Band: AGARWAEN
Album: The Murder Trend
Genre: Avantgarde Extreme Metal
Trackliste:
01. False Arrival
02. Bad Beginning
03. God Complex
04. Orphan Son
05. La colección
06. Circo de la muerte
07. The Hunt
08. Clowny Business
09. Aenimus
10. The Murder Trend

Mit AGARWAEN erscheint eine Band auf der Bildfläche, die sich konsequent jeder musikalischen Konvention entzieht. The Murder Trend ist weit mehr als ein gewöhnliches Metal-Album – es gleicht einer verstörenden Ermittlungsakte, deren Seiten mit Blut, Wahnsinn und Tragik beschrieben wurden. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier nicht einfach Songs aneinandergereiht werden, sondern ein cineastisches Gesamtkunstwerk entsteht. Willkommen im Zirkus des Grauens.
Was The Murder Trend so außergewöhnlich macht, ist sein wohldurchdachtes Konzept, das sich konsequent durch sämtliche Kapitel dieser Geschichte zieht. Im Mittelpunkt steht Anton Nieto, dessen Leben von Vernachlässigung, Mobbing, unvorstellbarer Gewalt und familiären Abgründen gezeichnet wird, bis aus einem Opfer langsam ein Monster entsteht. Die Band erzählt diese Entwicklung nicht nur musikalisch, sondern erweitert sie durch fiktive Polizeidokumente, Ermittlungsprotokolle und psychiatrische Akten, wodurch das Album fast wie ein True-Crime-Dossier wirkt. Bereits „False Arrival“ öffnet die Tür zu dieser düsteren Welt und lässt den Hörer unmittelbar in die Ermittlungen eintauchen. „Bad Beginning„ und „God Complex„ zeichnen das Bild eines Menschen, dessen Seele Stück für Stück zerbricht. Mit „Orphan Son„ wird deutlich, dass hier nicht bloß ein Killer porträtiert wird, sondern die schleichende Geburt eines Albtraums. Die Handlung gewinnt zusätzliche Tiefe, als Anton auf die geheimnisvolle Sammlung „La Colección“, den Kult seiner Familie und die verhängnisvolle Clownsmaske stößt, die Realität und Wahnsinn zunehmend ineinanderfließen lässt. Genau an diesem Punkt beginnt der rasende Wahnsinn, den AGARWAEN musikalisch beeindruckend vertonen. „La Colección„ und „Circo de la Muerte„ gehören dabei zu den atmosphärischen Höhepunkten des Albums und verwandeln den Hörer endgültig in einen Besucher eines grotesken Albtraums. Willkommen im Zirkus des Grauens – einem Ort, an dem Rache, Wahnsinn und Horror zu einer makabren Vorstellung verschmelzen. Gleichzeitig bleibt das Album musikalisch enorm abwechslungsreich; Death Metal, Thrash, Groove, Industrial, Folk und cineastische Klangflächen gehen fließend ineinander über, sodass die Genregrenzen nahezu vollständig verschwimmen. „The Hunt„ und „Clowny Business„treiben die Geschichte mit filmischer Dynamik voran, während „Aenimus„ den inneren Konflikt des Protagonisten eindrucksvoll widerspiegelt. Der abschließende Titeltrack „The Murder Trend„ führt schließlich sämtliche Handlungsstränge zusammen und zeigt, wie aus einer persönlichen Tragödie ein weltweites Phänomen der Nachahmung entsteht. Gerade weil Musik, Storytelling und visuelle Inszenierung so eng miteinander verwoben sind, fühlt sich dieses Album eher wie ein düsterer Horrorfilm an, den man hört, als wie eine klassische Metal-Veröffentlichung.
Anspieltipp: „Circo de la Muerte„

Fazit:
The Murder Trend fällt aus der Norm und hebt sich deutlich von der Masse ab. Sicher ist dieses Werk nichts für Hörer, die geradlinigen Extreme Metal bevorzugen, doch genau darin liegt seine größte Stärke. AGARWAEN beweisen Mut zum Risiko und erschaffen ein Album, das den Hörer gleichermaßen fasziniert wie verstört. Wer bereit ist, dieses düstere Theater zu betreten, erlebt eines der originellsten und konzeptionell stärksten Metal-Alben des Jahres.
Punkte:
Autor: Tom K.
