THRONE OF EVIL – Orator (2020)

   

Band: THRONE OF EVIL
Album: Orator
Genre: Black Metal
Label: Schattenkult Produktionen

Trackliste:
01. Satan-Babalon
02. Predicador
03. Máscaras Negras
04. Especie Agonizante
05. Their Mysterious Ways
06. Antu Vilu 
07. Mollfüñ 
08. Martyrs
09. Outro

Die drei Mann starke Black-Metal-Formation THRONE OF EVIL setzt mit ihrem 2020 erschienenen Debütalbum neue Akzente. Hatten sich auf der zuvor veröffentlichten EP Conocimiento Oculto noch die ein oder andere Unstimmigkeit eingeschlichen, überzeugt der neun Tracks starke Longplayer mit Präzision, herausragender Instrumentalistik und absoluter Stimmigkeit – im düster-kalten norwegischen Black-Metal-Stil, wie man ihn eher von eingefleischten Blackern aus Norwegen oder Schweden erwarten würde.

Los geht die Platte mit dem folklorisch klingenden „Satan-Babalon“, der mit episch-bedrohlichem, fast schon filmmusikartigem Getrommel eröffnet, bevor nach einem klingenden Gitarrensolo ein druckvolles Inferno im Midtempo losbricht. Epische Clean Vocals und fast schon sakrales Gesangsbild lassen an Gaahls Wyrd denken, die sich ähnlicher Stilmittel bedienen.

Unerwartet kantig und mit ordentlich Härte geht’s in „Predicador“ weiter. Eine rau gemasterte Nummer, die mit klarer Linie und kräftigem Tremolo daherkommt, während das Riffing schneidend und kalt bleibt. Auch hier setzen melodische Clean-Parts im halb operettenartigen Stil über gewaltigen Blasts Akzente, was der Nummer erneut eine gewisse Nähe zu Gaahls Wyrd verleiht – auch wenn Riffing und Melodieführung klar eigenständig bleiben.

Nicht weniger interessant ist „Máscaras Negras“, das mit Gitarrenbridge startet und in klarer Linie, fast schon im Ambient-Style, dahinmarschiert. Die eiskalt keifende Voice verzichtet hier auf Clean-Gesang, dafür punktet der Track mit einem feinen Solo und gewaltigem Drumming. Eine Nummer, die vor Individualität strotzt, aber trotzdem stimmig ins Gesamtkonzept passt.

Die Dynamik in „Especie Agonizante“ verdient besondere Aufmerksamkeit. Auch wenn das Mastering hier plötzlich deutlich räudiger klingt, überzeugt der Track durch den „nordischen Touch“, wie man ihn von Immortal oder Emperor kennt. Spannend wird die Nummer durch den gewaltigen 280er Blast im Mittelteil, der hinter eisig-giftigen Vocals und einer starken Gitarrenpassage liegt.

Wie auch beim Vorgänger kommen in „Their Mysterious Ways“ wieder Harmonien und Clean-Parts zum Einsatz. Allerdings zieht sich ein anfänglich leicht depressives, grenzdebil wirkendes Gejammer im Stil von Psychonaut 4 durch den gesamten Song, was die Wirkung schmälert. Genau solche Ausreißer nehmen den sonst starken Leadgitarrenparts und dem Spiel mit Rhythmus und Takt etwas von ihrer Schlagkraft – auch wenn der Track sich insgesamt gut ins Album einfügt.

Mit interessantem Basspart startet „Antu Vilu“, bevor es im Stil von Emperor in die Vollen geht. Mächtige Blasts hinter klassischen Black-Metal-Vocals, getragen von Reiterriffs – klassisch und erprobt, aber durch mehrere atmosphärische Parts aufgelockert, was den Song stimmig und leicht hörbar macht. Auch hier kommen wieder die Clean Vocals zum Einsatz, was den Albumkontext unterstreicht.

„Mollfüñ“ und „Martyrs“ halten die zuvor gezeichnete Linie. Während „Mollfüñ“ mit hohem Tempo und gewaltigen Blasts im Stil von Marduk oder Mayhem Druck durch Geschwindigkeit erzeugt, setzt „Martyrs“ auf mittleres Tempo, kombiniert mit gesprochenen, halb cleanen Vocals, wie man sie etwa von Witchery kennt. Beide Tracks überzeugen durch hervorragende Gitarrenarbeit und durchdachte Melodieführung.

Abgeschlossen wird die Reise mit dem instrumentalen „Outro“, das nach dem abrupten Ende von „Martyrs“ einen gelungenen Abschluss bietet.

Fazit:
Orator zeigt THRONE OF EVIL mit klarer Linie, abwechslungsreichem Songwriting und einer stimmigen Mischung aus Kälte, Härte und epischen Momenten. Besonders „Satan-Babalon“, „Predicador“ und „Antu Vilu“ stechen durch ihre Kombination aus wuchtigen Blasts, präzisem Riffing und wirkungsvoll eingesetzten Clean-Parts hervor, während „Máscaras Negras“ und „Especie Agonizante“ Individualität und Dynamik bringen. Lediglich „Their Mysterious Ways“ schwächt den Gesamteindruck etwas durch die unglücklich gewählten Vocals. Insgesamt bleibt ein Debüt, das mit Präzision und Stimmigkeit überzeugt und den klassischen Geist des skandinavischen Black Metal gekonnt weiterträgt.

Punkte:

Autor: Nicki