WYLK – Archaica (2026)

Band: WYLK
Album: Archaica
Genre: Atmospheric Black Metal

Trackliste:
01. Trägheit
02. Archaica
03. Erwachen
04. Zerfall
05. Bei dir

Manche Debüts wirken wie hastig eingeschlagene, grobe Markierungen. Archaica hingegen erscheint wie das Ergebnis einer geduldigen Annäherung an eine innerlich längst existierende Landschaft. Bei WYLK handelt es sich um ein Projekt des Multiinstrumentalisten Enzo Brettschneider, das erst 2025 gegründet wurde. Wenig überraschend gibt es demnach kaum Hintergrundinformation – das Werk muss also für sich selbst stehen.

Zu allererst fällt das Artwork ins Auge: ein atmosphärisches, naturverbundenes Bild in angenehmen Grün- und Gelbtönen lässt vermuten, dass die Atmosphäre die eigentliche Hauptfigur von Archaica sein könnte. Tatsächlich entfaltet sich schon bald ein inneres Bild. Langsame Entwicklungen, schwebende Gitarrenmelodien und immer wieder aufbrechende Black-Metal-Eruptionen und nicht zuletzt die Lyrics erzeugen einen Spannungsbogen, der Naturverbundenheit, Melancholie und stille Selbstreflexion miteinander verbindet. Folk- und Post-Black-Metal-Einflüsse erweitern das Klangbild, ohne den Kern des Atmospheric Black Metal zu verwässern. Gerade diese Balance zwischen Ruhe und eruptiver Wucht verleiht den fünf langen Kompositionen ihren Charakter. Interessant auch die Entscheidung für zwei Tracks Gedichte von Rilke („Erwachen„) und Goethe („Bei Dir„) aufzugreifen, was auch gut gelingt: die Stimmung, die Motive passen nahtlos in Archaica.
Das Songwriting setzt konsequent auf organisches Wachsen statt auf schnelle Höhepunkte. Die Stücke entwickeln sich in langen Bögen, lassen Motive atmen und belohnen aufmerksames Hören. Es ist ein erzählerischer Charakter, der das Album prägt. Dennoch: diese Einleitungen oder Übergänge geraten durchwegs etwas lang, was zwar der Atmosphäre dient, der Spannung und Dynamik jedoch abträglich ist. Interessant sind dabei die kurzen schrägen Sequenzen im Titeltrack „Archaica„, die ein wenig mit dem romantischen Bild brechen und wie Bildstörungen darüber flackern.
Musikalisch bewegt sich Archaica im Feld zwischen atmosphärischem Black Metal und melodischer Weite. Tremolo-Riffs, ausgearbeitete Leadgitarren und zurückhaltend eingesetzte Schreie greifen ineinander, ohne sich gegenseitig zu überlagern. Die Dynamik zwischen filigranen Passagen und urtümlicher Raserei wirkt bewusst komponiert und nie bloß als Selbstzweck. Statt technischer Selbstdarstellung steht stets der emotionale Fluss der Musik im Mittelpunkt. Die Vorbilder und Einflüsse sind hörbar, werden aber nicht plump kopiert, sondern es entsteht ein authentisches, eigenständiges Werk.
Auch die Produktion trägt entscheidend zum Gesamteindruck bei. Der Sound bleibt organisch, warm und angenehm erdig. Er vermeidet sterile Perfektion und verleiht den Gitarren eine natürliche Tiefe, während die einzelnen Instrumente ausreichend Raum erhalten. Dadurch entsteht ein Klangbild, das die nachdenklich, melancholische Grundstimmung des Albums unterstützt und dessen atmosphärischen Anspruch glaubwürdig transportiert.

Fazit:
Archaica ist ein bemerkenswertes, stimmiges Debüt, das Atmosphäre und dramaturgisches Songwriting über schnelle Wirkung und Effekte stellt. WYLK gelingt ein eigenständiges, authentisches Werk, das aber auch Vorbilder und Einflüsse erkennen lässt. Einleitungen oder Übergänge geraten durchwegs etwas lang, was zwar der Atmosphäre dient, der Spannung und Dynamik jedoch abträglich ist. Insgesamt dennoch ein gutes Album, das ein Versprechen für die Zukunft enthält.

Punkte:

Autor: distelsøl