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EMPTINESS – Nowhere Speaks (2026)

10. Juli 2026 Reviews

 

Band: EMPTINESS
Album: Nowhere Speaks
Genre: Avant-Garde Death/Black Metal
Label: Season Of Mist

Trackliste:
01. Nothing but the Whole (Part 2)
02. The Threat
03. Nowhere Speaks
04. Darkness Commands
05. Words to Wind
06. One Must See All
07. When the Whole Arrives
08. The Clash of Forces
09. Next in Line
10. All for Nothing

Die belgische Formation EMPTINESS ist einer jener, die sich nicht klar fassen, nicht einordnen lässt, sondern sich seit Jahren abseits klarer Genregrenzen bewegt. Ausgehend von Death- und Black-Metal-Wurzeln entwickelte die Band Schritt für Schritt einen Klang, der sich zunehmend in Richtung Dissonanz, Industrial, Noise und hypnotischer Atmosphären öffnete. Nowhere Speaks wirkt dabei wie eine Rückkehr zur Körperlichkeit früherer Werke, ohne die entrückte Kälte – die speziell im 2021 erschienen Vide dominant war – aufzugeben. Das Album hat sich über eine längere Zeit als Einheit entwickelt und wurde so auch – live im Studio – aufgenommen.

Bleiben wir gleich bei der Produktion: sie hat tatsächlich live-Charakter, aber seltsam entrückt, fast unwirklich. Der Klangkörper wirkt roh, technoid, der sich öffnende Raum kalt, unwirtlich. Stellenweise wirkt es flach, obwohl die einzelnen Instrumente sich gleichzeitig druckvoll, gut differenzierbar ihren Raum nehmen können. Einen wesentlichen Teil dieser kalten Atmosphäre machen zweifellos die Vocals aus, die nahe an Sprache, aber mit Hall und Effekten ausgestattet, eigenwillig sind. Die lyrischen Motive sind Leere, Isolation und innere Entfremdung. Und nichts anderes ist es, was der Sound transportiert. Nowhere Speaks funktioniert dadurch weniger wie ein gewöhnliches Album, als vielmehr wie ein langsamer Prozess der Desorientierung, der Herauslösung aus dem Gewohnten. Je entrückter der Sound, um größer auch die Beklemmung.
Aber auch das Songwriting und Storytelling ist sehr speziell, was sich allerdings nur dann erschließt, wenn man sich intensiver mit dem Œuvre der Belgier beschäftigt. „Nothing But The Whole (Part 2)“ greift das irritierend abrupte Ende des 2014 erschienen Albums Nothing But The Whole auf und setzt mitten im Riff an. Es ist kein bloßes Zitat, keine Reminiszenz sondern buchstäblich die Fortsetzung. So entsteht das Gefühl ohne Vorwarnung in etwas geraten zu sein, das längst begonnen hat. Nicht wie ein zufälliger, beiläufig erschienener Gast, der Zeit hat die Situation zu lesen, sich einzustimmen. Vielmehr kalt konfrontierend, urplötzlich, ein beklemmender, psychologischer Druck. Wenn dann „All For Nothing“ nach mehr als 41 Minuten langsam ausklingt, aus den Tiefen aber das Riff des Openers „Go And Hope“ den 2014-er Albums heraufquillt, schließt sich der konzeptuelle Kreis in Perfektion. Kein Anfang, kein Ende, keine Fixpunkte, ein ewiger Kreislauf.
Dazwischen setzen EMPTINESS Riffs als tranceartigen Schleifen, die Orientierung auflösen. Die Gitarrenflächen, die Vocals als nahezu geisterhafte Präsenz, die stoischen Drums, die sich mitunter in tiefes Grollen wandeln. Die beklemmende Wirkung steigt kontinuierlich an, ein schleichender innere Druck, eine sich langsam entfaltende hypnotische Leere.

Fazit:
Nowhere Speaks entzieht sich gänzlich konventionellen Maßstäben, auch der Begriff des Konzept-Albums greift zu kurz, vielmehr gelingt es EMPTINESS einen Klangraum zu schaffen, in dem sich Zeit, in dem sich Richtung, in dem sich Orientierung vor den Augen und Ohren der Hörerin auflöst. Wie in einer Zeitmaschine, in einem ewigen Kreislauf. Es ist keine Musik, die gefallen will, sondern es ist ein künstlerisches Werk, dass gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und den sehr persönlichen Umgang damit reflektiert. Ein Album, das verschlingt, ohne Beziehung anzubieten, das nicht Form nimmt, sondern Raum schenkt.

Punkte:

Autor: distelsøl

  • avant-garde black metal
  • avantgarde death metal
  • belgien
  • belgium
  • brüssel
  • brussels
  • emptiness
  • nowhere speaks
  • post metal
  • season of mist
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