandlung
07. Funeral of I
08. Die Zeit des Übergangs
09. Preces Meae Tenebris

Nach ihrem 2024 veröffentlichten Brecher Der dunklen Tugenden. Der Untergrund bringt das sächsische Duo nun den zweiten Teil der Brachialgewalt, Der dunklen Tugenden. Echos, ins Rennen und punktet, wie schon beim Vorgänger, durch hervorragendes Songwriting, großartiges Riffing, brachiale und doch durchdachte Raserei sowie ein Spiel aus tiefgründiger Atmosphäre.

Bereits der Opener „Mir das Meiste“ kommt mit genau dieser düsteren und tiefgründigen Atmosphäre daher und vermittelt, obwohl in mittlerem bis höherem Tempo gehalten, pure und brachiale Raserei, von der es nur den ein oder anderen Breakpart als kurze Verschnaufpause gibt.
Noch mehr Fahrt nimmt die zweite Nummer des insgesamt neun Tracks starken Longplayers, „Domus Flavo Somnium“, auf und überzeugt durch ihre extrem starken Leads, die durchdachte Melodieführung und den Spannungsbogen, zu dem die düster-tiefen, fast schon beschwörenden Vocals ihren Teil beitragen. Vom Soundbild her wirkt die Platte räudiger als ihr Vorgänger, allerdings ohne dabei die einzelnen Instrumente verschwimmen zu lassen, was Fans der alten DARK FUNERAL ebenso begeistern dürfte wie der dritte Track „Vom Biss der Natter“.
Ordentliche Tremolos, gewaltige Blasts und die unverwechselbare düstere Schwere, welche hauptsächlich durch das reißende Riffing und die Basslinie entsteht, machen auch „Die dunkle Tugend. Kapitel I“ besonders. Genau diese Elemente haben VIMBULNATT schon auf dem Vorgängeralbum unverwechselbar gemacht. Durch den ein oder anderen Tempowechsel, Breakpart sowie ein eingängiges Solo entsteht hier zusätzlich eine gewisse Dramaturgie, die gegen Ende hin fast schon Melancholie aufkommen lässt.
Eine kleine Verschnaufpause bietet „Par excellence“, ein instrumentaler Track, der schön und traurig zugleich anmutet und so dahin schimmert, dass man beim Hören abdriftet und beinahe leicht schlaftrunken wird.
Die darauffolgende „Kernumwandlung“ kommt daher noch mehr wie ein Weckruf daher, und nach dem dösigen Dahingesimmer von „Par excellence“ ist man bei den ersten Tönen dieser Brachialnummer sofort hellwach. Weniger episch, weniger variabel, dafür um einiges härter und brutaler, fügt sich der Track durch seine unerbittliche Dynamik und die fast schon quälende Intensität, die besonders durch die starken Leads und die großartige Basslinie erzeugt wird, perfekt in den Albumkontext ein.
„Funeral of I“ folgt dem gleichen Muster. Durchdachtes Riffing, extremer Spannungsbogen und hervorragende Leads über gewaltigem Blast treiben vorwärts, während die bösartig düsteren Vocals für die nötige dunkle Aura sorgen.
Mit „Die Zeit des Übergangs“ wird kurz vor Ende noch einmal richtig aufs Gas gedrückt. 350er-Blasts, Reiterriffs und ein Wechselspiel aus dramatischen und melancholischen Melodien, die beschleunigen, zur Ruhe kommen und so dafür sorgen, dass eine Aura aus purer Raserei und Traurigkeit entsteht.
Was hier begonnen wird, treibt der Closer „Preces Meae Tenebris“ nochmals auf die Spitze. Mit seinen fast neun Minuten Spielzeit bietet er alles, was klassischen atmosphärischen Black Metal ausmacht: bissiges Riffing, hervorragende Leadarbeit, unerbittliche Kälte, einen großartigen Spannungsbogen, der in dem ein oder anderen Ausbruch gipfelt, sowie eine düstere und beeindruckende Grundstimmung, die VIMBULNATT bereits auf ihrem Debüt Simplicius Simplicissimus aus dem Jahr 2020 ausgezeichnet hat.

Chapeau, VIMBULNATT!

Fazit:
Der dunklen Tugenden. Echos ist ein beeindruckendes, durchdachtes und brachiales Release, das VIMBULNATT endgültig als eine der stärkeren Stimmen des deutschen Atmospheric Black Metal bestätigt. Das sächsische Duo verbindet eisige Raserei, tiefgründige Atmosphäre, starke Leadarbeit und einen hervorragend gesetzten Spannungsbogen zu einem Album, das sowohl brutal als auch melodisch, sowohl räudig als auch klar erkennbar durchkomponiert wirkt.
Gerade die Mischung aus unerbittlicher Kälte, melancholischer Tiefe und technischer Sicherheit macht die Platte so stark. Kein Track wirkt zufällig, kein Ausbruch verpufft, keine Klanglandschaft bleibt bloße Dekoration. Der dunklen Tugenden. Echos ist damit nicht nur eine würdige Fortsetzung des Vorgängers, sondern ein eigenständiger Brecher, der zeigt, wie mächtig atmosphärischer Black Metal klingen kann, wenn Raserei, Melodie und Atmosphäre perfekt ineinandergreifen.

Punkte:

Autor: Nicki