Band: HÆRESIS
Album: Si Vis Pacem Para Bellvm
Genre: Post-Black Metal
Trackliste:
01. Echoes Of Ashes
02. I Who Repel All Light
03. Drifting Beyond Time’s Grasp
04. Eradicate Taciturnity

Endlich ist es so weit: Die 2016 (eigentlich 2015 als Heksenhamer) gegründete Post-Black-Formation HÆRESIS stellt nach mehreren Singles, einer EP und sogar einer Compilation ihr erstes vollständiges Studioalbum, mit dem klingenden Namen Si Vis Pacem Para Bellvm vor. Auf der vier Tracks starken Scheibe wartet das Berliner Quintett nicht nur mit feiner Instrumentalistik und durchdachter Songstruktur auf, sondern auch mit eisiger Härte, kompromisslosem Geballer sowie unglaublicher Tiefe und Emotionalität.
Das wird bereits beim Opener „Echoes Of Ashes“ deutlich, der mit einer instrumentalen Soundlandschaft startet. Der Song überrascht mit klarer Linienführung, hervorragender Atmosphäre und durchdachten Spannungsbögen, kombiniert mit pfeilschnellem Tempo, geschickt gesetzten Breaks und starkem Riffing. Die dabei entstehende Dramatik besitzt eine Wucht, die bekannte Größen des Atmospheric-Post-Black mit Sludge-Einschlag – etwa DOWNFALL OF GAIA – vor Neid erblassen lassen könnte.
Ähnlich dramatisch, aber nicht mehr ganz so abwechslungsreich und technisch, geht es mit „I Who Repel All Light“ weiter. Wie der Opener bewegt sich auch Track zwei in hohem Tempo und kommt mit eisiger Härte, starkem Riffing und klarem Melodiebogen daher. Gut gemacht, aber dem ersten Stück in Aufbau und Klangbild so ähnlich, dass man beide durchaus für einen halten könnte.
Bei „Drifting Beyond Time’s Grasp“ ist es Zeit für ein Wort zu den Vocals. In der Szene gibt es nicht viele Damen, die über genügend Kraft verfügen, um ein wirklich überzeugendes Frontend abzugeben – nicht so bei HÆRESIS. Christin macht hier einen hervorragenden Job und verleiht dem Track mit ihrem Machtorgan besondere Tiefe und Dynamik. Während die Gitarren schneiden, die Drums peitschen und der Soundteppich aus konstanter Linien- und Melodieführung dahinschmettert, will die Nummer trotz einzelner depri-aggressiver Breaks dennoch nicht so recht in Fahrt kommen.
Der Closer „Eradicate Taciturnity“ startet mit einem beeindruckend schönen Clean-Part, der auf wirklich Großes hoffen lässt. Nachdem man als Hörer angenehm eingelullt wurde, kippt der Track jedoch in brutalstes Geknüppel und eisiges Gekeife. Die Nummer besticht durch eine großartige Atmosphäre, eine schön gesetzte Gitarrenlinie und rundet mit ihrer einzigartigen Mischung aus Emotionalität, Kälte und Atmosphäre ein durchaus gelungenes Album würdig ab.

Fazit:
Si Vis Pacem Para Bellvm ist ein starkes, atmosphärisch dichtes Release, das vor allem durch seine emotionale Tiefe, eisige Härte und handwerklich saubere Umsetzung überzeugt. HÆRESIS zeigen ein gutes Gespür für Spannungsbögen, Dynamik und Atmosphäre und bewegen sich souverän im Spannungsfeld zwischen Post Black, Atmospheric-Elementen und kompromissloser Härte. Kleine Schwächen liegen in der teils sehr ähnlichen Struktur einzelner Songs, die nicht immer die Intensität des Openers erreichen. Insgesamt überwiegt jedoch klar der positive Eindruck: ein reifes, ernstzunehmendes Album, mit eigener Handschrift und deutlichem Entwicklungspotenzial.
Punkte:
Autor: Nicki
