Band: MALADIE
Album: The Dance Of Tragedies
Genre: Progressive/Avant-garde Black Metal
Label: Apostasy Records
Trackliste:
01. Vortex of Monotony
02. Behind All Suns
03. Too Old to Die
04. The Unknowable
05. The Dance of Tragedies
06. Embrace Our Curse
07. On Inaccessible Paths Part I
08. On Inaccessible Paths Part II

Wenn ein neues Album von MALADIE erscheint, muss man sich Zeit nehmen. Es ist eigentlich die Regel, dass die Norm-Laufzeit einer CD gut ausgeschöpft wird und wie beim aktuellen The Dance Of Tragedies die 70 Minuten-Grenze übersteigt. Aber es empfiehlt sich auch, sich Zeit zu nehmen, weil es die Musik verlangt. Es gibt Musik, die sich jeder Beschreibung entzieht und MALADIEs Œuvre ist ein wunderbares Beispiel dafür. Das Sextett aus Ludwigshafen rund um Björn Köppler verfolgt seit Jahren seine eigene Vision ihres „Plague Metal“ bei dem Elemente aus Black Metal, Progressive Metal und weiteren Stilrichtungen in einer avantgardistischen Klangarchitektur zu einer organischen Ästhetik verschmelzen lässt. Das vorliegende – bereits achte – Album der Deutschen verspricht Kontraste zwischen Chaos und Kontrolle, Intensität und Zurückhaltung, dessen Kompositionen nicht in festen Formen verharren, sondern permanent in Bewegung bleiben.
MALADIE schreiben keine Songs im klassischen Sinn, etablierte Songstrukturen oder Songwriting-Regeln sind für die Deutschen höchstens etwas Nostalgisches. Vielmehr klingen die Songs wie das Resultat eines Jams, alles fließt, harmonisch, organisch, aber komplex und mit Tiefe. Immer wieder eröffnen sich neue Klangbilder, winden sich neue Melodielinien um die haltgebende Struktur der Rhythmussektion, nur um sich Sekunden später wieder aufzulösen, sich zu transformieren. Nichts wirkt konstruiert, alles organisch, als würde jeder Song für sich existieren. Mal ruhig und weit, mal wild und aufgewühlt, aber immer mit einer klaren Orientierung. Die Musik scheint ständig in Bewegung zu sein, nicht suchend, nicht orientierungslos, sondern sich selbst bewusst und den inneren Zusammenhang kennend.
Das Klangbild ist komplex und doch findet jedes der – mitunter ungewöhnlichen – Instrumente, den Raum, den es braucht und den es füllen kann. Ein warm klingendes Saxophon, druckvoll treibende Drums, schneidende Gitarren, dazwischen schimmern Klavier, ein Didgeridoo und spacige Synthieblitzlichter. Die Vocals pendeln zwischen unfassbar schönem Klargesang („On Inaccessible Paths Part II“) und röchelnden Kreischen („Vortex of Monotony„), hymnischen Stadion-Lines („Behind All Suns„) und sogar Rap. Was unvereinbar klingt, ergibt bei MALADIE nicht nur Sinn, sondern behauptet, es wäre gar nicht anders denkbar. Die vermeintlichen Kontraste sind nicht Gegensätze, sondern natürlicher Klang in einem Spektrum, wie Licht.
Dasselbe gilt für die Atmosphäre – es gibt hektische, spacige, tanzbare Passagen, es gibt ruhige, zurückhaltende, es gibt aggressive, zwischen Verzweiflung und Anklage platzierte Stimmungen. Erstaunlich, wie positiv, lebendig und lebensbejahend der ‚Tanz der Tragödien‚ klingen kann. Die Musik lädt nicht dazu ein, sich in Verzweiflung zu verlieren. Sie fordert vielmehr dazu auf, weiterzugehen. Das Tragische ist als Teil eines größeren Kreislaufs zu begreifen. Verlust und Schönheit, Abschied und Neubeginn existieren nebeneinander, nicht nur dem Anfang wohnt ein Zauber inne. Es ist der Tanz, der es lebendig hält.

Fazit:
Mit The Dance Of Tragedies gelingt MALADIE ein Album, das Komplexität, Hörbarkeit und emotionale Zugänglichkeit auf bemerkenswerte Weise vereint. Die Musik bewegt sich frei zwischen Metal, Progressive und Jazz mit enormer atmosphärischer Offenheit, ohne jemals ihre Identität zu verlieren. Bewegung, Wachstum und Möglichkeiten – trotz, oder gerade wegen, all der Tragödien. Nein, es ist kein Album das man nebenbei hört, das zwischen Alltagsaufgaben Platz findet – es fordert Zeit, es fordert Aufmerksamkeit und belohnt es mit einem der bemerkenswerten Hörerlebnisse des bisherigen Jahres.
Punkte:
Autor: distelsøl
