Band: DRAUGR
Album: Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. I
Genre: Black Metal
Trackliste:
01. Loki Galdr – Loka Daun
02. Surturs Zorn
03. Sols Richter
04. Der Kenazfeuer Pfad
05. Flammenmeer
06. Chaossplitter

Mit Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. I begeben sich DRAUGR tief in die Gefilde des traditionellen, nordisch geprägten Black Metals. Feuer, Chaos, Rebellion und Untergang bilden dabei nicht bloß einzelne Motive, sondern greifen über die gesamte Platte hinweg ineinander. Große Experimente stehen musikalisch nicht auf der Tagesordnung, vielmehr vertraut die Band auf bewährte Zutaten und eine konsequent düstere Atmosphäre. Herausgekommen ist ein solides Album, das vor allem durch seine Geschlossenheit überzeugt, aber auch mit einigen Schwächen zu kämpfen hat.
Bereits „Loki Galdr – Loka Daun“ legt das Fundament und präsentiert Loki als Störenfried einer bestehenden Ordnung, wobei Feuer unmittelbar mit Rebellion, Freiheit und Veränderung verbunden wird. Was hier als Aufbegehren beginnt, entwickelt sich im weiteren Verlauf immer stärker zu einer zerstörerischen Kraft, die schließlich weit über den Einzelnen hinausgeht. Die Gitarren sägen ordentlich, das Schlagzeug treibt das Geschehen voran und über allem liegt eine frostige Grundstimmung, die einen reizvollen Gegensatz zur allgegenwärtigen Feuersymbolik bildet.
Mit „Surturs Zorn“ wird aus dem Funken schließlich ein Weltenbrand, denn das Feuer steht nun nicht mehr primär für Erkenntnis oder Auflehnung, sondern für Vernichtung und das Ende der bestehenden Ordnung. „Sols Richter“ führt diesen Gedanken konsequent weiter, wenn selbst die Sonne als Sinnbild für Licht und Beständigkeit fällt und damit der Weg in Richtung Ragnarök endgültig eingeschlagen wird.
Musikalisch funktioniert das Material besonders gut, wenn DRAUGR das Tempo anziehen und diese apokalyptische Stimmung ohne große Umwege auf den Hörer loslassen. Interessant ist dabei, dass das zentrale Feuer-Motiv nicht ausschließlich negativ besetzt bleibt, sondern im Verlauf des Albums immer wieder seine Bedeutung verändert. Besonders „Der Kenazfeuer Pfad“ bildet hier einen Gegenpol, denn Kenaz steht für Licht, Erkenntnis und einen Funken, der nicht bloß vernichtet, sondern den eigenen Weg erhellt und weitergetragen werden soll. Damit bekommt dasselbe Element, das zuvor ganze Welten verschlingt, plötzlich eine beinahe schöpferische Dimension und wird zum Symbol für Wissen, Veränderung und persönliche Befreiung.
Mit „Flammenmeer“ kippt diese Ambivalenz jedoch wieder vollständig in Richtung Vernichtung, wenn aus dem inneren Feuer eine entfesselte Kraft wird, die nur noch verbrannte Erde und Leere zurücklässt. So entsteht lyrisch ein durchaus interessanter Kreislauf aus Funken, Erkenntnis, Rebellion, Zerstörung und Chaos, der den einzelnen Songs einen gemeinsamen Rahmen gibt.
Musikalisch bewegt sich die Band allerdings überwiegend auf bekannten Pfaden, weshalb die spannende thematische Verbindung nicht immer eine ebenso eigenständige klangliche Entsprechung findet. Innovationen sucht man weitgehend vergeblich, was angesichts der konsequenten Atmosphäre zwar verschmerzbar ist, dem Album aber eine markantere eigene Handschrift genommen hat. Hinzu kommt, dass einige Stücke ihre Ideen unnötig lange ausreizen und dadurch gelegentlich an Druck und Wirkung verlieren. Besonders beim abschließenden „Chaossplitter“ wird diese Schwäche deutlich, denn obwohl sich hier der Kreis vom ursprünglichen Feuer über Muspelheim bis zur Rückkehr ins reine Chaos schließt, hätte eine deutlich straffere Gestaltung dem Finale wesentlich mehr Durchschlagskraft verliehen.
Anspieltipp: „Der Kenazfeuer Pfad“

Fazit:
Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. I ist unterm Strich ein solides Black-Metal-Album, dessen Stärke vor allem in seinem konsequent aufgebauten thematischen Fundament liegt. DRAUGR lassen Feuer nicht einfach nur brennen, sondern verwenden es als Sinnbild für Erkenntnis und Freiheit ebenso wie für Rebellion, Vernichtung und die Rückkehr ins ursprüngliche Chaos. Musikalisch kann die Platte mit diesem interessanten Ansatz nicht immer Schritt halten, denn Innovationen bleiben rar und einige Songs werden unnötig in die Länge gezogen. Wer traditionellen, nordisch geprägten Black Metal schätzt und sich auf das dahinterliegende Konzept einlässt, findet hier dennoch ein stimmiges und ordentlich umgesetztes Werk.
Punkte:
Autor: Tom K.
