Band: HULDER
Album: Vrebolgen
Genre: Black Metal
Label: Season Of Mist
Trackliste:
01. Die Raven (Intro)
02. The Crowning
03. Thy Binding Oath
04. Berbolgen
05. …And We Shall Sing
06. In Blood and in Earth
07. Den Nacht Zijn Lied
08. View From Nemeton
09. The Glow of Dawn

Zwischen verwitterten Burgruinen, dunklen Wäldern und den Spuren längst verstummter Rituale verortet HULDER seit Jahren ihre Musik. Das Soloprojekt der heute in den USA lebenden Belgierin Marz Beeuwsaert schöpft hörbar aus der zweiten norwegischen Welle, ohne deren Ausdruck und Stilmittel lediglich zu reproduzieren. Stattdessen verbindet Verbolgen frostige Härte mit mittelalterlichen Klangfarben und folkloristischen Schattierungen zu einem Werk, das ebenso archaisch wie lebendig wirkt.
Die Kompositionen entwickeln ihre Kraft aus einer bemerkenswerten Balance zwischen Angriff und zurückhaltender Ruhe. Rasende Tremolo-Riffs schneiden durch das Klangbild, doch immer wieder öffnen sich melodische Linien, deren melancholische Schönheit den harschen Ausbrüchen einen emotionalen Gegenpol verleiht. Folkloristische Elemente wie Flöten, Drehleier und akustische Gitarren erscheinen dabei nicht als bloße dekorative Zutaten, vielmehr erweitern sie den musikalischen Raum, lassen Bilder wie nebelverhangener Landschaften entstehen und verleihen den Liedern eine Tiefe, ohne jemals in kitschige Romantik abzudriften.
Besonders überzeugend ist das Gespür für Dynamik. Die Stücke verweilen nicht dauerhaft im Sturm, sondern wechseln zwischen mächtigen Ausbrüchen und Momenten beinahe meditativer Ruhe. Motive kehren verändert zurück, Melodien entfalten ihre Wirkung erst allmählich und schaffen eine Dramaturgie, die Geduld verlangt, diese aber reich belohnt. Die Musik wirkt dadurch weniger auf unmittelbare Wucht als auf nachhaltige Atmosphäre angelegt.
Auch produktionstechnisch findet HULDER einen überzeugenden Mittelweg. Die Aufnahme ist einerseits dumpf und rau, stilecht für Underground Black Metal, bleibt dabei jedoch transparent genug, um melodische Verästelungen hörbar werden zu lassen. Gitarren und die folkloristischen Elemente greifen präzise ineinander. Lediglich die tieferen Frequenzen von Bassdrum und Bass rücken mitunter etwas gar weit zurück und werden breiig. Die Vocals mit ihren charakteristischen Schreien behalten ihre ungezähmte Wildheit, während die sparsam eingesetzten klaren Gesänge den Eindruck eines alten, beinahe liturgischen Rituals noch verstärken. Eigentümlich deplatziert wirken vereinzelt die Backing Vocals, aber um ehrlich zu sein: das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.
Die größte Stärke von Verbolgen liegt in seiner Stringenz. Das Album erhebt nicht den Anspruch, Black Metal neu zu definieren oder mit ungewöhnlichen Stilbrüchen Aufmerksamkeit zu erzeugen. Seine Qualität entsteht vielmehr aus der Überzeugung, mit der vertraute Ausdrucksformen weitergedacht werden. Die flämischen Texte, die stärkere Einbindung folkloristischer Instrumentierung und die Zusammenarbeit mit Necreon an Bass und Vocals erweitern den musikalischen Kosmos behutsam, ohne den Kern des Projekts aus dem Blick zu verlieren.

Fazit:
Verbolgen entfaltet seine Wirkung wie eine Wanderung durch eine Landschaft, deren Geschichte in jedem Stein und jedem Baum weiterlebt. Die Musik ist rau, melancholisch und majestätisch, ohne sich in Pathos zu verlieren. HULDER beweist, dass Tradition nicht Stillstand bedeuten muss, sondern eine Quelle kreativer Kraft sein kann. Wer melodischen, atmosphärisch dichten Black Metal sucht, der seine Wurzeln respektiert und dennoch eigenständig klingt, findet hier ein überzeugendes Album.
Punkte:
Autor: distelsøl
