TRAKTATES – Koenig in Thule (2025)

 

Band: TRAKTATES
Album: Koenig in Thule
Genre: Black Metal

Trackliste:
01. Rabennacht
02. Das Angebot
03. Koenig in Thule
04. Ein Ende…
05. Waldeinsamkeit
06. As We Forgot to Live

Mit Koenig In Thule legen TRAKTATES ein Album vor, das sich bewusst Zeit nimmt und seine Wirkung nicht aus schnellen Effekten bezieht. Stattdessen setzen die Deutschen auf lange Spannungsbögen, eine dichte Atmosphäre und starke Melodien, die sich langsam im Gedächtnis festsetzen. Dabei verbindet die Band deutschsprachige Texte und nordisch anmutende Motive mit einem rauen Black-Metal-Fundament. Das Ergebnis wirkt erstaunlich stimmig und weit entfernt von übertriebener Romantik oder klischeebeladenem Pathos.

Bereits „Rabennacht“ macht deutlich, wohin die Reise geht: TRAKTATES bauen ihre Stücke geduldig auf und lassen Atmosphäre und Melodien ausreichend Raum zur Entfaltung. Gerade diese Herangehensweise sorgt dafür, dass man sich regelrecht in den Songs verlieren kann. Gitarrenlinien tauchen auf, verschwinden wieder im rauen Klangbild und hinterlassen dennoch nachhaltige Spuren.

Trotz der atmosphärischen Ausrichtung besitzt Koenig In Thule genügend Härte, um nicht in verträumte Belanglosigkeit abzurutschen. Immer wieder brechen schroffe Passagen durch die melancholischen und getragenen Momente und sorgen für die notwendige Spannung. Auch „Das Angebot“ zeigt, dass die Band zwischen unmittelbarer Aggression und atmosphärischer Tiefe überzeugend vermitteln kann.

Besonders der Titeltrack „Koenig in Thule“ bündelt viele der Stärken des Albums und verbindet eindringliche Melodien mit einer beinahe erzählerischen Dramaturgie. Die deutschen Texte und nordischen Motive funktionieren dabei bemerkenswert gut und liefern den Beweis, dass eine solche Kombination keineswegs zwangsläufig kitschig wirken muss. Vielmehr entsteht eine ernste, dunkle Grundstimmung, die sich konsequent durch das gesamte Werk zieht. Mit dem über zwölf Minuten langen „Ein Ende…“ gehen TRAKTATES schließlich besonders weit und zeigen zugleich, weshalb ausgedehnte Spielzeiten durchaus ihre Berechtigung haben können. Solange Länge nicht zum Selbstzweck wird, können überlange Songs Spannungsbögen entwickeln, für die in gewöhnlichen Fünf-Minuten-Kompositionen schlicht kein Platz vorhanden ist.

Genau das gelingt hier, denn die Stücke verändern sich, öffnen neue Räume und bieten genügend Abwechslung, um ihre Laufzeiten zu rechtfertigen. „Waldeinsamkeit“ fügt sich mit seiner getragenen Stimmung hervorragend in das Gesamtbild ein, bevor „As We Forgot to Live“ noch einmal ausgiebig zwischen Melancholie, Härte und atmosphärischer Weite pendelt.

Trotz der langen Kompositionen entsteht deshalb kaum der Eindruck unnötiger Wiederholung, weil starke Melodien und wechselnde Intensitäten immer wieder neue Akzente setzen. Koenig In Thule funktioniert dadurch weniger als Sammlung einzelner Songs denn als geschlossenes Werk, in dessen düsterer Atmosphäre man sich für knapp eine Stunde verlieren kann.

Anspieltipp: „Waldeinsamkeit“


Fazit:
TRAKTATES beweisen mit Koenig In Thule ein gutes Gespür dafür, wie Atmosphäre, Härte und Melodie miteinander verbunden werden können. Vor allem die langen Stücke funktionieren, weil ihre Spielzeit tatsächlich genutzt wird und nicht bloß künstlich aufgebläht erscheint. Gleichzeitig sorgen genügend Abwechslung und starke melodische Momente dafür, dass das Album trotz seiner ausgedehnten Kompositionen nicht ermüdet. Wer sich auf diese dichte, dunkle Klangwelt einlässt, bekommt ein Album, in dem man sich wunderbar verlieren kann.

Punkte:

Autor: Tom K.