Band: FULLMOON RITE
Album: Ad Lucifer Aeternum Gloriam
Genre: Black Metal
Label: Pesttanz Klangschmiede
Trackliste:
01. Nocturne No.03 – Yersinia Pestis (Apertio II)
02. Pestilence Upon Mankind (All Shall Fall)
03. Deathwish (My Soul For His Glory)
04. Geisterwald Akt II (Im Bann des Teufelsvogels)
05. Sacrificed to the Devil
06. Nocturne No.04 (Interludium II)
07. The Eternal Reign of Fire
08. Horncrowned Majestic Legacy
09. Ad Lucifer Aeternam Gloriam
10. Nekromisantrop (Urgehal cover)

Erstaunlich, aber wahr: Nicht einmal zwei Jahre nach dem Debüt Draped in the Shade of Luciferian Light (Anfang 2024) stellt die bayerische One-Man-Show FULLMOON RITE mit Ad Lucifer Aeternum Gloriam Ende 2025 bereits ihr zweites Studioalbum vor. Ein Release, das dem Erstling stilistisch so nahe steht, dass man meinen könnte, beide seien im selben Schreibfluss entstanden. Abwechslung, okkulte Kälte und nordische Raserei kommen dabei dennoch nicht zu kurz.
Nach dem Piano-Intro „Nocturne No.03 – Yersinia Pestis (Apertio II)“, das den Hörer in einen hypnotischen Dämmerschlaf versetzt, wird ohne Umschweife losgeblastet. „Pestilence Upon Mankind (All Shall Fall)“ macht keinerlei Kompromisse: wütende Raserei mit klassischem Riffing und starker Atmosphäre, düster und klar an die großen 90er angelehnt, mit deutlichen Anleihen bei FUNERAL MIST.
„Deathwish (My Soul For His Glory)“ kommt noch klassischer und fast schon GORGOROTH-ig daher, allerdings mit schöneren und melodischeren Melodiebögen. Die Gitarrenarbeit bleibt konsequent blackig, das Drumming ein permanenter Dauerbeschuss, während Takt- und Tempowechsel sowie ein atmosphärischer Soundteppich dem Track eine eigenständige Grundstimmung verleihen.
Einen echten Aha- bzw. What-the-hell-Moment liefert „Geisterwald Akt II (Im Bann des Teufelsvogels)“. Statt klassisch böser Raserei und Weltuntergangsstimmung kommen hier Klargesang und Pianoklänge zum Einsatz. Eine nette Idee und handwerklich sauber umgesetzt, die für sich genommen hervorragend funktioniert und Eindruck hinterlässt, im bislang extrem klassischen satanischen Black-Metal-Kontext jedoch deplatziert wirkt.
Dieser Eindruck verstärkt sich, da „Sacrificed to the Devil“ trotz melodischerer und atmosphärischer Ausrichtung, hypnotischer Soundteppiche und stellenweise gedrosseltem Tempo wieder deutlich besser ins Album passt, während die gothic-blackige Stilistik von „Geisterwald Akt II“ isoliert bleibt.
Ein ruhiges, beinahe beruhigendes Piano-Interlude bildet „Nocturne No.04 (Interludium II)“, das auf „The Eternal Reign of Fire“ vorbereitet. Diese Nummer kommt noch melodischer daher und verändert die Stimmung der Platte spürbar. Düster und mystisch hallt der Track aus den Lautsprechern, während die Voice episch getragen und fast schon feierlich depressiv vor sich hin brüllt und man als Hörer davon ausgehen darf, dass es sich nun ausgeblastet und ausgepeitscht haben dürfte
Doch „Horncrowned Majestic Legacy“ widerlegt das. Nach fast thrashigem Intro und choraler Epik bricht der Track giftig, böse und eisig über den Hörer herein. Mittleres bis hohes Tempo, klassisch schneidendes Dur-Riffing hinter ambientartigem Soundteppich und satanisch kaltes Gekeife markieren deutlich den Übergang vom klassischen satanischen Black Metal in postigere Gefilde. Eine Unstimmigkeit entsteht hier nicht, da das vorangegangene Piano-Interlude diesen Stilwechsel sauber vorbereitet hat.
Umso rätselhafter ist der erneute Bruch in „Ad Lucifer Aeternam Gloriam“. Der Track kehrt zurück zu klassischer, spielereifreier Black-Metal-Düsternis: wenig Brimborium, klassische Melodieführung, weniger Ambient-Anteil, dafür eisige Blasts, bedrohliche Breaks und giftige Shrieks. Für sich genommen ein funktionierender, in sich geschlossener Song, der im Albumkontext jedoch erneut für Unstimmigkeit sorgt.
Der Closer, das URGEHAL-Cover „Nekromisantrop“, überrascht und überzeugt. Wer das Original schätzt, wird feststellen, dass hier tatsächlich eine Schippe draufgelegt wird – ein Kunststück, das nur wenigen gelingt. Das Cover übertrifft das Original und schließt ein insgesamt unstimmiges Album mit dennoch extrem starken Einzeltracks sehr überzeugend ab.

Fazit:
Ad Lucifer Aeternum Gloriam überzeugt auf Track-Ebene durchgehend mit extrem starker, technisch sauberer Arbeit. Jeder einzelne Song für sich genommen funktioniert, ist atmosphärisch dicht, gut geschrieben und handwerklich auf hohem Niveau umgesetzt.
Als Album wirkt das Release jedoch nicht wie ein in sich geschlossenes Gesamtwerk mit rotem Faden, sondern vielmehr wie ein Sammelsurium einzelner Stücke, die wild zusammengewürfelt und nicht konsequent aufeinander abgestimmt sind. Stilbrüche und Richtungswechsel sorgen dafür, dass beim Hören keine klare Linie entsteht, was trotz der Qualität der einzelnen Tracks irritiert.
So bleibt ein Album, das in seinen Einzelteilen überzeugt, als großes Ganzes jedoch nicht die Geschlossenheit erreicht, die man erwartet.
Punkte:
Autor: Nicki
