Band: PRYMITYW
Album: Ślad przeszłości / Hymn potępieńczych widm
Genre: Black Metal
Label: Under The Sign Of Garazel Productions
Trackliste:
01. Intro: Bezbożna pustelnia
02. Ślad przeszłości
03. Pod sztandarem diabelstwa i mizantropii
04. I.M.L.L.N.
05. Moja matka wiedźma
06. Outro: Uwięziony między wymiarami kroczę ku śmierci
07. Intro: Zatracenie w ciemności
08. Hymn potępieńczych widm
09. Ostateczna droga ku nicości
10. Trupia melancholia
11. Złowieszczy chory jęk
12. Outro: Ostatkiem zapomnę

Ein-Mann-Projekte gibt es viele – aber nur wenige, die über zehn Jahre bestehen und dabei genügend Material anhäufen, um eine komplette Compilation zu füllen. PRYMITYW gelingt dies mit Ślad przeszłości / Hymn potępieńczych widm ohne Mühe.
Den Auftakt bildet die insgesamt zwölf Tracks starke Brachialgewalt mit „Bezbożna pustelnia“ – einem friedlich anmutenden Instrumental, das ohne große Pause in die rau-blackig-melodische Nummer „Ślad przeszłości“ übergeht. Diese startet mit Sprechgesang vor Tremolo, bewegt sich ganz im Stile von Burzum im Midtempo dahin, um schließlich in einen blastenden Übergang zu gipfeln, abzubremsen und langsam zu verklingen.
„Pod sztandarem diabelstwa i mizantropii“ und „I.M.L.L.N.“ sorgen mit melodischen Gitarreninterludien sowie hier und da eingestreuten Taktbreaks für Abwechslung in der rau-schroffen Soundlandschaft. Auch wenn das Mastering vieles schluckt, findet sich dennoch eine gewisse Raffinesse auf dieser stark 2nd-Wave-geprägten und bewusst räudig gemasterten Scheibe, was sie trotz aller Rohheit gut hörbar macht.
„Moja matka wiedźma“ bietet hingegen keine Abwechslung zu den Vorgängern – gleiches Muster: rawes Mastering, mittleres Tempo, unterbrochen von einzelnen Blasts. Man könnte fast meinen, es handle sich um einen durchgängigen Song, was das Konstrukt mit der Zeit eintönig wirken lässt.
Das Outro „Uwięziony między wymiarami kroczę ku śmierci“ beendet den ersten Teil der Compilation mit derselben Ruhe und Melodieführung, mit der sie begonnen hat, und leitet direkt in das neue Intro „Zatracenie w ciemności“ über – einem groovig-rhythmischen Track, der sich komplett von den bisherigen Nummern unterscheidet und mit hervorragender Melodieführung, einzigartiger Grundstimmung und sauberem Riffing glänzt.
In „Hymn potępieńczych widm“ und „Ostateczna droga ku nicości“ bleibt das Mastering zwar ebenso dreckig, doch offenbart sich auch hier eine subtile Raffinesse. Breaks und ein wirklich schönes Gitarrensolo machen die räudige Scheibe selbst für jene genießbar, die keine großen Fans der zweiten Welle sind.
Raffinesse und Melodie trotz Rauheit – mit „Trupia melancholia“ trifft PRYMITYW den Kern des Albums perfekt. Die im Darkthrone- bzw. Burzum-Stil dahinschleppende Nummer baut ihre Spannung und düstere Grundstimmung nicht durch opulente Instrumentierung, sondern durch giftiges Riffing und einen konstanten Soundteppich auf, der nur durch gezielt gesetzte Blasts und vereinzelte Gitarrenbridges aufgebrochen wird.
Nach einem eingängigen, sauber hörbaren Gitarrenpart passiert bei „Złowieszczy chory jęk“, dem vorletzten Track dieser rauen Reise, recht wenig: stetiges Tremolo, mittleres bis gelegentlich erhöhtes Tempo – alles technisch sauber, aber nach elf Tracks etwas ermüdend, da sehr einfach gehalten. Den endgültigen Abschluss bildet „Ostatkiem zapomn“, ein erneutes Instrumentaloutro, das die Reise stimmig beschließt.

Fazit:
PRYMITYW liefert mit Ślad przeszłości / Hymn potępieńczych widm keine moderne Hochglanzproduktion, sondern ein kompromissloses Manifest polnischer Rohheit, das tief in der zweiten Welle verwurzelt ist und sich genau dort am wohlsten fühlt. Die Compilation funktioniert weniger als abwechslungsreiche Sammlung, sondern vielmehr als harsches Gesamterlebnis, das den Hörer konstant in eine kalte, monotone, aber bewusst gestaltete Klangwelt zieht.
Wer sterile Produktionen, überbordende Arrangements oder technische Spielereien erwartet, wird hier nicht fündig. Wer jedoch die Essenz von Black Metal schätzt – Riffs, die eher schneiden als schmeicheln, Melodien, die sich langsam ins Unterbewusstsein graben, und eine Atmosphäre, die gleichermaßen abstoßend wie magnetisch wirkt – wird erkennen, dass hinter dem Dreck eine erstaunliche kompositorische Intelligenz liegt.
PRYMITYW bleibt sich selbst treu: rau, stoisch, konsequent. Keine Anbiederung an Trends, kein Bedürfnis, gefallen zu wollen. Diese Scheibe will nicht überzeugen – sie existiert. Und genau darin liegt ihre Macht.
Punkte:
Autor: Nicki
