Band: ELDUR
Album: Rituals Of Death And Necromancy
Genre: Black Metal
Label: Aeternitas Tenebrarum
Trackliste:
01. Exiled
02. Flight Of Níðhöggr
03. Shapeshifter
04. Murder And A Curse
05. Svartálfaheimr
06. Second Life, Second Death
07. The Dark Mountains
08. Undead

ELDUR ist eines dieser Black-Metal Projekte, die so etwas ähnliches wie kondensierte Geschichte sind. Hinter dem Namen steht der Isländer Einar Thorberg Guðmundsson, seit den frühen Neunzigern eine feste Größe im Untergrund, unter anderem mit POTENTIAM, THULE oder FORTÍÐ. Das Solo-Projekt ELDUR besteht seit 2020 und hat bisher eine Split (mit DARK FUNERALs Heljarmadr) und eine EP veröffentlicht. Rituals Of Death And Necromancy ist nun das erste Full-Length-Album und gleichzeitig das erste der geplanten Reihe zu „Proscribed Chronicles of Niðavellir“. Stilistisch wurzelt das Album tief im klassischen nordischen Black Metal.
Das Album eröffnet direkt und unmittelbar, nicht wie ein Angriff, eher wie das Fallen durch eine versteckte Falltür, als würde man mitten in mythologischen Nidavellir, dem unterirdisches Reich der Zwerge, landen. Die Gitarren sind rau, hier krächzend, da schneidend, aber geben Weite. Das Schlagzeug ist treibend, ohne sich in einfallslosen Dauerblastbeats zu verlieren und schafft mit wuchtigen Toms voluminöse Klangräume. Melodielinien werden häufig von Keyboards getragen, subtil aber doch prägnant. Man merkt von Anfang an: ELDUR weiß was er tut und er verfolgt eine Idee. Es ist ein sehr melodischer Black Metal, der durch Tempowechsel und Dynamik in den Songstrukturen an Gestalt gewinnt, wie die Zwerge von Nidavellir schmiedet ELDUR sein Werk.
Da gibt es getriebene, rastlose, gehetzte Songs, wie “Exiled” mit seinem stetig mahlenden Riff, aber auch melodische Linien, die wie Nebelschwaden durch den Song ziehen, während das Schlagzeug eine rastlose Unruhe erzeugt. Dabei ist es die Balance zwischen Tempo und Schwere, die beeindruckt. ELDUR verzichtet weitgehend auf reine Raserei und setzt stattdessen auf Spannungsbögen, wie in “Shapeshifter”, der mehrfach zwischen aggressiven Black-Metal-Passagen und fast doomiger Langsamkeit kippt, ohne fragmentarisch zu wirken. Es zeigt sich Guðmundssons Erfahrung, wenn er diese Übergänge bewusst platziert, gestaltet und ausformt. Auch “Second Life, Second Death” lebt von dieser erzählerischen Struktur – hier gelingt es aber weniger gut, wirkt es sogar etwas überladen, etwas zu plakativ. Die walzende Songstruktur, verliert ihre Kontur und kommt so zu wenig zur Geltung. “Murder and a Curse” ist der vielleicht räudigste Song des Albums und erzielt seine Wirkung aus der Wiederholung und dem immer dichter werdenden Klangkörper, der mal mit einem kurzen Aufblitzen der Leadgitarre konkurriert und an anderer Stelle mit einem eigenwilligen, fast wie eine kindliche Melodie wirkenden Keyboard-Blubbern kontrastriert wird.
Ein insgesamt atmosphärisch dichtes Album, wenn auch in manchen Stellen nicht ganz rund, nicht ganz so packend und mitunter überladen.

Fazit:
Rituals Of Death And Necromancy steht auf den Schultern von Riesen des nordischen Black Metals und ist gleichzeitig dezent erneuert und frisch. Die Stärke liegt nicht im Neuerfinden des Genres, sondern in der respektvollen Erweiterung und der künstlerischen Konsequenz. Ein Album für Black Metal-Hörerinnen, die sich nicht davor scheuen, sich auf ‚verbotene Schriften‚ einzulassen.
Punkte:
Autor: distelsøl
