Band: SKAPHOS
Album: The Descent
Genre: Black/Death Metal
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions
Trackliste:
01. Nese Ende
02. Okean
03. Mireborn
04. Ube
05. The Descent
06. Horror Squid
07. The Brine Seal
08. Mariana Tomb

The Descent ist bereits das vierte Full Length Album des Quartetts SKAPHOS aus Lyon. Bereits seit 2018 verbinden die Franzosen Elemente aus Black und Death Metal und generieren so eine eigenwillig, stürmische Charakteristik. Das neue Album erschien bei Les Acteurs de l’Ombre Productions und begleitet in acht Songs und über 33 Minuten lang den Abstieg.
Keine Einladung, kein erster Schritt, sondern ein Zustand. Mit starken unbarmherzigen Griff wird die Hörerin gepackt, mitgerissen und herumgeschleudert wie in einem dunkelschwarzen Vortex. Die Orientierung geht nach wenigen Momenten verloren, als hätte die Musik längst begonnen, bevor man sie hört. Der Klang entfaltet keinen Raum, sondern ist Masse. Drückend, schwer – zunächst ohne klare Konturen. Gitarrenlinien winden sich nicht, sie pressen. Der Bass trägt zuverlässig und blitzt hie und da fast verspielt auf. Das extrem mächtige Schlagzeug markiert keinen Puls, sondern überrollt die Hörerin. Darüber eine Stimme, die nicht spricht, sondern beschwört, als wäre sie das Zentrum des Strudels, das Zentrum des schwarzen Lochs aus dem es kein Entrinnen gibt.
Die schwere Atmosphäre, die schwarze Charakteristik zeigt auf das ersten Hinhören keine Dramaturgie, keine erzählerische Dynamik, keine Höhepunkte. Stattdessen: Verdichtung. Konsequenz. Abstieg. Tiefer. Tiefer. Bis nichts mehr ist. Nichts. Nur Klang. Alles wird Teil eines größeren Strudels, der nicht verstanden werden muss, um Wirkung zu zeigen. Eine gnadenlos konsequente Ästhetik. Kein Riff bleibt, kein Motiv bietet Halt. Und dann ist da nichts mehr. Es hört einfach auf. Ein Fall ins Bodenlose. Die Hörerin bleibt zurück. Aufgewühlt. Mit Herzrasen. Orientierungslos. Kraftlos. Und dem dringenden Bedürfnis nach … einem weiteren Hördurchgang von The Descent.
Die Wirkung der Songs lässt nicht los, die Hörerin muss sich nochmal in den Strudel begeben, muss sich nochmal diesen Kräften aussetzen. Die Produktion unterstreicht die Sogwirkung der Songs: der Klang ist organisch, wenn auch erdrückend und abgründig.
Gleichzeitig kann aber genau das als Schwäche des Albums gehört werden: keine Hooks, kein Storytelling, keine Dramaturgie mit erzählerischer Dynamik. Wer das sucht, ist hier einfach falsch.

Fazit:
Mit The Descent gelingt SKAPHOS ein grandioses Album. Kein Abstieg mit Ziel, sondern ein gnadenloser schwarzer Strudel. Mit kompromissloser Ästhetik reißen die Franzosen die Hörerin mit in den Abgrund, keine Entlastung durch stilistisch hellere Momente, sondern eine massive Sogwirkung. Kein Moment des Durchatmens, sondern erdrückend und massiv. Tiefes Versinken. Das Album kann man nicht einfach hören, sondern es ist eine Erfahrung und eine absolute Empfehlung.
Punkte:
Autor: distelsøl
