Band: RIVERS ABLAZE
Album: Inexternal Dread
Genre: Progressive Black/Death Metal
Label: Inertial Music
Trackliste:
01. Silent Orbit
02. Enemy Within (Nails Like Needles)
03. A Mass Grave of Trauma (The Ghost of Blood-soaked Memoirs)
04. Lunar Perception
05. Born from Flame
06. Carrion Throne (Where Silence Destroys)
07. Mirror Trap
08. Death on Impact

Die Band RIVERS ABLAZE wurde 2019 in Budapest von Márton Kertész gegründet und legt 2026 nun bereits ihr fünftes (!) Album vor. Dabei machen die sechs Musiker nicht auf schnelle Retorten-Musik, sondern ganz im Gegenteil: sie entwickeln komplexe Klanglandschaften. Den fruchtbaren Boden bilden Strukturen und Elemente aus Black und Death Metal, darüber konstruieren sie einen eigenständigen, technischen Stil aus Progressive Metal, düsteren Doom-Passagen und unerwarteten melodischen Öffnungen.
Inexternal Dread ist kein wirklich einladendes Album, das die Hörerin mit offenen Armen empfängt und umschmeichelt. Vielmehr lässt die Komplexität der Songstrukturen zunächst etwas Abstand halten. Die Beobachterrolle fühlt sich gut an, nur langsam kann man sich nähern, um dann doch vertraute Elemente zu hören. Irgendwo beginnt ein Schlagzeug zu rasen, schwere Gitarren schneiden durch die Dunkelheit oder bilden mächtige Wände, Growls und Screams brechen hervor – es sind diese kontinuierlichen Verschiebung die den eigentliche Kern von RIVERS ABLAZE Stil ausmachen. Black-Metal-Riffs liefern die kalte, flirrende Oberfläche, während Death Metal das Fundament beschwert. Darüber legen sich progressive Konstruktionen, technische Gitarrenarbeit und Passagen, die nach einer Post Metal-Weite streben. Irgendwie sperrig, irgendwie spannend – aber auch nicht zur Gänze überzeugend.
Musikalisch ist die Hörerin gefordert: die Rhythmik arbeitet mit abrupten Tempowechseln, Blastbeats, Doublebass und sorgt dafür, dass auch komplexe Passagen körperlich bleiben und nicht zu sehr kopfig werden. Verschachtelte Gitarrenfiguren der beiden Gitarren können sich in rasenden Läufen verbeißen, dann wieder melodische Linien freilegen, die dem Material eine unerwartete Weite geben. Auch der Bass ist ungewöhnlich präsent und trägt dazu bei, dass die Produktion trotz der Dichte nicht im Gitarrenbrei verschwindet. Beindruckend ist: das scheinbare Chaos bleibt kontrolliert.
Nicht jeder Bruch funktioniert allerdings gleichermaßen. Einzelne Wechsel brechen die zuvor aufgebaute Spannung leider eher als Zusammenbruch, den als Entladung. Manche gute Idee wird länger verfolgt, als ihr gut tut. Es entsteht der Eindruck, dass Inexternal Dread die Aufmerksamkeit behalten will – manchmal mit Gewalt.
Damit steht das Album irgendwo zwischen Progressive Black Metal, Technical Death Metal und einer experimentelleren Form des Blackened Death Metal. Entscheidend ist, dass RIVERS ABLAZE nicht einfach Genrebausteine sammeln. Sie entwickeln daraus einen eigenen Stil. Das gelingt nicht immer vollkommen, aber doch oft genug.

Fazit:
Inexternal Dread ist ein Album voller Widersprüche: brutal und atmosphärisch, technisch und emotional, kontrolliert und gleichzeitig ständig am Rand des Kontrollverlusts. Genau dadurch entstehen jene Momente, in denen das Album plötzlich größer wirkt als seine Einzelteile. Die Schwächen liegen weniger in fehlender Qualität als in einem gelegentlichen Übermaß an Ideen und am zu viel des Guten. Manche Übergänge wirken erzwungen, manche Passagen hätten etwas mehr Selbstdisziplin vertragen.
Punkte:
Autor: distelsøl
