Band: JLETYLISHIE
Album: Alvorecer De Última Hora
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Underworld Echoes Records
Trackliste:
01. O Sol Desapareceu Novamente
02. Desfecho Do Crepúsculo
03. Escurecer Da Lua
04. Uma Noite Sem Fim
05. Madrugada
06. Alvorecer De Última Hora

Dass auch Südamerika hervorragende Black-Metal-Bands hervorbringt und diese nicht unbedingt aus den Tiefen Norwegens oder Schwedens stammen müssen, haben Vertreter des Genres wie SARCÓFAGO schon in den Neunzigern bewiesen. Doch so populär eine der bedeutendsten Bands des Genres auch ist, so wenig weiß man über das brasilianische Atmospheric Post Black Metal-Projekt JLETYLISHIE, das mit Alvorecer De Última Hora einen imposanten Erstling präsentiert. Ein Werk, das von tragenden, mystisch-verträumten Atmospheric-Flächen, knallhartem Riffing, konstantem Songaufbau und verspielten, fast schon spirituell anmutenden Ethno-Elementen geprägt ist.
Die erste Nummer des sechs Tracks starken Longplayers, „O Sol Desapareceu Novamente“, startet mit verträumter Ruhe, die an den Frieden und die Weiten des Regenwaldes erinnert, bevor hinter einem wunderschönen und eingängigen Melodiebogen mächtig losgeblastet wird. Ein gelungener Spannungsbogen, der sich über den kompletten Track aufbaut und hält, vermittelt ein Gefühl von erhabener Melancholie und einer gewissen Schwere, die durch Breaks und ruhige Interludes noch verstärkt wird. Auf tiefe Growls oder infernales Gekeife wartet man hier jedoch vergebens, denn der beeindruckende Opener – sowie der Rest der Platte – kommt komplett ohne Vocals aus.
Gerade in „Desfecho Do Crepúsculo“ wird diese jedoch deutlicher vermisst. Auch dieser Track startet mystisch-episch und melancholisch, unterscheidet sich im Aufbau jedoch grundlegend. War der Opener noch verspielt und lieblich, wird hier hartes Riffing und eiserne Härte hinter der mystisch-epischen Soundlandschaft zelebriert. Wie bereits erwähnt, wirkt der Track durch die fehlenden Vocals jedoch stellenweise unvollständig, insbesondere in den Breaks – was natürlich auch ein bewusst eingesetztes Stilelement sein kann.
Ein Gefühl erdrückender Einsamkeit erzeugt „Escurecer Da Lua“, das durch seine ethnisch-mystischen Atmosphären und die rohe Härte der Riffs eine eigene Melancholie entwickelt und ein fast schon sakrales, rituelles Hörerlebnis bietet. Das Riffing selbst ist klassisch und einfach gehalten, die Drums bleiben durchgehend blastig. Der Track lebt stark von seinem Aufbau, den Breaks und der Atmosphäre, was anfangs gut funktioniert, auf Dauer jedoch etwas ermüdend wirken kann.
An uralte Rituale und längst vergangene Zeiten lässt auch „Uma Noite Sem Fim“ denken. Die weniger feierliche und leicht trostlose Nummer punktet neben den bereits etablierten, wunderschön gestalteten Melodiebögen auch durch hervorragende Leadarbeit sowie vereinzelte, geflüsterte und im Hintergrund gemasterte Voice-Elemente, die dem Track zusätzliche Mystik und Individualität verleihen.
Gediegen und erhaben geht es mit dem vorletzten Track „Madrugada“ weiter. Die durch das gesamte Album ziehende Schwere und Melancholie findet hier ihren Höhepunkt. Auch wenn Songstruktur und Aufbau weitgehend gleich bleiben, steht der Track – wie alle anderen der LP – für sich genommen als stimmiges, mystisches Klangbild. Im Gesamtalbum schleicht sich durch die wiederkehrende Struktur jedoch eine gewisse Monotonie ein.
Der Closer und Titeltrack „Alvorecer De Última Hora“ tanzt schließlich etwas aus der Reihe und geht traditionell blackiger und härter zur Sache. Weniger Verspieltheit, dafür klassischeres Riffing und härtere Breaks prägen die Nummer. Auch wenn der Songaufbau ähnlich bleibt, sticht der Track durch mehrere imposante Gitarrenparts und dichte Synth-Teppiche hervor und rundet ein durchaus gelungenes, wenn auch recht simpel gehaltenes Release ab.

Fazit:
Alvorecer De Última Hora ist ein atmosphärisch dichtes und in sich stimmiges Debüt, das vor allem durch seine mystischen Klanglandschaften, starke Melodiebögen und die gelungene Verbindung aus Härte und Verträumtheit überzeugt. Die bewusste Entscheidung, weitgehend auf Vocals zu verzichten, verleiht dem Album zwar eine eigene Identität, lässt einzelne Passagen jedoch auch unfertig wirken. Jeder Track funktioniert für sich durch Atmosphäre und Aufbau, im Gesamtbild sorgt die sehr ähnliche Struktur jedoch für eine spürbare Monotonie. So bleibt ein gelungenes, aber schlicht gehaltenes Erstlingswerk, das seine Stärke klar in Stimmung und Klangbild findet, weniger jedoch in Abwechslung und Entwicklung.
Punkte:
Autor: Nicki
