Band: IL SILENZIO DI DIO
Album: Antenne
Genre: Atmospheric Black/Post-Metal
Trackliste:
01. Tonant
02. Antenne
03. Chimera
04. Nei loro occhi
05. Disamistade (Fabrizio De André cover)
06. Supernova

IL SILENZIO DI DIO stammt aus Genua und aus einer lebendigen Underground- und Alternative-Szene. Viele Ideen entstehen nach eigener Aussage während nächtlicher Aufenthalte in den Bergen oberhalb der Stadt – genau dort befinden sich auch die Antennen, die dem Debütalbum seinen Namen geben. Die Band bezeichnet ihren Stil als Atmospheric/ Post Black Metal, nennt aber ausdrücklich auch Ambient- und Drone-Elemente. Ziel sei ein eigener, wieder erkennbarer Klang. Das Debüt-Album Antenne verspricht eine ’spirituelle Reise durch das Universum, Natur und die menschliche Seele‘. Ob gelingt, hören wir uns an.
Black Metal ist die dunkle Grundierung des Album, doch darüber liegen Post-Metal-artige Weite, von Ambient beeinflusste Zwischenräume und eine eigentümliche Entrücktheit. Stilelemente, die bereits im Opener „Tonant“ anklingen, wenn er auch die ruppigere Seite betont, aber die Italiener lassen sich nicht von vermeintlichen Stilgrenze beeinträchtigen, sondern sehen sie bestenfalls als ein formgebendes Gerüst, an dem entlang sich ihr eigener Stil entwickeln kann.
Die Atmosphäre des Albums entsteht nicht aus permanentem Frost und Raserei, sondern vielmehr aus gedehnten Spannungsfeldern. Melodische Gitarrenfiguren, schwarze Klangflächen und elektronische Elemente lassen den einzelnen Tönen Raum, während die rhythmische Ebene nicht immer als dominierender Taktgeber funktioniert. Antenne funktioniert also eher über Texturen und Dynamik als über klassische Riff-Abfolgen. Die sechs Stücke bewegen sich zwischen Verdichtung und Auflösung, zeigen melancholischer Schönheit und gelegentlich auch eine dunkle Schwere, die auch im DSBM passen würde.
Interessant ist dabei die kreative Entscheidung, den eigenen kulturellen Hintergrund nicht auszublenden. So gibt es mit „Disamistade“ eine interessante Cover-Version – eigentlich würde besser passen von einer Neuinterpretation zu sprechen. Das Original stammt vom ebenfalls aus Genua stammenden Singer-/ Songwriter Fabrizio De André. Die Geschichte von Feindschaft und Blutrache erschien IL SILENZIO DI DIO eine lyrische Nähe zum Black Metal zu haben. Die Neuinterpretation ist also keine ironische Brechung, sondern eine Transformation in ein völlig anderes musikalisches Format und kleidet den Song in zeitgenössischer Schwärze. Gleichzeitig ist es das vielleicht stärkste Stück des Albums. Gerade im Vergleich mit diesem Song fallen manche Schwächen im Songwriting auf, fällt auf, wo es an Konsistenz und Konsequenz mangelt, was aber damit zu tun haben kann, dass IL SILENZIO DI DIO noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen.
Die Produktion hält nicht ganz den Standard: der Sound ist dumpf, flach, an manchen Stellen breiig und verschluckt so manches Detail. Er ist ähnlich grobkörnig, wie das Cover-Foto – womit sich die Frage aufdrängt: ist das gewollt und ein Stilelement?

Fazit:
Antenne ist ein solides und mutiges Debüt. IL SILENZIO DI DIO stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung, zeigen aber die künstlerische Vision, die eigenen Black Metal-Wurzeln als Orientierungspunkt zu nutzen, aber sich nicht durch sein Formgerüst einengen zu lassen. Die melancholische Grundhaltung, die ungewöhnliche Verbindung italienischer Liedtradition mit Post-Black-Metal-Ästhetik und die weit aufgespannte Atmosphäre machen das Album interessanter als manches technisch versiertere Genreprodukt. Noch fehlt an manchen Stellen die letzte kompositorische Konsequenz eines vollkommen ausgereiften Werks. Aber genau deshalb funkt Antenne ein erstes starkes Signal aus einer Richtung, die man im Auge behalten sollte.
Punkte:
Autor: distelsøl
