LONE WANDERER – Exequiae (2026)

  

Band: LONE WANDERER
Album: Exequiae
Genre: Funeral Doom Metal
Label: High Roller Records

Trackliste:
01. To Rest Eternally
02. Existence Nullified
03. Life’s Lost Vanity
04. Anhedonia
05. Epistemology of the Passed

Die 2014 im baden-württembergischen Freiburg im Breisgau gegründete Band LONE WANDERER hat sich mit ihrem Funeral Doom den traurig-dunklen Emotionen verschrieben. Das hier vorliegende Exequiae ist bereits das dritte Album des seit der Gründung unverändert bestehenden Quartetts. Über fünf Songs und einer Gesamtlaufzeit von über 72 Minuten finden eine tiefe Traurigkeit, ein schwer tragender Blick in die Welt ihren Ausdruck in einer düsteren, sich langsam entwickelnden Ästhetik.

Eine Kerze in der Hand, einzelne Wachstropfen rinnen langsam dem Schaft entlang. Im schwachen, flackernden Schein der Flamme lässt sich der Größe des Raums nur erahnen. Bilder flackern auf. Gedanken. Erinnerungen. Verletzungen. Schatten. Echos der Vergangenheit, stille Zeugen der Vergänglichkeit. Der Augenblick, in Ewigkeit. Sein im Hier, Sein als Blick in die Vergangenheit.
LONE WANDERER erzeugen mit ihrer sich langsam entwickelnden, gleichzeitig aber nie schwerfälligen, sondern vielmehr sehr präzisen Musik voluminöse Klangräume, vertraute Wärme, jedoch ohne Anspruch auf Behaglichkeit. Dunkle Gitarren geleiten den verschlungenen Wegen entlang, trockene Drums geben den Schritt vor, der Bass, als schwerer Atem. Glockenschläge, Orgeln, raffinierte Tempowechsel, fein dosierte Dissonanzen markieren als präzise gesetzte Akzente Details.
Der Opener „To Rest Eternally” ist ein monumentaler Auftakt. Auf über 25 Minuten windet er sich durch Klangbilder, -räume, ja -landschaften. Überwältigende Schwere in elegischer Dunkelheit – und doch bleibt der zarte Kerzenschein der Hoffnung erhalten, der sich musikalisch in sehr zarten, unscheinbaren Harmonien wieder findet. Es ist diese zart flackernde Flamme der Hoffnung, an der entlang das Album sich entwickelt – trotz der Schwere entsteht damit eine melodische Orientierung, die sich zwischendurch eine Nähe zu Ambient Black/ Shoe Gaze artigen-Atmosphären entfaltet. Der Abschluss mit „Epistemology Of The Passed” bündelt all diese stilistischen Elemente: langsame, schwermütige Harmonien, melancholische Gitarrenflächen und eine Struktur, die eher einem kontemplativen Prozess der Innenschau entspricht, als einem Song.
Die sehr klare, perfekt ausbalancierte Produktion unterstützt die Wirkung der Musik. Exequiae setzt dabei weniger auf Virtuosität als auf Geduld und Schichtung: die schweren Gitarren und tiefen Growls wechseln mit sphärischen Momenten, die durchzogen sind von subtiler Melodik. Die Vocals sind tief und oft schwer verständlich, doch gerade das trägt zur mystischen Dichte bei – man spürt eher die Emotion hinter den Worten als die Worte selbst. Atmosphärisch kohärent, auf hohem Niveau gereift. Stark, überzeugend – ohne etwas neu zu erfinden.

Fazit:
Ein langsames Eintauchen in Motive von Verlust, Vergänglichkeit und Stille. Exequiae, das dritte Album der Band LONE WANDERER, bietet atmosphärisch dichte Klanglandschaften elegischer Dunkelheit, mitunter bedrückend, aber meist berührend und an einzelnen Stellen seltsam und erstaunlich tröstlich, wie der Schein der leicht flackernde Flamme einer einzelnen Kerze.

Punkte:

Autor: distelsøl