VERBA SERPENTIS – Torchbearers (2026)

Band: VERBA SERPENTIS
Album: Torchbearers
Genre: Black Metal

Trackliste:
01. Ad Majorem Sathanas Gloriam
02. Ascension of the Golden Age
03. Consciousness
04. Torchbearers
05. Spheres of Darkness

VERBA SERPENTIS
Torchbearers

Eines der wohl feinsten Exportprodukte Kärntens sind die fünf Jungs von VERBA SERPENTIS, die mit ihrer EP Ophidic Gnosis 2024 erstmals richtig präsent wurden und mit feinster Musik der düstersten Sorte überraschten. Nun, zwei Jahre später, sind sie mit ihrer neuen EP Torchbearers wieder da und haben sich auch hier wieder viel vorgenommen. Obwohl der neueste Brecher der vier Jungs aus Klagenfurt diesmal komplett anders daherkommt, überrascht die Platte trotzdem mit dem ein oder anderen klassischen Element und düsterer Theatralik, was schon der Opener „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ anklingen lässt.

Denn das Erste, das auffällt, ist zeitgemäßes Mastering und ein gut definierter Sound, der nichts von jener kratzigen Kassettenrecorderdynamik hat, die schon das ein oder andere gute Album abgeschwächt hat. Beim Opener ist der Schwachpunkt jedoch ein anderer. Kommt „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ zwar mit großartiger Dynamik und schöner, harmonischer Melodie daher, so fehlt dem Track nach dem Spannungsaufbau der gewisse Höhepunkt oder auch das Grande Finale — was die Nummer zwar gut hörbar macht, aber doch eine gewisse Erwartungshaltung, die man an einen melodischen Track wie diesen hat, nicht ganz erfüllt.
Marschtempo, eine tragende Klanglandschaft und hervorragende Leadarbeit, die für den Aufbau der Atmosphäre verantwortlich ist, sind die Zutaten, die „Ascension of the Golden Age“ besonders machen. Die Nummer glänzt, wie ihr Vorgänger, durch eine harmonische und durchdachte Melodieführung, sticht durch die großartigen Leads heraus und schafft, was zuvor misslungen ist: Der Spannungsbogen wird aufgebaut und entlädt sich nach einem geschickt gesetzten Gitarreninterlude und trügerischer Ruhe in einem gewaltigen und brachialen Blast, der hinter den dramaturgisch und fast schon rituell anmutenden Vocals die Nummer ins Grande Finale führt.
Ruhiger und wieder im mittleren Tempo geht „Consciousness“ ins Rennen. Spannung entsteht durch den ruhigen Einstieg, der dann ins mittlere Tempo übergeht, wobei beim dritten Track der Platte die atmosphärische Tiefe etwas verloren geht, da das Spiel mit Takt und Tempo wohl übertrieben wurde. Trotzdem glänzt die Nummer erneut durch den harmonischen Aufbau, die großartige Leadarbeit und das durchdachte Songwriting, auch wenn viel Dramaturgie und wenig Spannung entsteht — was aber mehr Geschmackssache als Kritik ist.
Eine Überraschung bietet der Titeltrack „Torchbearers“. Die Nummer ist brachialer als der Rest des Albums, kommt mit höherem Tempo daher und steigt — man glaubt es kaum — mit ordentlichem Blastbeat ein. Geschickt gesetzte Breaks, giftiges Gekeife und die durchwegs hervorragende Gitarrenarbeit machen den Track zum stärksten der EP und setzen das dramaturgisch-melodische Konzept, von dem Torchbearers lebt, nochmals, und besonders im letzten Teil der Nummer, perfekt um.
Beim Closer „Spheres of Darkness“ findet sich jedoch das gleiche Problem wie bereits beim Opener. Starker Einstieg, hervorragende Melodieführung, aber kein Grande Finale oder kein Entladen der zuvor aufgebauten Spannung. An sich stark und harmonisch, wirkt die Nummer durch den fehlenden Spannungsbogen jedoch wenig intensiv und druckvoll, zeigt aber trotzdem Potenzial und macht Lust auf mehr.

Fazit:
Torchbearers ist eine starke EP, die zeigt, dass VERBA SERPENTIS nicht nur Atmosphäre und düstere Theatralik beherrschen, sondern auch ein feines Gespür für Melodie, Dynamik und moderne Produktion mitbringen. Besonders dann, wenn sich die aufgebauten Spannungen tatsächlich entladen, entstehen starke Momente, die brachial, rituell und zugleich harmonisch wirken.
Nicht jeder Track führt seine Dramaturgie konsequent bis zum Ende und gerade Opener und Closer lassen etwas Druck liegen. Dennoch bleibt Torchbearers ein durchdachtes, eigenständiges Werk mit hervorragender Gitarrenarbeit, starkem Klangbild und genug Potenzial, um klarzumachen, dass aus Kärnten weiterhin mit düsterer Qualität zu rechnen ist.

Punkte:

Autor: Nicki