Band: VIA DOLORIS
Album: Guerre et Paix
Genre: Black Metal
Label: Season Of Mist
Trackliste:
01. Communion
02. Un Franc Soleil
03. Omniprésents
04. For The Glory
05. Ultime Tourment
06. Visdommens Vei I
07. Visdommens Vei II

VIA DOLORIS ist das norwegische Soloprojekt von Gildas Le Pape, Fans von SATYRICON vielleicht bekannt, war er doch als Gitarrist engagiert. Mit VIA DOLORIS und dem Album Guerre et Paix verfolgt er nun seine eigene Vision von Black Metal. Inspiriert von der Auseinandersetzung mit Einsamkeit und der mitunter drückenden Schwere des Daseins, von der Zeit verborgene Wunden und Lasten, die wir tragen.
Das Album erscheint bei Season of Mist und bietet eine Laufzeit von etwa 48 Minuten.
Das Album Guerre et Paix umspannt große thematische Bögen: Es lotet das Spannungsfeld zwischen Konflikt und Versöhnung aus, als wäre jede Komposition ein Schritt durch ein gedankliches Niemandsland. Schon im Opener “Communion” zeigt sich, wie sehr Le Pape die Erwartungshaltungen des Black Metal nutzt und zugleich umdreht: Die Gitarren winden sich wie Schatten über eine Landschaft aus frostigem Klang, doch statt nur in Raserei zu verfallen, tragen sie eine melancholische Melodie, die wie ein ferner Ruf durch dunkle Wälder hallt. Wiederkehrend, kreisend. Die Drums von Frost (SATYRICON, 1349) geben diesem Beginn nicht nur Tempo, sondern eine pulsierende, fast atmende Präsenz. Mit “Un Franc Soleil” senkt sich der Horizont: langsamer, kontemplativer, getragen vom Gefühl der Verlorenheit und der kalten Schwermut, in der jeder Ton wie ein Atemzug im Winter wirkt. Doch Le Papes Fokus liegt weniger auf Verzweiflung als auf Klarheit – eine Klarheit, die in den melodischen Linien leuchtet. Wenn dann “Omniprésents” die Geschwindigkeit wieder anzieht, wirkt es wie ein Sturm, der sich nicht in Zerstörung ergießt, sondern in Erkenntnis. Bei VIA DOLORIS geht es nie um bloße Brutalität, sondern um das Ausloten von Emotionen und Dissonanzen, die im Gedächtnis haften bleiben.
In “For The Glory” entwickeln sich die Gitarrenlinien langsam, selbstreferenziell, die Zitate ihrer Selbst, die sich aber beständig erweitern. Keine Explosionen, sondern gedehnt, wie schwerer Atem. Das Thema des Albums – das Ausharren zwischen Weitergehen und Aufgeben – wird so musikalisch aufgegriffen. “Ultime Tourment”, schafft mit über zehn Minuten Spielzeit Raum für hypnotische Wiederholungen und eine dunkle, sich langsam steigernde Spannung. Hier wird Musik zu einem Ritual, zu einem Kreislauf von Sturm und Stille, in dem man sich verliert und wiederfindet.
Das abschließende Zwiegespräch “Visdommens Vei I / II” schließt den Kreis: Die erste Hälfte ist von düsterer Schwere, die zweite ein leiser Nachklang – wie das Echo einer Antwort, die man längst erahnt hat.
Die Produktion von Guerre et Paix ist insgesamt gelungen, wenn auch die organisch und nicht poliert klingenden Gitarren sehr deutlich im Vordergrund sind und so den Sound prägen. Die Drums sind mir im Klang zu zurückhaltend, zu defensiv, das ist in meinen Ohren nicht ganz ausbalanciert, aber sicherlich genau so gewollt. Interessant sind auch die Wechsel zwischen Französisch, Englisch und Norwegisch, die dem Ganzen eine sprachliche Tiefe verleihen, als ob jede Sprache eine eigene Schicht der Seele aufreißt. Aber hier kommt für mich auch der größte Schwachpunkt des Albums ins Spiel. Die Vocals tragen das Songwriting, die musikalische Umsetzung, ja das Gewicht des Topos, nicht ganz, bleiben zu flach und zeigen zu wenig Dynamik.

Fazit:
Guerre et Paix ist ein gelungenes Black Metal-Album: eine Reise durch innere Landschaften, durch Dunkelheit und Licht, durch Widerstand und Akzeptanz. VIA DOLORIS gelingt es, mit stillem Selbstbewusstsein Melodie und Härte zu vereinen. Die Songs atmen, sie leben, sie tragen Geschichten in sich, die nicht einfach erzählt, sondern erlebt werden. Ein langsames, reflektierendes Vortasten auf dem „Weg des Schmerzes“.
Punkte:
Autor: distelsøl
