Band: MIND AFFLICTION
Album: No Future, No Light
Genre: Black/Death Metal
Label: Via Nocturna
Trackliste:
01. Festering Dreams
02. Purified Maggos
03. Eons of Blindness
04. Futureless
05. Niebyt
06. Awakening
07. Reckoning
08. Vishe III
09. The Architect

Der polnische Extreme Metal hat seine eigene Sprache für Dunkelheit entwickelt. Aus dem schwarzen Fundament der frühen Neunziger wuchs eine extreme Stilistik, in der Kälte, Dissonanz und Aggression irgendwann untrennbar mit der Wucht des Death Metal verschmolzen. Die Krakauer Band MIND AFFLICTION bewegt sich seit 2009 genau an diesem Schmelzpunkt. Mit No Future, No Light legen sie nach zehnjähriger Pause ein neues Album vor, das ihre Musik nicht zurück zu ihren Ursprüngen führt, sondern weiter in eine dicht produzierte, technisch versierte Gegenwart treibt. Das Ergebnis ist schwer, brutal und bemerkenswert finster.
No Future, No Light beginnt unerwartet gebremst. So träge allerdings, dass sich die vermutlich angestrebte Spannung nicht entwickeln kann. Was anfangs beinahe zäh und schleppend wirkt, kippt schließlich in eine eruptive Entladung: Blastbeats übernehmen das Kommando, tiefe Gitarren verdichten den Klangkörper, Tremolo-Läufe und dissonante Wendungen treiben die Musik vor sich her, während die wütenden Vocals darüber wie ein weiterer Störfaktor in dieses zunehmend unkontrollierte Gefüge schneiden. MIND AFFLICTION beherrschen ihre Instrumente, daran besteht kein Zweifel. Die Gitarren arbeiten präzise, die Rhythmussektion kennt offenbar keine Angst vor Überforderung und die beiden Stimmen von Dariusz Zabrzeński und Krzysztof Chomicki geben dem Ganzen eine passende Mischung aus Grollen, Raserei und Wahnsinn. Der Albumtitel ist Programm: Hier wird mit einer Konsequenz gebrettert, die keinen Gedanken an die Zukunft zulässt, während sich die Finsternis über alles legt, was ihr in die Quere kommt. Allein: Finsternis allein macht noch keine Abgründigkeit.
Wo alles ständig am Anschlag steht, verliert der Anschlag irgendwann seine Bedeutung. Die permanente Härte nivelliert die Atmosphäre, weil zwischen den einzelnen Extremen kaum noch Raum für Abstufungen bleibt. Die Musik kennt Wut, Bedrohung, Dissonanz und Geschwindigkeit sehr gut. Schwieriger wird es mit dem Moment, in dem aus diesen Zutaten eine unverwechselbare musikalische Aussage entstehen sollte. Die langsameren und melodischeren Passagen schaffen zwar Luft zwischen den Attacken, doch nicht immer besitzen sie genügend Eigengewicht, um mehr zu sein als Vorbereitung auf den nächsten Ausbruch. Die Mischung aus progressiven Strukturen, mehrschichtigen Arrangements und atmosphärischen Momenten ist vorhanden, bleibt aber häufig innerhalb jener Grenzen, die der moderne Blackened Death Metal längst gezogen hat.
Dabei besitzt No Future, No Light jene unangenehme Kälte, die man von einer Krakauer Extreme Metal-Band erwarten darf. Die Gitarren lassen kaum Wärme entstehen, selbst die melodischen Momente wirken wie flackerndes Licht, das nur kurz und unstet die Finsternis erhellt und dabei gerade genug sichtbar macht, um Fäulnis und Verderbnis zu erkennen. Es sind diese Augenblicke, in denen das Album seine stärksten Bilder entwickelt – und gleichzeitig offenbart, wie viel wirkungsvoller die Musik sein könnte, wenn sie diesen Kontrasten mehr Raum ließe.
Die Produktion ist gelungen. Die Instrumente werden sauber genug auseinandergehalten, damit die technische Arbeit nicht vollständig im Lärm verschwindet. Gleichzeitig bleibt der Gesamtsound dicht und schwer. Gerade diese Klarheit verstärkt jedoch das zentrale Dilemma: Man hört sehr genau, wie gut MIND AFFLICTION extreme Musik spielen können. Nicht immer hört man ebenso deutlich, warum gerade diese Passage, dieses Riff oder diese Struktur unverzichtbar wäre.

Fazit:
No Future, No Light ist ein solides, technisch versiertes und kompromisslos brutales Album. Doch zwischen dem Beherrschen einer musikalischen Sprache und dem Entwickeln einer eigenen Stimme liegt ein erheblicher Unterschied. MIND AFFLICTION stehen fest auf dem Fundament der polnischen Blackened-Death-Tradition, doch sie graben dort bislang nicht tief genug, um wirklich etwas Eigenes freizulegen. Ihr Abgrund ist dunkel, kalt und sorgfältig gebaut. Nur schaut man stellenweise hinein und erkennt darin zu viele Formen, die man schon einmal gesehen hat.
Punkte:
Autor: Distelsøl
