ANOMIE – Virtus Pereundi (2025)

 

Band: ANOMIE
Album: Virtus Pereundi
Genre: Experimental Black/Death Metal
Label: Underworld Echoes Records

Trackliste:
01. Fatamorgana
02. Carbonized
03. The Cyrcle
04. Let Them Run Free
05. Silencer

Black Metal aus Chile ist schon ein Statement – Experimental Black/ Death fast schon ein Versprechen. Und zwar eines, das die fünf Jungs von ANOMIE mit Virtus Pereundi durchaus erfüllen können. Denn die 2020 gegründete Black/ Death-Partie mit ausgeprägter Experimentierfreude lässt auf ihrer zweiten EP tragende Soundteppiche, eisenhartes Geknüppel, postige Klangflächen und deathig-bissiges Riffing zu einem recht einzigartigen Klangbild verschmelzen.

Eröffnet wird dieses mit der giftig-bissigen Nummer Fatamorgana, die ihrem Namen durchaus gerecht wird. Nach ruhigem, fast schon verspieltem Intro bricht der Track mit eisigem Riffing, donnernden Blasts und einer Struktur los, die an Bissigkeit kaum zu überbieten ist. Anfangs noch im atmosphärisch-blackigen Bereich verortet, wird man durch das Gekeife à la Heljarmadr (DARK FUNERAL) schnell eines Besseren belehrt. Zusammenfassend kombiniert der gelungene Opener Atmosphäre, Härte und klassische Stilelemente im Midtempo zu einer abwechslungsreichen und individuellen Mischung, die sich in Carbonized in genialer Weise fortsetzt.

Auch wenn diese Nummer härter und deutlich schneller daherkommt, bleibt der ungewöhnliche Mix aus blackigem, tiefem Gekeife, postig-atmosphärischen Klangflächen und DISSECTION-artigem Riffing bestehen. Das verleiht auch diesem Track einen einzigartigen Spannungsbogen und Charakter, der durch ein hervorragendes Solo und den darauffolgenden Break noch verstärkt wird.

Dass die Jungs auch Basslinien beherrschen, zeigen sie in der dritten Nummer The Circle. Nach einem fast schon alternative-rockigen Einstieg tritt eine wunderschöne Basslinie zu Tage, die sich vor mächtigen Blasts, und hinter bissigem Gekeife entfaltet, damit dem drückendem Riffing Geltung verleiht und der erhabenen, schweren Nummer zusätzliche Tiefe und Würde einhaucht. Ein Track, der durch seine Klarheit und Struktur im wilden Mix fast schon aus der Reihe fällt – für sich großartig, im Albumkontext jedoch leicht unstimmig, besonders zwischen seinen Vorgängern und dem folgenden Let Them Run Free.

Letzterer ist eine klassisch blackige, fast schon dramatische Nummer mit hervorragenden Gitarrenparts und großartiger Songstruktur. Viel mehr muss man dazu nicht sagen: Großartiger Aufbau, wunderschöner Melodiebogen und eine einzigartige Stimmung sprechen hier für sich.

Der Closer Silencer bringt stellenweise NEVERMORE-Vibes mit sich und lässt vereinzelt an Bands wie SAOR oder GERNOTSHAGEN denken – wobei sich diese Vergleiche eher auf die erzeugte Atmosphäre beziehen als auf die musikalische Umsetzung. Denn wie der Rest der EP setzt auch dieser Track auf Individualität, Abwechslung, starkes – diesmal deutlich deathigeres Riffing und eine stimmige Soundstruktur, die eine wirklich gelungene EP würdig abrundet.

Fazit:
Virtus Pereundi ist ein Statement, das seine Stärke klar aus dem Spannungsfeld zwischen Härte, Atmosphäre und Experimentierfreude zieht. ANOMIE schaffen es, unterschiedliche Einflüsse – von klassischem Black Metal über postige Klangflächen bis hin zu deathigem Riffing – zu einem überwiegend stimmigen Gesamtbild zu verbinden, ohne dabei beliebig zu wirken. Einzelne stilistische Ausreißer fallen im Albumkontext zwar auf, funktionieren für sich genommen aber hervorragend. Gerade diese Mischung aus Individualität, Dynamik und musikalischem Mut macht die EP zu einem starken Release, das sich bewusst von gängigen Genre-Grenzen löst.

Punkte:

Autor: Nicki