DUIR – Catarsi (2026)

Band: DUIR
Album: Catarsi
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: AOP Records

Trackliste:
01. Manifesto
02. Di nessuno
03. Impeto
04. Della notte
05. Del giorno
06. Oltre l’alba

Seit 2013 arbeiten DUIR aus Verona an einer Verbindung aus Black Metal und Folk. Auf das selbstveröffentlichte Demo Tribe von 2014 und die EP Obsidio von 2018 folgte 2022 mit T.S.N.R.I. – Impermanenza das erste Album, auf dem sich die Band stärker dem melodischen und atmosphärischen Folk Black Metal zuwandte. Mit Catarsi folgt nun das zweite Full-Length und zugleich das Debüt bei AOP Records. Sechs Stücke beschäftigen sich mit dem Ersten Weltkrieg und den psychischen Folgen für einen jungen Soldaten. Flöte, Drehleier und vor allem Dudelsack treffen dabei auf Atmospheric Black Metal – und werden zugleich zur auffälligsten Stärke wie zur größten Schwäche des Albums.

Die Folk-Instrumente bringen zweifellos Farbe in den ansonsten dunkelgrau verhangenen Black Metal-Kosmos. Die Drehleier legt mit ihrem rauen, gleichmäßig getragenen Klang eine archaische Grundierung unter die Gitarren. Der Dudelsack allerdings nimmt eine deutlich dominantere Rolle ein. Seine Klangfarbe ist nicht subtil und wird von DUIR häufig so weit in den Vordergrund gerückt, dass Gitarren, Schlagzeug und andere Instrumente an Wirkung verlieren. Was als Kontrast gedacht sein mag, entwickelt dadurch stellenweise einen fast aufdringlichen Charakter. Der Dudelsack prägt nicht nur die Atmosphäre, er überlagert sie.
Gerade dadurch entsteht ein ambivalentes Verhältnis zwischen den musikalischen Ebenen. Dort, wo die traditionellen Instrumente tatsächlich mit den Gitarren verschmelzen, besitzt Catarsi durchaus Reiz.
Tremolierende Gitarren und Blastbeats treffen auf folkloristische Melodien, langsamere Passagen öffnen den Klangraum und die italienischen Vocals fügen sich selbstverständlich in dieses Bild. Doch die Folk-Elemente werden nicht immer als Erweiterung der Komposition eingesetzt. Häufig wirken sie eher wie ein dominierendes Gestaltungsmittel, das über bereits bekannte Black-Metal-Strukturen gelegt wird. Die Instrumentierung sorgt damit für Wiedererkennungswert, ohne dass daraus zwangsläufig eine eigenständige kompositorische Sprache entsteht.
Das größere Problem liegt ohnehin im Songwriting. Die sechs Stücke bewegen sich über weite Strecken in einem ähnlichen Spannungsfeld aus Tremolo, Blastbeats, getragenen Melodien und den bereits erwähnte folkloristischen Elementen. Dynamische Veränderungen sind vorhanden, führen aber nicht immer zu einer wirklichen Entwicklung. Motive werden wiederholt, Passagen verlängert, Stimmungen ausgedehnt. Was anfangs noch atmosphärisch geschlossen wirkt, verliert dadurch zunehmend an Spannung. Das Interesse verflacht, weil die Musik zu selten mit neuen Ideen oder überraschenden Wendungen antwortet.
Auch die Produktion kann dieses Problem nicht vollständig auffangen. Zwar bleiben die einzelnen Instrumente grundsätzlich nachvollziehbar, doch gerade der dominante Dudelsack beansprucht häufig einen Raum, den die Gitarren und das Schlagzeug für die Entwicklung der Stücke benötigen würden. Die Rauheit des Sounds passt zum historischen und düsteren Grundton des Albums, verstärkt aber gleichzeitig den Eindruck einer Musik, die ihre wenigen zentralen Ideen sehr lange ausstellt.
Und damit stellt sich die entscheidende Frage nach der Eigenständigkeit: Die Eigenständigkeit von DUIR liegt vor allem in der Instrumentierung und deren konsequenter Einbindung. Musikalisch bewegen sie sich dagegen sehr deutlich in einem bereits etablierten europäischen Atmospheric-/Folk-Black Metal-Spektrum. Die Kombination aus Dudelsack, Drehleier, Flöte, italienischem Gesang und Black Metal ist markant genug, um die Band aus einem größeren Feld ähnlicher Veröffentlichungen herauszulösen. Kompositorisch sieht es jedoch anders aus. Abseits dieser Instrumentierung bleibt Catarsi stark an den bekannten Koordinaten des Genres verhaftet. Damit passt das Album perfekt in den Katalog von AOP, hinterlässt aber dennoch eine gewisse Enttäuschung. Die Musik besitzt Atmosphäre und handwerkliche Sicherheit, entwickelt daraus aber zu selten eigene melodische oder strukturelle Ideen.

Fazit:
Catarsi bietet atmosphärischen Black Metal, Folk-Elemente, lange Kompositionen, melancholische Melodien und eine klare Verankerung im europäischen Underground. Auch das Konzept rund um den Ersten Weltkrieg gibt dem Album eine eigene thematische Richtung. Musikalisch aber reicht das nicht aus, um aus einer gelungenen Kombination eine wirklich eigenständige Sprache zu formen. Die Folk-Instrumente geben DUIR ihr unverwechselbares Gesicht – teilweise aber zu aufdringlich. Dahinter bleibt ein Songwriting, das zu gleichförmig ist und zu wenig eigene Akzente setzt. Catarsi ist damit ein solides, atmosphärisch schlüssiges Album mit einer interessanten Instrumentierung, aber kein Werk, das sich nachhaltig aus dem Genre herausarbeitet.

Punkte:

Autor: distelsøl