Band: NACHTKRABB
Album: Anthologie
Genre: Atmospheric Black Metal
Trackliste:
01. Loreley
02. Die wilde Jagd
03. Irrlycht
04. Hexenhammer
05. Drud
06. Capra
07. Geistermess
08. Krampus
09. Arassas
10. Schrat

Dunkelheit legt sich über Ingolstadt. Die Menschen ziehen sich zurück in die heimelige Wärme, schlüpfen unter Decken und machen es sich gemütlich. Über den Dächern zieht ein schwarzer Schatten seine Kreise mit weit ausgebreiteten Flügeln. Immer auf der Suche nach Kindern, die nach Einbruch der Dunkelheit noch im Freien sind. Der Nachtkrabb. Die Anleihe an eine regionale Sagenfigur ist für einen Bandnamen durchaus gelungen. Zumindest dann, wenn man kalte und bedrohliche Atmosphäre verbreiten will, wie es das Ingolstädter Quartett NACHTKRABB verspricht. Im November 2025 ist das erste Album Anthologie erschienen, für uns also eine Gelegenheit hineinzuhören in eine düstere Welt der Sagen und Mythen.
Das Instrumental-Stück „Loreley“ eröffnet das rund 40-minütige Album. Ein melancholischer Marsch begleitet die Hörerin in die Anthologie. Dabei zeigen sich schon früh einige Merkmale des Albums: Eine saubere Produktion, die den Instrumenten Raum gibt, einzig die Kick Drum hätte eine bisschen mehr Kontur und Punch gut vertragen. Gute Gitarrenarbeit mit prägnanten Riffs, eine schlichte, schnörkellose, aber tragende Arbeit in der Rhythmusabteilung und auch eine gewisse Dynamik in der Progression. Da ist durchaus auch einmal Platz für ruhigere Passagen. Die Ingredienzen sind schon einmal vielversprechend, wenn auch recht ruhig. Über das ganze Album hinweg zieht das Tempo deutlich an, bis es seinen Höhepunkt im getriebenen, gehetzten „Schrat“ findet. Dazwischen breitet sich eine Welt aus regionalen Sagen aus, tatsächlich wie eine Anthologie werden verschiedene Motive aufgegriffen. Das gelingt mal besser wie in „Irrlycht„, wo sich das fragile, gleichwohl aber verführerische Flackern auch musikalisch wiederfindet und der Song einen Sog entwickelt. An anderen Stellen jedoch weniger gut, wie beispielsweise im Song „Capra„, der ein wenig zu stumpf und simpel daher kommt, wenn auch der eine oder andere Rhythmuswechsel oder dynamische Stellen ein wenig Abwechslung hineinbringen. An dem Song wird auch die Schwäche des Albums recht deutlich. Die Songstrukturen bieten durchaus Abwechslung: unterschiedliche Tempi, Rhythmuswechsel, das eine oder andere starke Riff, hier und da ein Gitarrensolo. Dennoch fehlt der Funke, fehlt das Interessante. Einen Beitrag dazu leisten die Vocallines, die zwar technisch sauber aber allzu sehr an der Gitarre entlang geführt sind. Es gibt keine Phrasierungen, keine melodischen Abweichungen, keine Harmonien. Das kann Absicht sein, orientieren sich die Vocals doch offenbar eher an Hardcore, also bellendes Schreien in der Tonlage der Sprechstimme, allerdings entwickeln die Songs so einen repetitiven Charakter, der die interessanten Stellen etwas aus der Aufmerksamkeit drängt und vor allem, der Atmosphäre nicht zuträglich ist.

Fazit:
Bei Anthologie handelt sich um einen recht gut gelungenen Ausflug in die Welt der süddeutschen Mythen und Sagen. Sauber produziert, mit kompetenten Musikern eingespielt. Allein das Songwriting, insbesondere hinsichtlich der Vocallines, ist zu gleichförmig und hinderlich für die Entstehung einer dichten Atmosphäre. Dennoch: da gibt es vielversprechende Ansätze. Ich bin schon neugierig, wie sich NACHTKRABB weiter entwickeln.
Punkte:
Autor: distelsøl
