DECIPHER – θελημα (Thelema) (2026)

 

Band: DECIPHER
Album: θελημα (Thelema)
Genre: Black/Death Metal

Trackliste:
01. Return To Naught
02. The Black March
03. Seven Scars
04. Bound To The Wheel
05. Hail Death
06. Towards Renaissance
07. Litany

Das griechische Black Metal-Trio von DECIPHER möchte mit seiner Musik das innere Selbst beschwören. Aus der Tradition des Hellenic Black Metal kommend, setzen sie dabei auf Rhythmik und klare Strukturen und entwickeln so einen erdigen, roheren und groovigen Sound, der sich so etwas von dem „typischen“ Sound der griechischen Kolleg*innen absetzt. Das vorliegende θελημα (Thelema) ist bereits das dritte Album, der 2017 gegründeten Band aus Athen. Sieben Songs mit einer Gesamt-Laufzeit von knapp 43 Minuten entführen uns in die Welt der Griechen.

Eine mystisch, bedrohliche Klangsequenz eröffnet das Album, bevor es Fahrt aufnimmt. Ein treibender, galoppierender Rhythmus, mahlende, zirkuläre Riffs und krächzende, gurgelnde Vocals. Eine Charakteristik, die sich über das gesamte Album ziehen wird und ziemlich genau den Erwartungen entspricht.
Riffs sind bei DECIPHER keine isolierten Impulse; sie wirken vielmehr wie Fragmente eines größeren Zusammenhangs, die sich stetig verschieben, überlagern und neu ausrichten. Die Gitarrenlinien tragen eine melancholisch anmutende Schwere in sich, verlieren sich aber nicht in übertriebenem Pathos, sondern bleiben roh und erdig. Darunter arbeitet das Schlagzeug mit einer Mischung aus kontrollierter Raserei und stoischer Repetition. Daraus entsteht eine eigentümliche Ästhetik: Die Musik drängt vorwärts, ohne sich je vollständig zu entladen, vielmehr bindet sie, wird Form, für den Klang aber auch das Album. Ein Kreisen um zentrale Motive, die sich in Nuancen verändern und entwickeln.
Die bewusste Zurückhaltung von Brüchen, Kontrasten und Dissonanzen erzeugt eine dichte Geschlossenheit, lässt aber dadurch auch Momente vermissen, in denen Neues aufblitzt und entwickelt wird oder sich die Spannung vollständig entlädt. Es ist bemerkenswert, wie dieser Zustand zwischen Drängen und Verharren, über das Album hinweg gehalten werden kann. Es geht weniger um einzelne Songs, sondern um die Gesamtheit. Um hier aber die volle Wirkung erzielen zu können, hätte es mehr Dramaturgie, einen erzählerischen Spannungsbogen über das Album gebraucht. So bleibt es zu gleichförmig, entspricht immer den Erwartungen, kann aber nicht überraschen oder fesseln. Es fehlt an markanten Brüchen, an Momenten, die den Fluss bewusst stören oder neu ausrichten.

Fazit:
ΘΕΛΗΜΑ (Thelema) ist ein konsequentes Album: die Ausrichtung auf Wiederholung und Geschlossenheit erzeugt zwar eine dichte, introspektive Stimmung, lässt aber entscheidende Impulse vermissen. Wo Variation zur bloßen Nuance wird, wird Konsequenz zur Schwäche, verliert die Musik an Spannung und Dringlichkeit. So bleibt ein Album, das seine Ideen klar formuliert, sie jedoch zu selten weiterentwickelt. Eindringlich im Ansatz, aber zu gleichförmig in der Umsetzung, um dauerhaft zu fesseln.

Punkte:

Autor: distelsøl