BÄRNSERKER – Vo Höche Bärge U Tiefe Schluchtä (2023)

Band: BÄRNSERKER
Album: Vo Höche Bärge U Tiefe Schluchtä
Genre: Black Metal

Trackliste:
01. Bärnserker
02. Irgendeinisch
03. Es Wunger
04. Wurzlä
05. Grau u Schwarz
06. Wie lang no
07. Troum oder Realität
08. Kompass

Das Debüt des baden-württembergischen One-Man-Pagan-/ Folk-Black-Metal-Projekts BÄRNSERKER aus dem Jahr 2023 ist eines der Paradebeispiele dafür, dass Pagan Folk Black Metal nicht zwangsläufig aus sinnlosem, stundenlangem Gedudel bestehen muss. Schöne Melodiebögen, eine ausgewogene Mischung aus Härte und Melodie sowie abwechslungsreiche Songaufbauten zeichnen die 2022 gegründete One-Man-Show von Beginn an aus – was bereits der Opener „Bärnserker“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Der mit etwas über fünf Minuten für das Genre vergleichsweise kurze Track kommt mit eingängigem Riff, klingender, an TAAKE erinnernder Melodieführung und einem hervorragend aufgebauten Spannungsbogen daher, der trotz seines melodischen Ansatzes nie an Härte verliert und besonders durch die starke Leadarbeit überzeugt. Dieses Niveau wird in „Irgendeinisch“ und „Es Wunger“ konsequent fortgeführt, auch wenn hier etwas bedrohlichere, fast schon düstere Sequenzen verbaut wurden – ein Element, das den Spannungsbögen sehr guttut und sie auf ein hohes, stimmiges Level hebt.
„Die e Wurzlä“ kommt ruhig, melodisch und erzählerisch daher, schön getragen und als stimmige Pause platziert. Stilistisch und in der Melodieführung dürften sich hier Fans von SUMMONING und FALKENBACH ebenso abgeholt fühlen wie Anhänger von MENHIR oder den italienischen Folk-Blackern HESPERIA.

Eine stimmig kalte und atmosphärisch epische Nummer ist „Grau u Schwarz“, die nicht von Geballer oder Dudelsack-Gedudel lebt, sondern vom Wechsel aus Takt und Tempo, geschickten Variationen im Einsatz der Vocals und einem wunderschön geführten Melodiebogen. Mit vergleichsweise wenigen Stilelementen entsteht hier viel Atmosphäre. In puncto Epik und Aufwand bewegt sich „Wie lang no“ eher in falkenbachähnlichen Gefilden. Der Track ist episch schön, glänzt durch starke Leadarbeit, großartige Harmonieführung und gelungene Gesangselemente, leidet jedoch etwas unter mangelnder Abwechslung und Individualität. Nach mehreren Nummern im ähnlichen Stil wünscht man sich hier doch mehr blackige Elemente und etwas mehr Wucht – schön, keine Frage, aber stellenweise auch ermüdend.

Eine Nummer, die das Herz jedes Pagan-Black-Metal-Fans höherschlagen lässt, ist „Troum oder Realität“. Eingängige, episch anmutende Melodie, eisige Kälte, klarer Klangbogen und spürbare Tiefe greifen hier perfekt ineinander. In Verbindung mit der erneut hervorragenden Leadarbeit liefert der Track genau das, was man sich in diesem Kontext wünscht.

Der Closer „Kompass“ bildet ein melodisch ruhiges und stimmig schönes Outro, das komplett ohne Geschrammel oder Gekeife auskommt und ein durchwegs gelungenes Release abrundet – eines, das man kaum für einen Erstling halten würde.

Fazit:
Vo höche Bärge u tiefe Schluchtä ist ein überraschend reifes und durchgehend stimmiges Debüt, das zeigt, wie gut Pagan/ Folk Black Metal funktionieren kann, wenn Melodie, Härte und Songstruktur ausgewogen zusammenspielen. BÄRNSERKER überzeugen vor allem durch starke Leadarbeit, schöne Melodiebögen und ein gutes Gespür für Atmosphäre.
Auch wenn sich im Mittelteil stilistische Wiederholungen einschleichen und etwas mehr blackige Wucht gut getan hätte, bleibt ein rundes, ehrliches und hörenswertes Release, das man kaum für einen Erstling halten würde und definitiv Lust auf mehr macht.

Punkte:

Autor: Nicki