Band: SHADOWS
Album: Miseria
Genre: Black Metal
Trackliste:
01. As Above So Below
02. Lamia
03. Delivered From Sin
04. Nadir (No Consent)
05. Spring Sleepwalker
06. A Seance
07. Mässa XCIV
08. Cycles
09. Unnamed Sorrow

Die vier Mann Blackend-Death-Partie SHADOWS, die ursprünglich als Soloprojekt gestartet hat, veröffentlicht mit Miseria ihr erstes Studioalbum und lässt es auf dem 9-Track-starken Longplayer nicht nur ordentlich krachen, sondern teils auch melodisch und fast schon verträumt zur Sache gehen.
Dass die Jungs auch Fans von Größen des Blackend Thrash sind und sich nicht stur auf eine Linie fokussieren, beweist schon der erste Song „As Above So Below„, der melodisch mit halb-gutturalen Vocals beginnt, sich über einen stetigen Rhythmus aufbaut und seinen höchsten Spannungspunkt in einem unbarmherzigen Blastbeat findet. Dieser wandelt die Stimmung der Nummer deutlich von melodisch zu kraftvoll und bricht den Spannungsbogen schließlich in ein langes Solo. Eine Nummer, die nicht recht Fisch noch Fleisch sein möchte – teils blackig, teils blackend-thrashig und wenig deathig – und am ehesten mit Nummern von BEWITCHED oder ANGELCORPSE vergleichbar ist.
Blastig treibendes Drumming mit allerdings um einiges ruhigerem und fragilerem Aufbau bringt „Lamia„. Obwohl sich die melodisch tiefe Nummer am Stil des Openers orientiert, entwickelt der Track deutlich mehr Tiefe, kommt mit klarerer Melodieführung und musikalischer Linie daher. Die Lead-Gitarre trägt eine tremolo-gespielte Linie, während die Vocals unterschiedliche Ansätze zeigen – vom Kreischen bis hin zu shrieks und teilweise fast schon gerufenem Gegrowle – was Abwechslung in die rhythmisch sauber aufgebaute Nummer bringt.
Ein erneuter Stimmungswechsel von vormals dramatisch zu tief melancholisch bringt „Delivered From Sin“ mit sich. Wieder mehr thrash-blackig als blackend-deathig wummert der Track über aggressivem Drumming aus den Lautsprechern, das gerne dezenter hätte ausfallen können, denn durch das Mastering und die extremen Blasts geht die an sich schön gespielte Rhythmusgitarre fast komplett unter.
Obwohl wir hier wieder eindeutig blackiger werden und sich die düstere Grundstimmung auch in „Nadir (No Consent)“ fortsetzt und im Verlauf der Nummer zu aggressiv-wuchtig ändert, geht erneut viel durch das Mastering verloren. Das Riffing und die sauber geführte Rhythmik sind durch die Produktion schwer auszumachen, während Soli und Vocals hervortreten und andere, durchaus vorhandene Finessen der Nummer in den Hintergrund drängen.
Dieses Muster wiederholt sich in „Spring Sleepwalker„, wodurch einer kraftvollen und technisch sauberen Nummer viel von ihrer Vielschichtigkeit genommen wird und sie eher mittelmäßig als wirklich großartig wirkt.
Drums und Vocals bleiben auch bei „A Seance„ und „Mässa XCIV“ klar im Vordergrund, während die saubere Melodieführung und die großartige Arbeit der Gitarren erneut untergehen. Zwei Nummern, die absolute Brecher sein könnten, werden so zu soliden Blackend-Death-Tracks ohne großen Wiedererkennungswert und wirken eher durchschnittlich – auch wenn „Mässa XCIV“ mit einem starken Gitarrensolo und zwei sauber geführten Tremolo-Linien aufwartet.
Viel Tempo und wenig Abwechslung gibt es in„Cycles“. Ein Track, der erneut mit dominantem Drumming und viel Gekeife daherkommt und mehr thrash-deathig als blackig ist. Zwar rasend schnell und technisch sauber, fehlt auch hier wieder das gewisse Etwas und die Individualität, was durch das dominante Klangbild aus Drums und Vocals nur noch verstärkt wird.
Der durchgehende roter Faden des Albums setzt sich im Closer Unnamed Sorrow fort. Obwohl die Nummer ruhiger, giftiger und getragener verläuft, wird der angestrebte Paukenschlag durch das wenig durchdachte Mastering nicht erreicht und rundet ein in sich stimmiges und solides Album, das jedoch keinen Wiedererkennungswert und keine echte Individualität mit sich bringt, im gewohnten Muster ab.

Fazit:
Miseria ist ein handwerklich solides Debüt, das mit guten Ansätzen in Melodieführung und Songaufbau aufwartet, diese jedoch nur selten konsequent ausspielt. Einzelne Tracks zeigen deutliches Potential und könnten mit anderem Fokus echte Highlights sein, werden jedoch immer wieder durch ein zu dominantes Drumming und ein unausgewogenes Mastering ausgebremst, das vor allem die Gitarrenarbeit verschluckt. So bleibt ein Album, das durchgehend stimmig und hörbar ist, aber weder echten Wiedererkennungswert noch eine klare eigene Identität entwickelt. Miseria funktioniert als solides Blackened-Death-Release, hinterlässt jedoch keinen nachhaltigen Eindruck und bleibt am Ende eher Durchschnitt als Ausrufezeichen.
Punkte:
Autor: Nicki
