Band: GRAUFAR
Album: Via Necropolis
Genre: Black/Death Metal
Trackliste:
01. Blizzard & Blaze
02. Heralds Of Doom
03. Charon
04. Via Necropolis
05. Buried In Flames
06. On Your Knees
07. Foltertrog

GRAUFAR, die junge, aber bereits eindrucksvoll profilierte Black- und Death-Metal-Formation aus Linz, hat sich seit ihrer Gründung 2020 einen durchaus prominenten Platz in der Szene erarbeitet. Schon ihr Debüt GRAUFAR – Scordalus (2024) wurde nicht nur bei uns sehr positiv rezipiert. Auch ihr Auftritt am holy ground von Wacken GRAUFAR – Vendetta – live at Wacken Open Air 2024 war beeindruckend. Mit Via Necropolis steht nun der zweite Longplayer in den Startlöchern, ein Release, das die kontrastreiche, düstere Energie ihrer Mischung aus schwarzem Inferno und knackigen Death-Grooves weiter zuspitzt.
Wer es einfach mag, wer Musik sucht, die sich öffnet, freundlich ist oder sofort greift, darf getrost weitergehen. GRAUFAR kümmern sich wenig um Eingängigkeit oder klassische Songstrukturen oder andere Konventionen, sondern machen ihr Ding. Irgendwo zwischen Black- und Death-Metal angesiedelt, zwischen giftigem Gekeife, mächtigen Gitarren, pulsierendem Bass und treibenden Drums erzeugen sie eine ganz eigene Klanglandschaft. Die Einladung ist spröde, gleichwohl verführerisch. Aus dem Schatten heraus muss die Hörerin nicken. Das Album will nicht gefallen, sondern es ist ein Statement – die Wirkung entsteht aus Dichte, Konsequenz und Authentizität. Die Mischung aus Black- und Death-Metal ist kein Hybrid, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon. Nein, es ist ein organischer Zustand, ein stimmiges Bild mit einer Atmosphäre von Druck und Unruhe, unausweichlicher Bewegung und Konfrontation. Man tritt näher, weil man das Gewicht spürt, nicht weil jemand ruft. Diese Musik erklärt sich nicht, sie verweigert sich dem schnellen Zugriff – und genau darin liegt ihre Stärke. Es sind nicht eingängige Hooks, hymnische Refrains oder ein Chorus, der zum mitgrölen einlädt, sondern drückende, walzende Songs.
Der Titeltrack „Via Necropolis“ überrollt die Hörerin förmlich, getrieben von wuchtigen Drums und schweren Riffs. Nicht ohne Grund steht er in der Mitte des sieben Tracks umfassenden Albums, vielmehr ist er Fokus, Brennpunkt, Verdichtung des Albums. Unaufhaltsam, wie ein Zug ohne Fenster, getragen von dissonanten Linien, die nie wirklich auflösen wollen, keine Refrains, keine falsche Erlösung. Alles bleibt im Graubereich zwischen Black- und Death-Metal, ohne die Identität zu verwässern. Brutale Momente, wie in „Buried in Flames“ stehen neben melancholischen, atmosphärischen wie bei „Foltertrog„. Abwechslung nicht nur zwischen, sondern auch in den Songs: Rhythmus- und Tempo-Wechsel, Dynamik zwischen überwältigender Direktheit und Understatement. Riffs wiederholen sich nicht, sie graben. Schlagzeug und Bass wirken wie Werkzeuge, nicht wie Selbstdarsteller und die Gitarren schneiden eher, als dass sie glänzen. Nichts wirkt ironisch, nichts kalkuliert, nichts anbiedernd.

Fazit:
Via Necropolis ist ein starkes, ehrliches Album, das nichts neu erfindet, aber alles ernst meint. Kein Meisterwerk, kein Szeneknall – sondern ein Album, das bleibt, weil es Gewicht hat. Ein Werk, das man nicht liebt, das nicht catchy ist, sondern das drängt, konfrontiert und gerade deshalb funktioniert. Man hört es nicht nebenbei. Man trägt es eine Weile mit sich herum. Authentisch. Unmittelbar. Gut so.
Punkte:
Autor: distelsøl
