MEKRAHKTH – Li oiznelis ilged ied (2024)

    

Band: MEKRAHKTH
Album: Li oiznelis ilged ied
Genre: Raw/Atmospheric Black Metal
Label: Under The Sign Of Garazel Productions

Trackliste:
01. Ocouf onrete
02. Itazzaps allad aiccaf alled arret
03. Oinimod ied itrom
04. Edef ni nu onort id itnemercse
05. Ibucni da ihcco itrepa

MEKRAHKTH, die One Man Show aus der Lombardei, schlägt ein neues Kapitel im abgründigen Buch des Black Metal auf. Dieses nennt sich Li oiznelis ilged ied. MEKRAHKTH vollführen den Sprung in eine finstere, fast rituelle Klangwelt, die sich anfühlt wie ein uraltes heidnisches Totenbuch, das in flackerndem Kerzenlicht vorgelesen wird. Die 42 Minuten des einzigen Albums sind kein simpler Sturm aus Blastbeats und Kreischgesang, sondern ein langsames, zähes Hinabsteigen in einen Sumpf aus Verwesung, Wald und vergessener Mythologie.

Die Gitarren klingen rau und schwer. Die Riffs wiederholen sich ständig. Diese Hypnose zieht in den Bann und verleitet zur Selbstaufgabe. Sie bestehen meist aus langen, tiefen Tönen, die an Intensität zunehmen. Das Schlagzeug bleibt meist langsam und hält sich üblicherweise im Hintergrund. Die Schläge kommen wie ein dumpfer Herzschlag aus dem Untergrund. Man spürt nahezu wie sich etwas aus dem Grab erhebt. Die Vocals, in litauischer Sprache, sind vielfältig. Tiefes Geknurre gepaart mit gespenstischem Heulen baut eine düstere Szenerie auf.
Alles wirkt nah und direkt. Die Kälte im Raum ist direkt spürbar.

Der Albumtitel Li oiznelis ilged ied (übersetzt in etwa „Wo die Nadel lange sticht“) ist Programm. Das Werk ist durchzogen von einer obsessiven, fast masochistischen Langsamkeit. Es gibt keine „Songs“ im klassischen Sinn, eher rituelle Abschnitte, die sich wie Kapitel eines finsteren Märchens aneinanderreihen.

Der Opener „Ocouf onrete“ setzt sofort tief an. Ein schweres, brummendes Riff und ein langsames, gleichmäßiges Trommeln ziehen sich hin. Nach gut fünf Minuten steigert sich alles in ein schrilles, durchdringendes Kreischen, bevor es wieder in die Tiefe abfällt. Man spürt sofort: hier gibt es kein Entkommen. Der brutalste Moment des Albums folgt und nennt sich „Itazzaps allad aiccaf alled arret“ . Neun Minuten schleppen sich vorwärts. Dicke, verstimmte Gitarrenwände und ein Gesang, der klingt, als würde jemand langsam die Luft ausgehen, machen fast kaputt. Am Ende fühlt sich die eigene Kehle wie zugeschnürt an. „Oinimod ied itrom“ überrascht mit ziemlicher Schwere. Ein verzerrter, chorartiger Gesang schiebt sich durch, als würde ein altes Klagelied aus einem Moor steigen. Die Stimmung wird fast feierlich, aber auf eine kalte, trostlose Art. Das Herzstück ist „Edef ni nu onort id itnemercse“. Es dauert ganze zwölf Minuten. Ein hypnotisches, endloses Brummen, kaum Flüstern und dann plötzliche, harte Ausbrüche. Man fällt in eine Art Trance und vergisst die Zeit komplett. Das Album endet mit „Ibucni da ihcco itrepa“. Das Stück wird immer leiser, verglüht langsam und lässt am Schluss nur noch kaltes Rauschen zurück. Danach ist im Raum eine Stille, die schwerer wiegt als jeder Lärm.

Fazit:
Authentisch und kompromisslos. Li oiznelis ilged ied ist ein absolutes Meisterwerk der finsteren Kunst und gehört ohne Zweifel zu den stärksten Veröffentlichungen aus 2024. MEKRAHKTH schafft das seltene Kunststück, rohe Urgewalt mit tiefer, fast hypnotischer Atmosphäre zu verbinden, und zwar so überzeugend, dass man nach dem letzten Ton nicht nur erschüttert, sondern geradezu berauscht ist.

Punkte:

Autor: Christian S.