Band: FRAGMENTARY SOLID ABYSS
Album: Concento Pavor Nocturnus
Genre: Melodic Black Metal
Label: WormHoleDeath
Trackliste:
01. The King’s Feast
02. Pray For Death
03. Fog Of War
04. Deep Gaze Into The Flames of Hell
05. Call to Prayer (Saba Taksim)
06. Narcissistic Society
07. Inner Sanctum
08. Pain Of Existence

Typisch amerikanisch – mit deutlichen Synthiepop- und Elektronikeinflüssen – präsentieren die beiden melodic Blacker von FRAGMENTARY SOLID ABYSS ihr Debüt Concento Pavor Nocturnus. Eine knackig kurz gehaltene LP, die trotz acht Tracks lediglich 24 Minuten Spielzeit bietet und all jene aufhorchen lässt, die Experimente im Genre begrüßen. Freunde klassischer nordischer Kälte hingegen dürften fassungslos zurückbleiben – konfrontiert mit der Frage, ob es sich hier noch um Black Metal handelt oder nicht doch um Symphonic Industrial Dark Art.
Der Einstieg „The King’s Feast“ beantwortet diese Frage nicht, sondern verschärft sie. Der Track ist im Kern nichts weiter als ein Soundteppich aus Stromgitarre und Synths – ein Intro ohne Richtung, das mehr als elektronische Collage als metallische Eröffnung wirkt.
„Pray For Death“ folgt exakt demselben Muster: massenhaft Industrial-Elemente, noch mehr Synths, kein einziger klarer Melodiebogen und ein vokaler Part, der eher an undefinierbares Gegurgel erinnert. Einzig das absichtlich abgrundtief räudige Mastering ruft entfernt Black-Metal-Assoziationen hervor.
Noch weiter entfernt sich „Fog Of War“ vom Genreverständnis. Das Interlude besteht ausschließlich aus Rauschen und stellt endgültig die Frage, ob wir es hier überhaupt noch mit Metal zu tun haben. Immerhin führt es nahtlos über in „Deep Gaze Into The Flames Of Hell“, das nun von Synthie-Charme in Fisher-Price-Kassettenrekorder-Darkthrone-Vibes kippt. Ein Übergang, plump wie ein Schlag mit dem Holzhammer, der die fehlende Dynamik und die Defizite im Songwriting ungewollt betont.
Das folgende Interlude „Call To Prayer (Saba Taksim)“ schlägt erneut einen völlig anderen Weg ein und kommt unplugged mit Ukulele daher. Hoffnung keimt auf – vielleicht bricht nun etwas auf, das diese Platte hörbar macht.
Und tatsächlich: „Narcissistic Society“ enttäuscht diese Erwartung nicht. Die erste Nummer, die weitgehend ohne Elektrogedöns funktioniert, überzeugt zwar weder durch besondere Spannung noch durch instrumentale Finesse, bietet jedoch eine klare Melodieführung und ein nachvollziehbares, eingängiges Soundbild – eine Wohltat im bisherigen Kontext.
Dieser fragile innere Frieden wird jedoch mit „Inner Sanctum“ pulverisiert. Ein knapp dreiminütiges Klavierstück, dessen Existenz auf einem angeblichen Black-Metal-Album schlicht unerklärlich bleibt. Es lenkt zwar ab, aber nicht lange genug, um das drohende Ende zu übertönen.
Denn der Closer trägt seinen Namen nicht zufällig: „Pain Of Existence“ macht jede weitere Analyse überflüssig und beendet ein durchwachsenes, konzeptuell nicht ausgereiftes Album genau so, wie es begonnen hat – orientierungslos, sprunghaft und ohne klares stilistisches Fundament.

Fazit:
Concento Pavor Nocturnus wirkt wie eine Sammlung unausgereifter Ideen, die nebeneinandergestellt wurden, ohne jemals zu einem stimmigen Ganzen zu finden. Die Platte experimentiert viel, aber selten sinnvoll; elektronische Elemente, Interludes und Stilwechsel ersetzen hier klare musikalische Entscheidungen. Statt Atmosphäre entsteht vor allem Orientierungslosigkeit.
Einzelne Ansätze zeigen, dass FRAGMENTARY SOLID ABYSS durchaus Potenzial haben – „Narcissistic Society“ ist einer davon – doch diese Momente bleiben Ausnahmen. Der Rest verliert sich in Konzeptfragmenten, Übergängen ohne Spannung und Stilbrüchen, die weder überraschen noch bereichern, sondern schlicht den Fluss der Platte unterbrechen.
Das Ergebnis ist kein visionärer Grenzgang, sondern ein unfertiges Werk, dem es an Struktur, Dynamik und einer nachvollziehbaren Identität fehlt. Es ist hörbar, dass hier etwas gewollt war – nur leider nie zu Ende gedacht wurde. Wer auf kohärenten, atmosphärischen Black Metal hofft, wird hier enttäuscht zurückgelassen.
Punkte:
Autor: Nicki
