Band: ERGOT
Album: Decade
Genre: Black Metal/Ambient
Label: Aeternitas Tenebrarum
Trackliste:
01. Notte senza fine
02. Quel sogno che incombe
03. Tutto niente e nessuno
04. 11:11
05. AlterEgo666
06. O.M.N.I.
07. Riflesso di mille realtà

ERGOT ist ein italienisches One-Man-Black Metal Projekt aus Triest, das seit 2009 besteht. In den ersten Jahren wurden ein Demo, eine EP und 2015 ein Album veröffentlicht. Seither ist es ruhig geworden um das Projekt von Lord Ergot, ein Jahrzehnt ist ins Land gezogen. Ende November 2025 erschien nun das zweite Album mit dem passenden Titel Decade. Sieben Songs, gemacht für lange Winternächte. Die Hörerin erwarten knapp 40 Minuten zwischen atmosphärischem Black Metal, Post-Black-Einflüssen und einer eigenwilligen, fast kontemplativen melancholischen Dunkelheit.
Ein Spaziergang durch die Winternacht. Allein, ohne Eile, der Weg selbst wird zum Ziel. Kaltes Mondlicht, über der Landschaft liegt schwerer Nebel. Eine eisigkalte Brise im Gesicht, der eigene Atem sichtbar. Alles ist vertraut und doch berühren die Schatten in der Dunkelheit auf ganz neue Art. Der Weg führt ins Unbekannte, ins Ungewisse und doch zurück ins Selbst. Zurückhaltend, mitunter träumerisch, gleichwohl introspektiv, nachdenklich. Die Zeit steht still.
Decade vertraut seiner Atmosphäre und lässt ihr Zeit, sich zu entfalten. Riffs entwickeln sich nicht im klassischen Sinne, sie kreisen, verharren, verdichten sich langsam. So entsteht eine fast meditative Sogwirkung, ganz ohne Pathos, aber gerade deswegen berührend. Sauberes Tremolo an den Gitarren, knackige Riffs, schmerzhaft schöne Soli, das Schlagzeug trocken, präsent, ohne zu dominieren, der Bass als grundsolider, wenn auch dunkler Boden, der trägt. Sparsam und dezent eingesetzte Keyboards. Aus dem Zentrum dringt eine Stimme, aus der zunächst – wie in „Notte senza fine“ – Aggression und Verzweiflung spricht, die aber mit Fortdauer immer stärker Erschöpfung transportiert und zum Ausdruck innerer Abnutzung, anstatt von Wut wird. Einen kurzen Augenblick des Durchatmens und Innehaltens markiert das Instrumentalstück „11:11„, bevor es an die emotionalsten Tracks geht. „AlterEgo666“ beginnt kraftvoll, entwickelt sich aber emotional langsam, fast unmerklich weiter, bis er in einem Gitarrensolo einer Mischung aus Verzweiflung und Selbstbehauptung kulminiert. Insbesondere aber „Riflesso di mille realtà“ wie ein berührender, resignierender Blick in die kalte Nacht, in Auseinandersetzung mit dem Blick der Anderen, wenn man sich im Spiegel tausender Realitäten betrachtet, sich verliert in den Bewertungen anderer und zuletzt doch erkennt, nur man selbst, bestimmt wer man ist.
Nicht alle Songs können diese Intensität und Qualität halten – so ist beispielsweise „Omni„, bei dem die Keyboards ein wenig deplatziert wirken, zu gleichförmig oder will „Quel sogno che incombe„, das eine ruhige, sphärische-verträumte Atmosphäre schafft, die mit stürmischen, vorantreibenden Drums kollidiert, irgendwie nicht so ganz ins Gefüge passen. Dennoch: ein gelungenes, dichtes Album.

Fazit:
Decade ist kein Album der großen Würfe, der großen Gesten und der Selbstdarstellung. Es schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern zieht die Hörerin langsam in seinen Bann. Die Stärke liegt in der Stimmung und Atmosphäre, ideal für lange Winternächte und den Blick nach innen. Ein stilles Album, das noch länger nachwirken wird.
Punkte:
Autor: distelsøl
