Band: JUNON
Album: The Golden Citadel Of The Astral Sphere
Genre: Psychedelic Black Metal
Trackliste:
01. Propheten der blauen Flamme
02. Unterm Glutmond
03. Inanitas Cedit Profundo (Die Leere weicht der Tiefe)
04. Dolorosa

The Golden Citadel of the Astral Sphere wirkt neben traditionellem Black Metal wie ein okkultes Räucherwerk unbekannter Kräuter, wie Schwaden aus Goldstaub und psychedelische Erfahrungen. Was man meinte, über Black Metal gewusst zu haben, was man erwartet, zerfließt wie in Fieberträumen. JUNON ist das 2022 gegründete Projekt einer deutschen Künstlerin, die sich bewusst jeder eindeutigen Verortung entzieht. Über den Wurzeln des traditionellen Black Metals, wuchert Fremdes, sich an der Kraft der Tradition nährend, um Neues zu schaffen. JUNON selbst beschreibt ihren Stil als „occult, psychedelic black metal“. Das Mitte Mai erschienene erste Album bietet vier Songs und eine Laufzeit von über 42 Minuten.
Dieses Album ist nicht nur Musik, es ist eine Erfahrung. Nichts ist, wie es scheint. Nichts wird, wie erwartet, Nichts bleibt, wie es gewesen ist – und doch verschlingt es die Hörerin. Ein okkultes Hexen-Ritual, vereinnahmend und konfrontierend. Ein Fiebertraum, ein psychedelischer Trip, alles fließt, verliert Kontur, formt sich neu. Die Musik hat eine ganz eigentümliche Körperlichkeit: Sie flimmert, atmet, verrottet und erblüht zugleich. Nichts daran wirkt steril oder kalkuliert avantgardistisch.
Die Gitarren wirken wie kreisende Beschwörungen, die sich langsam, wie Schwaden aus Goldstaub, um die Hörerin legen. Die Drums treiben an und brechen immer wieder an sich selbst, im flirrenden Sturm. Der Bass ordnet, strukturiert und wirkt tatsächlich wie der in „Inanitas Cedit Profundo (Die Leere weicht der Tiefe)“ erwähnte Puls der Leere dem man folgen muss. Beeindruckend, wie melodische Passagen entwickelt werden, nur um unmittelbar darauf von chaotischen Ausbrüchen verschlungen zu werden. Die Vocals sind theatralisch, auf dem gesamten Spektrum zwischen ekstatischen Kreisen und wahnsinnigen Flüstern, was das Album wie ein Musiktheater wirken lässt oder mehr noch, der Musik eine astrale Sphäre und Erhabenheit verleiht.
Gerade darin liegt die Stärke von The Golden Citadel of the Astral Sphere. Das Album erzeugt keinen bloßen Klangraum, keine bloße kulissenartige Atmosphäre, vielmehr eröffnet es – wie ein Übergangsritus – einen neuen Raum. Musikalisch lassen sich Elemente aus (psychedelischen) Prog, aus Doom, aus Jazz entdecken, die kunstvoll in den strukturgebenden Black Metal eingewoben werden, JUNON verliert dabei niemals den roten Faden, es ist keine beliebige, eklektische Vermischung von Stilelementen, sondern ein organisches Ganzes, das sich wie ein einziger langer Bewusstseinsstrom anfühlt, der unausweichlich in das abschließende „Dolorosa“ führt. Mit 21 Minuten Spielzeit ein monumentaler Track, der Black Metal transzendiert, in seine Bestandteile zerlegt, verbrannt und als geisterhafte neue Form wieder zusammengesetzt.
Das Album ist anders, entrückt, vielleicht sogar bizarr und verstörend, aber sicher immer eine intensive Erfahrung – das muss nicht gefallen, aber es ist in jedem Fall hörenswert.

Fazit:
The Golden Citadel of the Astral Sphere verweigert sich jeder Form unmittelbarer Zugänglichkeit. Die Musik windet sich durch verwinkelte Gänge aus Dissonanz, sakralem Hall und fiebriger Psychedelik bis jede Orientierung verloren geht und Genregrenzen bedeutungslos werden. Zu eigenwillig ist diese Mischung aus okkulter Raserei, zerfallender Spiritualität und astraler Entrückung. Nüchterne Wertungen greifen bei The Golden Citadel of the Astral Sphere ebenso ins Leere wie stilistische Schubladen. Was bleibt, ist das Gefühl, für einen Moment in eine fremde, goldschimmernde Sphäre geblickt zu haben — schön, vollkommen entrückt vom Irdischen. Oder aber eine außergewöhnliche, verstörende Reise, die unwirklich bleibt.
Punkte:
Autor: distelsøl
