Band: TULUS
Album: Morbid Desires
Genre: Black Metal
Label: Darkness Shall Rise Productions
Trackliste:
01. Salme 2
02. Skabb
03. Tulus
04. Kistesmed
05. Vanvidd
06. Hedengangen
07. Fossegrimens Vakt
08. Skauånd
09. Sabbat

Nach dreijähriger Pause melden sich die norwegischen Altmeister TULUS mit ihrem neuen Release Morbid Desires zurück. Bekannt war die Partie seit jeher für ihren rohen und klassisch ursprünglichen Sound – umso verwunderlicher ist es, dass sich auf der neuen, neun Tracks starken Platte, basslastige fast schon groovig-rockige Sounds im Midtempo und athmosphärische Weiten finden. Ein Klangmuster, das für das 1991 gegründete Trio eher ungewohnt anmutet, seine Wirkung jedoch nicht verfehlt.
Beim Opener „Salme 2“ fällt das noch gar nicht so stark auf, denn die Nummer ist bissig, giftig und im typischen Stil der Band gehalten. Über klassischem Riffing rauscht der Track zügig dahin – angelehnt an und quasi als Fortsetzung des 1999 erschienenen Brechers „Salme“ überzeugt die Nummer durch rohe Härte, die von Chören im Refrain, atmosphärischen Passagen und etwas Akustikgitarre unterbrochen wird.
Ungewohnt wird es ab „Skabb“, das mit hervorragender Basslinie aufwartet und in schwerem, fast schon melancholischem Midtempo dahinwummert. Die rockig-groovige Grundstimmung setzt sich in „Tulus“ fort. Auch hier ist die hervorragende Basslinie der klare Aufhänger, während das monotone Midtempo, das stellenweise an die Großen des Heavy Metal erinnert, langsam etwas an den Nerven sägt. Spannung bringt ein hervorragendes Solo etwa ab der Mitte des Tracks, verstärkt jedoch gleichzeitig die Hard’n’Heavy-Vibes der 1980er noch weiter.
Mit „Kistesmed“ und„Vanvidd“ wird es wieder typischer für TULUS. Abgesehen von der hervorragenden Arbeit an den Leads, für die die Band seit jeher bekannt ist, rast „Kistesmed“ anfänglich in ordentlichem Tempo los, bremst zwischendurch ab, um tiefe Düsternis in Form grooviger Bassschwere einzustreuen, und gibt anschließend erneut Vollgas, bevor der Track fast schon dramaturgisch verklingt. „Vanvidd“ setzt dagegen durchgehend auf mittleres bis höheres Tempo, einen kurzen Break, ein hervorragendes Solo und klare Linien.
Ungewohnten Groove-Rock im Black-Metal-Outfit bietet „Hedengangen“ – eine Nummer, die in puncto Melodieführung an Taake und gitarrentechnisch fast an Punkrock denken lässt, während die durchgehend hervorragend umgesetzte Bassarbeit so gar nicht in das harmonisch-freche Konzept passen will.
Kulturschock und Fassungslosigkeit gefällig? Dann einfach „Fossegrimens Vakt“ aufdrehen. Ein Track, der wie die Faust aufs Auge beginnt: Flamencogitarre und schmalzig-romantisch anmutendes Gefiedel markieren den Einstieg in eine Nummer, die auch von einem Nickelback- oder The-Calling-Album sein könnte. Die bissigen Vocals, das hervorragende Solo und die großartige Basslinie können dieses Potpourri aus Metal, Kitschrock, Flamencogitarre und Punk-Drums auch nicht mehr retten. Kurzum: ein Track, der beim alteingesessenen Black-Metal-Fan zwischen Fassungslosigkeit, Belustigung und Ehrfurcht vor der musikalischen Leistung pendelt. Was sich die Jungs dabei gedacht haben, bleibt ein Rätsel.
Sobald die Fassungslosigkeit über „Fossegrimens Vakt“ abgeklungen ist, kann man sich auf die Genialität von „Skauånd“ konzentrieren. Die klassisch blackige Midtempo-Nummer verfolgt wieder mehr das Konzept, für das eingefleischte Fans TULUS seit jeher feiern: hervorragendes Riffing, beständiger Rhythmus, die bekannt gute Bassarbeit und ein solider Drum-Unterbau machen den Track stimmig, angenehm zu hören und durch das Spiel der Vocals zum stärksten Song der Platte.
Komplett untypisch klingt die LP mit „Sabbat“ aus. Fast schon ähnlich den neueren Satyricon-Alben könnte man hier tatsächlich von Black’n’Roll-Vibes sprechen, die sich durch das offensichtliche Tribute an Black Sabbath in puncto Gitarrenarbeit zu einem gelungenen Abschluss für ein doch gelungenes Release vereinen.

Fazit:
Morbid Desires ist ein ungewohntes, stellenweise fast schon befremdliches Release, das sich deutlich vom klassischen Sound der frühen TULUS-Werke entfernt und stattdessen mit groovigen Midtempo-Strukturen, auffälliger Bassarbeit und rockigen Einflüssen experimentiert. Nicht jede dieser Ideen geht auf – besonders „Fossegrimens Vakt“ dürfte viele alteingesessene Black-Metal-Fans zwischen Fassungslosigkeit und Belustigung zurücklassen. Gleichzeitig zeigt die Band aber auch, dass sie musikalisch nach wie vor hervorragend aufgestellt ist, was besonders in Tracks wie „Kistesmed“, „Vanvidd“ und dem starken „Skauånd“ deutlich wird. Trotz einiger fragwürdiger stilistischer Entscheidungen bleibt ein eigenwilliges, aber durchaus gelungenes Release, das durch starke Instrumentalarbeit und seinem Mut zum Anderssein auffällt.
Punkte:
Autor: Nicki
