Band: BIZARREKULT
Album: Alt Som Finnes
Genre: Post-Black Metal
Label: Season Of Mist
Trackliste:
01. Hun
02. Blikket Hennes
03. Avmakt
04. Håp
05. Drøm
06. Verdens Verste
07. Aversjon
08. Tomhet

Alt Som Finnes ist das dritte Album von BIZARREKULT, dem mit Unterbrechungen seit 2006 bestehenden Ein-Mann-Projekt des heute in Norwegen lebenden russischen Musikers Roman V. Mit dem Umzug nach Norwegen, der Heimat des Black Metal und inspiriert von den Größen des Genres, entwickelte das Projekt ein Profil, irgendwo zwischen DARKTHRONE, ENSLAVED und BORKNAGAR. Wie schon in den Alben zuvor war es auch bei Alt Som Finnes eine persönliche Krise, die in einen kreativen Prozess mündete und Erfahrungen von Verlust, Selbstbefragung und Ohnmacht zu einem Klangbild verspricht, das in der norwegischen Black-Metal-Tradition wurzelt, diese jedoch mit Post Metal Atmosphäre erweitert. Gast-Vocals von Yusaf „Vicotnik“ Parvez (DØDHEIMSGARD), Lina (PREDATORY VOID) und Kim Song Sternkopf (MØL) fügen subtile Nuancen hinzu. Das macht alles sehr neugierig.
Ein vorsichtig, tastender Auftakt, wenn die unverzerrte Gitarre beim Opener „Hun“ durch die ersten Takte führt, um dann die Melodie in eine bedrohliche Stimmung zu kippen. Drums, Bass und Vocals setzen brachial ein und kippen den Song endgültig ins dunkle, düstere. Ein Schaudern läuft über den Rücken. Eine Stimmung, die vorerst, wenn auch mit Kraft und Vorwärtsdrang, auch bei „Blikket Hennes“ beibehalten wird. Es ist aber nicht die Energie, des Aufstehens, des Widerstands, vielmehr hat es Fluchtcharakter, hat es etwas Getriebenes, was auch mit den Lyrics korrespondiert, die eine fast paranoide Auseinandersetzung mit ‚ihr, die alles weiß‘ führen. Ob Göttin, Über-Ich, archetypische Mutter bleibt offen, in jedem Fall aber eine sanktionierende moralische Instanz. Völlig unerwartet, wie der notwendige Hoffnungsschimmer, reißen dann aber die clean vocals von Yusaf „Vicotnik“ Parvez die Aufmerksamkeit an sich, geben neue Orientierung.
Genau diese Dynamik, diese dynamische Spannung zwischen brutaler Intensität und fast zerbrechlicher Schönheit prägt das Album. Mit „Avmakt“ folgt ein Ringen, zwischen Ohnmacht und Kontrolle, erst brodelnd und treibend, entwickelt sich der Song langsam in eine atmosphärische Weite, die der Hörerin erst bewusst wird, wenn die Melodie in den Vordergrund rückt. Fast beiläufig wird das Tempo reduziert, verliert sich das Brodeln, verliert sich das Ringen und der Kampf, wie in den Nachhimmel aufsteigende Funken eines Feuers. Stark, wie BIZARREKULT mit der Atmosphäre arbeitet: Gitarren mal weich und lieblich, dann wieder kalt, schneidend; tiefe Basslinien zwischen lebendigem Herzschlag und dunklen, wälzenden Flutwellen und Drums, die sowohl Struktur und Halt, als auch gnadenlos und unnachgiebig die Richtung vorgeben.
Die Produktion lässt den Instrumenten immer genug Raum, um dieses Klangbild zu formen. Jeder Klang bekommt Gelegenheit zu wirken. Besonders „Drøm“ verdeutlicht diese Verwebung aus wütender Raserei und Atmosphäre. Zunächst sind die Riffs fiebrig und unruhig, während sich in der zweiten Hälfte eine fast sphärische Weite entwickelt, die Vocals flüsternd gehaucht statt gekreischt werden. Der Closer „Tomhet“ oszilliert zwischen wütender Verzweiflung und einsamer Leere, ein starker Schlussakzent, der das Album noch lange nachhallen lässt.

Fazit:
BIZARREKULT gelingt mit Alt Som Finnes ein ganz besonderes Album, keines, das schnell wirkt und auffällt, sondern eines, das den Blick nach innen richtet, auf Emotion und Gefühl, in einer kalten sozialen Welt. Eindringlich, direkt und unmittelbar. Die dichte Atmosphäre, die emotionalen Schichten und die dynamische Spannung zwischen roher Black-Metal-Intensität und introspektiver Klanglandschaft machen dieses Album zum Soundtrack für ruhige Stunden des Zuhörens, des Wirkenlassens, des Berührtwerdens.
Punkte:
Autor: distelsøl
