ANASARCA – Achlys (2026)

Band: ANASARCA
Album: Achlys
Genre: Death Metal
Label: Selfmadegod Records

Trackliste:
01. Beyond the Passing (Intro)
02. My Reality
03. Achlys
04. Basket of Burdens
05. In Memoriam
06. Pain Remains
07. Broken
08. He Is Dead
09. Wish You Were Here
10. How Can They
11. I Feel

Neun Jahre nach Survival Mode melden sich ANASARCA mit ihrem fünften Studioalbum zurück. Die seit 1995 aktive Death-Metal-Formation bleibt ihrer musikalischen Linie treu, widmet sich auf Achlys jedoch einem besonders persönlichen Thema: Trauer, Verlust und dem schmerzhaften Versuch, mit dem Tod eines geliebten Menschen weiterzuleben. Die elf Stücke, einschließlich Intro, bilden ein Konzeptalbum, dessen Texte überwiegend auf Gedichten unterschiedlicher Autoren beruhen.

Der Albumtitel verweist auf Achlys, eine Gestalt der griechischen Mythologie, die mit dem Nebel des Todes, Leid und Trauer verbunden wird. Sie steht sinnbildlich über einem Werk, das keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern den Verlust aus verschiedenen menschlichen Perspektiven beleuchtet.
Bereits „My Reality“ schildert die Verzweiflung einer Mutter, die ihr Kind verloren hat und dadurch sogar ihre eigene Identität infrage stellt. „Basket Of Burdens“ beschreibt die unsichtbare Last der Trauer, während „Pain Remains“ einen besonders bewegenden Gedanken aufgreift: den Wunsch, dass der Schmerz niemals vollständig verschwindet, weil er zugleich eine Verbindung zum verstorbenen Menschen darstellt.
Mit „Broken“ rücken Wut und das Gefühl einer geraubten gemeinsamen Zukunft in den Mittelpunkt. „Wish You Were Here“ verarbeitet den Verlust eines Vaters, „How Can They?“ die erschütternde Frage, warum Kinder sterben müssen. Der abschließende Song „I Feel“ beschäftigt sich schließlich mit der Sehnsucht, einen verstorbenen Partner wenigstens in Träumen noch einmal spüren zu können.
Bemerkenswert ist, dass ANASARCA bewusst auf eine einfache Botschaft der Heilung verzichten. Trauer erscheint hier nicht als Prozess, der irgendwann abgeschlossen sein muss, sondern als dauerhafter Bestandteil des Lebens. Eine zusätzliche persönliche Bedeutung erhält das Album durch die Widmung von „I Feel“ an den 2024 verstorbenen Freund und Fan der Band, Paul, sowie dessen Familie.

Musikalisch setzen ANASARCA einen bemerkenswert harten Kontrast zu den emotionalen Texten. Auf das düstere Intro „Beyond The Passing“, das Chopins Trauermarsch aufgreift, folgt mit „My Reality“ eine regelrechte Death-Metal-Attacke. Rasante Blastbeats, tief gestimmte Gitarren und massive Growls bestimmen das Geschehen. Zwischen den Hochgeschwindigkeitspassagen sorgen präzise Tempowechsel, schwere Midtempo-Riffs und gelegentliche melodische Akzente für Abwechslung.
Besonders der Titeltrack „Achlys“ verbindet eine finstere Atmosphäre mit aggressivem Riffing, während „Pain Remains“ durch seine schleppenderen, beinahe erdrückenden Passagen hervorsticht. „Wish You Were Here“ überzeugt wiederum durch das Wechselspiel aus Geschwindigkeit, Groove und prägnanten Gitarrenlinien. Die druckvolle Produktion lässt den Instrumenten ausreichend Raum und verleiht dem Material die nötige Durchschlagskraft.
Zu den stärksten Momenten zählen „My Reality“, „Pain Remains“ und „I Feel“, deren Texte den konzeptionellen Anspruch des Albums besonders eindringlich unterstreichen. Auch „He Is Dead“, basierend auf W. H. Audens Funeral Blues, überzeugt durch seine schonungslose Darstellung einer Welt, die nach dem Tod eines geliebten Menschen jeden Sinn verloren zu haben scheint.
Soundtechnisch bewegt sich die Band allerdings überwiegend innerhalb ihres bewährten Death Metal Rezepts. Die enorme Intensität sorgt stellenweise dafür, dass sich einzelne Songs weniger deutlich voneinander abheben. Gerade angesichts der unterschiedlichen emotionalen Perspektiven hätten zusätzliche atmosphärische Kontraste das Konzept noch wirkungsvoller unterstützen können.

Fazit:
Mit Achlys gelingt ANASARCA ein bemerkenswert persönliches Death Metal Album, das seine emotionale Wirkung nicht durch sanfte Klänge, sondern durch musikalische Härte entfaltet. Die Auseinandersetzung mit Trauer, Wut, Sehnsucht und Erinnerung verleiht den Songs eine Tiefe, die weit über genretypische Todesdarstellungen hinausgeht.
Zwar hätte die musikalische Umsetzung gelegentlich etwas mehr Raum für ruhigere Momente vertragen, doch gerade der Gegensatz zwischen brutaler Instrumentierung und verletzlichen Texten macht den besonderen Charakter dieser Veröffentlichung aus. Achlys ist damit nicht nur ein überzeugendes Death Metal Album, sondern auch eine respektvolle und eindringliche Auseinandersetzung mit einer Erfahrung, für die es oftmals keine passenden Worte gibt.

Punkte:

Autor: Elfi Davis