Band: CON
Album: The Shrine Within
Genre: Black Metal
Label: Deäth Postüre Records
Trackliste:
01. The Shrine Within (Intro)
02. Alogos
03. Leviathan’s Grave
04. Ma
05. Titan Pentacle
06. Rest in the Arms of the Dragon
07. Lucifer

CON – The Shrine Within
Das schwedische Black-Metal-Duo CON ist zwar schon seit 2009 aktiv, gönnte sich nach dem Demo aus dem gleichen Jahr allerdings eine neunjährige Pause und tauchte erst 2018 mit der EP In Signo Draconis wieder auf. Schon damals war der Stil der Band klar: imposanter, traditioneller und orthodoxer Black Metal mit einer düsteren, atmosphärischen Note. Schwermütige Atmosphäre und dunkle Spiritualität stehen dabei ebenso im Vordergrund wie das Gefühl, ein verbotenes Heiligtum zu durchschreiten. Kein Wunder also, dass das ursprüngliche Material auf der 2026 veröffentlichten LP The Shrine Within neu aufgelegt und musikalisch erweitert wurde.
Die melodisch-schwarze, sieben Tracks starke Brachialgewalt startet mit „The Shrine Within“, einem bedrohlich düsteren Instrumentalintro, bevor CON mit „Alogos“ erstmals vollständig zeigen, wohin die Reise geht. Scharf konturierte Rhythmusgitarren treffen auf zusätzliche melodische Leads, die nicht einfach als klassische Soli eingesetzt werden, sondern fest ins Riffing eingebunden sind. Dadurch entsteht ein mehrschichtiges Gitarrenbild, in dem Härte und Melodik ständig ineinandergreifen. Gerade die melodische Führung lässt an schwedischen Black Metal der Dissection-Schule denken, ohne deren Stil einfach zu kopieren. Auch der Bass bekommt genügend Raum, um nicht vollständig hinter den Gitarren zu verschwinden. Weniger abwechslungsreich zeigen sich dagegen die Vocals, deren Färbung und Phrasierung deutlich konstanter bleiben als die Gitarrenarbeit.
„Leviathan’s Grave“ wirkt noch ausladender und setzt stärker auf die Verzahnung von Rhythmus- und Leadgitarre. Wiederkehrende Riffmotive bilden das Fundament, während die Leads darüber eigene Bewegungen entwickeln und für eine düstere, beinahe majestätische Weite sorgen. Technische Spielerei steht dabei weniger im Vordergrund als das Zusammenspiel mehrerer Gitarrenstimmen und die daraus entstehende Spannung. Einzelne Motive werden allerdings etwas zu ausdauernd wiederholt und nicht jeder erneute Durchlauf bringt der Nummer tatsächlich einen neuen Impuls.
Bei „Ma“ tritt die melodische Seite noch deutlicher hervor. Die Leadgitarre dient nicht bloß als Verzierung, sondern übernimmt immer wieder selbst die melodische Führung. Brice Leclercqs zusätzliche Leads erweitern das Klangbild, während der Bass darunter für Bewegung und Fundament sorgt. Gerade dieses Zusammenspiel der Saiteninstrumente gehört zu den stärksten Momenten der Platte. Dem gegenüber stehen erneut recht gleichförmige Vocals, die mit der dynamischen Entwicklung der Gitarren nicht immer mithalten können.
„Titan Pentacle“ nutzt seine längere Spielzeit, um die verschiedenen Gitarrenebenen noch weiter auszubauen. Rhythmusriffs und melodische Leads wechseln sich in der Führung ab, Motive werden aufgegriffen, verändert und erneut eingebettet. Die Komplexität entsteht dabei weniger durch klassische Soli als durch Schichtung und melodische Gegenbewegungen. Hier ist die Nähe zu Dissection besonders deutlich zu spüren: Aggressive Black-Metal-Riffs treffen auf dunkle, fast elegische Melodieführung und starke Gitarrenharmonien. Die über sechsminütige Struktur verlangt allerdings etwas Geduld, denn auch hier hätte die ein oder andere Wiederholung problemlos kürzer ausfallen können.
„Rest in the Arms of the Dragon“ gehört technisch und kompositorisch zu den stärksten Momenten des Albums. Hart treibende Rhythmusriffs treffen auf feurige Leads und weitläufige, melancholische Melodiebögen, die der Nummer einen beinahe majestätischen Charakter verleihen. Besonders gelungen ist der Kontrast zu den stark verhallten und fast schwebenden Gitarrenpassagen, welche die aggressive Grundstimmung kurz aufbrechen und eine mystische, beinahe entrückte Atmosphäre entstehen lassen. Auch die Vocals wirken hier deutlich entfesselter und leidenschaftlicher und passen ihre Intensität wesentlich stärker an die musikalische Dynamik an.
Hinzu kommt bei „Rest in the Arms of the Dragon“ Jimmie Olaussons echtes Schlagzeug. Gerade Blasts, Übergänge und Akzentverschiebungen wirken dadurch organischer und reagieren deutlich natürlicher auf die Bewegungen der Gitarren. Das Schlagzeug begleitet die Riffs nicht einfach, sondern trägt aktiv zur Dynamik bei, wodurch auch Tempowechsel und atmosphärische Übergänge wesentlich flüssiger wirken. Treibendes Riffing, ausladende Leadarbeit, melancholische Melodien, verhallte Gitarrenflächen und aggressivere Vocals greifen hier hervorragend ineinander und machen „R.I.T.A.D.“ wohl zu jener Nummer, in der CON ihre musikalischen Möglichkeiten am vollständigsten ausspielen.
Mit „Lucifer“ endet das Album deutlich direkter und rauer. Der Demo-Charakter passt dabei durchaus zur Nummer, denn die Gitarren wirken weniger aufwendig geschichtet und konzentrieren sich stärker auf unmittelbare Riffwirkung. Das grundlegende Prinzip, Rhythmus- und Leadgitarre miteinander zu verzahnen, bleibt trotzdem erhalten. Im Vergleich zu den vorherigen Tracks wirkt „Lucifer“ dadurch kompakter und weniger ausladend, fällt technisch allerdings auch etwas hinter „Titan Pentacle“ und insbesondere „R.I.T.A.D.“ zurück. Die vorhandenen Ansätze sitzen, werden aber nicht mehr in derselben Tiefe entwickelt.
Über die gesamte Platte hinweg liegt die größte Stärke von CON eindeutig in der Gitarrenarbeit. Mehrere Rhythmus- und Leadebenen, wiederkehrende melodische Motive und der Wechsel zwischen aggressiver Härte und melancholischer Weite geben The Shrine Within seinen Charakter. Gerade Brice Leclercqs zusätzliche Leads verleihen dem Material ordentlich Tiefe. Schwächen zeigen sich vor allem dann, wenn einzelne Motive länger ausgereizt werden, als es ihrer Wirkung guttut, während die relativ gleichförmigen Vocals mit der Entwicklung der Gitarren nicht immer Schritt halten. „Rest in the Arms of the Dragon“ zeigt dagegen eindrucksvoll, wie stark CON werden, wenn Gitarren, Gesang und Rhythmussektion dieselbe Dynamik entwickeln.

Fazit:
Mit The Shrine Within liefern CON eine starke Platte, deren größte Stärke eindeutig in der hervorragenden und vielschichtigen Gitarrenarbeit liegt. Düster, melodisch und trotzdem bissig verbindet das Duo schwedisch geprägten Black Metal mit genug Eigenständigkeit und Atmosphäre. Etwas weniger Wiederholung und mehr Variation bei den Vocals hätten einigen Nummern gutgetan, während „Rest in the Arms of the Dragon“ eindrucksvoll zeigt, welches Potential in CON steckt. Ein durchwegs starkes Release, das vor allem Freunde anspruchsvoller Gitarrenarbeit begeistern dürfte.
Punkte:
Autor: Nicki
