Band: RICKERT G
Album: Endless Thoughts
Genre: Melodic Death Metal
Label: WormHoleDeath
Trackliste:
01. The Journey
02. Farewell
03. The Mass of the Dead
04. Hypocrite
05. Coming Home
06. Singularity
07. Endless Thoughts
08. End of Sanity

Endless Thoughts erschien ursprünglich bereits 2021 und ist jetzt auch auf Spotify verfügbar. Das Ganze wirkt ziemlich offensichtlich wie ein Soloprojekt und zwar eines, bei dem vor allem ein kreativer Gitarrist seine Ideen gesammelt und verarbeitet hat. Musikalisch bewegt sich das Album irgendwo um einen melodischem Death Metal, oder Thrash Metal.
„The Journey“ startet mit einem klar oldschooligen Sound, aber einem wirklich starken Mainriff. Der Gesang geht deutlich mehr in die klassische Death-Metal-Richtung, während die Melodien eher skandinavisch wirken. Gerade dieser triolische Rythmus erinnert teilweise fast an Viking-Metal. Die Sologitarre ist hier allerdings viel zu laut gemischt. Trotzdem funktioniert der Song grundsätzlich gut. Er ist sehr melodisch, auch wenn er jetzt nicht völlig spektakulär oder außergewöhnlich ist.
„Farewell“ macht stilistisch genau dort weiter. Wer den ersten Song mag, wird hier keine großen Überraschungen erleben. Interessanterweise passt hier die Lautstärke der Sologitarre deutlich besser in den Mix. Generell merkt man aber schon früh, dass das Album produktionstechnisch Probleme hat. Mit einem stärkeren und konsistenteren Mix könnte das Material deutlich besser wirken.
Grundsätzlich wirkt vieles etwas repetitiv, aber die Melodien und Riffs funktionieren trotzdem erstaunlich gut. Zwischendurch gibt es kleinere und größere Experimente, wie etwa manche Soli oder ungewöhnliche Übergänge. Gleichzeitig klingt vieles aber so, als wäre das Album nie wirklich fertig gemixt worden. Das fällt unter anderem auch im „Onlybass“ Teil von der zweiten Nummer auf, weil er eher wie eine rohe Vorproduktion wirkt als wie ein fertiger Albumsound.
„Hypocrite“ klingt wieder deutlich anders als die vorherigen Songs. Wirklich herausragend ist die Nummer zwar nicht, aber sie hat gute Riffs und einen eingängigen Refrain mit dem „Fuck you“, der hängen bleibt. Außerdem sind hier Gastsänger beteiligt, was noch mehr zusätzliche Abwechslung hineinbringt.
Was generell auffällt: Obwohl immer dieselben Instrumente verwendet werden, klingen die Songs teilweise komplett unterschiedlich. Manche Nummern wirken fast so, als würden sie von verschiedenen Releases stammen. Falls das absichtlich war, bringt es zumindest eine gewisse Abwechslung hinein. Gleichzeitig fehlt dem Album dadurch aber ein konsistenter Gesamtsound. Auch beim programmierten Schlagzeug hätte man sich stellenweise mehr oder überhaupt eine Dynamik wünschen können.
„Coming Home“ orientiert sich stilistisch wieder stärker an „The Journey“, während „End of Sanity“ erneut komplett anders klingt als der Song davor. Hier sind die Gang-Vocals beispielsweise extrem laut gemischt.
Das gesamte Album wirkt letztendlich wie die Riffsammlung eines kreativen und durchaus talentierten Gitarristen. Stilistisch lässt sich das Ganze nur schwer eindeutig einordnen, weil fast jeder Song ein wenig anders klingt. Gleichzeitig fehlt aber noch ein klarer Wiedererkennungswert, der RICKERT G als eigenes Projekt wirklich definieren würde. Man hört viele Death- und Thrash-Metal-Elemente, dazu kleinere und größere Experimente und teilweise auch wirklich starke Ideen.
Auch die Soundeffekte wirken teilweise wie free Sounds. Bei „Singularity“ gibt es beispielsweise am Anfang einen Effekt, der vermutlich wie ein Vinyl-Noise oder Tape-Effekt wirken soll, aber extrem seltsam ausgefadet wird, die Gitarre ist auch nicht passend dazu equalized. Schwer zu beschreiben, das muss man tatsächlich selbst hören.
Generell schwankt das Album ständig zwischen interessanten Ideen, bekannten Standardriffs und experimentellen Ansätzen. Dadurch wirkt Endless Thoughts gleichzeitig ungewöhnlich und gewöhnlich. Es ist kein schlechtes Album, aber es klingt oft unfertig, skizzenhaft und wie ein Konstrukt aus vielen einzelnen Ideen. Manchmal ist der Sound wirklich gut, manchmal eben überhaupt nicht.

Fazit:
Endless Thoughts hat definitiv interessante Momente. Viele Riffs funktionieren gut, die melodischen Elemente gehen klar und es gibt immer wieder Experimente, die das Album von völlig generischem Melo-Death abheben. Gleichzeitig fehlt es dem Projekt noch an Konsistenz – sowohl im Songwriting als auch im Sound.
Das ist eher etwas für Liebhaber von Underground-Melodic-Death-Metal und Leute, die Freude daran haben, kreative Rohfassungen und unfertige Ideen herauszuhören. Technisch und kreativ steckt hier definitiv Potenzial drin. Mit einem klareren Stil, einem konsistenteren Mix und etwas mehr Fokus könnte daraus in Zukunft tatsächlich ein sehr gutes Projekt werden. Irgendwie klingt das Album wie eine Werkstatt voller halb fertiger Maschinen, die jederzeit auseinanderfallen könnten, aber manchmal plötzlich doch bemerkenswert gut funktionieren.
Punkte:
Autor: Gratzer Ossian
