Band: SIECHTUM
Album: Ostwind / Verlorenes seelenloses Land
Genre: Raw Black Metal
Label: Pesttanz Klangschmiede
Trackliste:
01. Ostwind
02. Ded Moroz
03. Durch den Schleier
04. Sehnsucht
05. Wo einst Freiheit war
06. Abschied der Drei
07. Zorn der Hünen

SIECHTUM – Ostwind / Verlorenes seelenloses Land
Seit 2005 treibt das Ein-Mann-Projekt SIECHTUM, hinter dem der Brandenburger Wheela steht, über den ansonsten nichts bekannt ist, sein Unwesen und liefert mit Ostwind / Verlorenes seelenloses Land sein neuestes Release ab. Die Doppel-EP wurde im März 2026 von der Pesttanz Klangschmiede veröffentlicht, einem Label, das sich wohl auf Schwarzmetall der besonderen Art spezialisiert hat. Geboten wird Raw Black Metal der alten Schule, der mit seiner bewusst kargen und ungeschliffenen Ästhetik unweigerlich an frühe Darkthrone, Burzum oder auch Urgehal denken lässt. Hinter dem rauen Klangbild steckt allerdings deutlich mehr Melodie, als die primitive Produktion zunächst vermuten lässt. Repetitive Riffs und Tremolo werden immer wieder von melancholischen Melodielinien durchzogen und sorgen trotz aller Reduktion für ordentlich Atmosphäre.
Schwarzmetall der rauen Sorte bietet auch dieser insgesamt sieben Tracks starke Brecher, der gleich zur Eröffnung mit „Ostwind“ die Kälte des Nordens und die Rawness der 90er an den Hörer bringt. Repetitive Tremolofiguren bilden das Grundgerüst, werden allerdings immer wieder melodisch weitergeführt. Gerade diese Mischung aus schneidender Monotonie und melancholischer Gitarrenführung funktioniert hervorragend, auch wenn sich einzelne Motive auf über acht Minuten stellenweise etwas zu hartnäckig wiederholen.
„Ded Moroz“ und „Durch den Schleier“ halten am rohen Fundament fest, gehen gitarrentechnisch allerdings unterschiedliche Wege. Während „Ded Moroz“ vor allem von wiederkehrenden melodischen Figuren und beinahe hypnotischer Monotonie lebt, zeigt sich „Durch den Schleier“ deutlich beweglicher. Schroffes Rhythmusriffing wird immer wieder von Leadmotiven durchbrochen und sorgt für mehr Variation. Wheelas russische, harsche Vocals verleihen „Ded Moroz“ zusätzlich eine frostige Eigenständigkeit, bleiben allerdings relativ eindimensional. Generell entwickeln die Gitarren deutlich mehr Dynamik als der Gesang, während die starke Wiederholung einzelner Motive stellenweise Gefahr läuft, von hypnotisch in monoton zu kippen.
Eine erstaunliche Wendung nimmt die Platte mit „Sehnsucht“. Hier fällt der Gesang komplett weg und überlässt den rauen Gitarren die gesamte Arbeit. Die Nummer lebt von einem bewusst monoton gehaltenen, melancholischen Motiv und zeigt besonders deutlich, wie melodisch SIECHTUM innerhalb des eigentlich primitiven Klangbildes arbeiten kann. Atmosphäre und Spannung entstehen fast ausschließlich durch Wiederholung und kleine melodische Veränderungen, auch wenn es dadurch an wirklichen Überraschungen fehlt.
„Abschied der Drei“ treibt diese Entwicklung am weitesten. Mit über zehn Minuten bekommt die Gitarrenarbeit viel Raum, um zwischen repetitiven Black-Metal-Flächen und melodischeren Passagen zu wechseln. Gerade die Leads lösen sich stärker vom Rhythmusfundament und verleihen der Nummer eine melancholische Weite, die SIECHTUM deutlich von einer bloßen Second-Wave-Retrospektive entfernt. Der harsche Gesang bildet dazu einen wirkungsvollen Kontrast, bleibt aber deutlich weniger abwechslungsreich als die Gitarren. Auch die Spielzeit ist ambitioniert, denn nicht jede Wiederholung trägt die Spannung über die gesamten zehn Minuten.
„Zorn der Hünen“ führt schließlich beide Seiten zusammen. Die raue und spröde Second-Wave-Ästhetik trifft auf die melodischere und klarer strukturierte Gitarrenarbeit der zweiten Hälfte. Repetitive Riffs bilden weiterhin das Fundament, während die melodischen Gitarrenlinien zunehmend Eigenständigkeit entwickeln und die Nummer wesentlich größer wirken lassen, als es die bewusst rohe Produktion zunächst vermuten lässt. Gerade hier zeigt sich nochmals deutlich, dass SIECHTUM zwar tief im alten Raw Black Metal verwurzelt ist, musikalisch aber längst mehr als eine bloße Hommage an die Größen der 90er bietet. Etwas mehr Variation bei den Vocals und weniger ausgedehnte Wiederholungen hätten dem Abschluss allerdings zusätzliche Schärfe verliehen.

Fazit:
Mit Ostwind / Verlorenes seelenloses Land liefert SIECHTUM starken Raw Black Metal, der seine Wurzeln in den 90ern nicht versteckt, durch die überraschend melodische Gitarrenarbeit aber genug Eigenständigkeit entwickelt. Gerade die Leads, die melancholische Atmosphäre und das bewusst rohe Klangbild gehören zu den großen Stärken der Platte. Etwas mehr Variation bei den Vocals und weniger ausgedehnte Wiederholungen hätten einigen Nummern allerdings gutgetan. Dennoch ein raues, atmosphärisches und durchwegs gelungenes Release, das zeigt, dass „Keep it simple“ auch heute noch hervorragend funktionieren kann.
Punkte:
Autor: Nicki
