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Interview mit LIFE UNDYING

28. August 2026 Interviews

  1. LIFE UNDYING ist ein neues Post Metal-/Blackgaze-Projekt von dir. Du kommst von SILENZER, das sind musikalisch doch durchaus unterschiedliche Planeten. Wie hat sich für Dich diese Entwicklung vom Metalcore von SILENZER hin zu der atmosphärischen, etwas melancholischen, auch stimmungsmäßig komplexen Musik von LIFE UNDYING vollzogen?

    Das Ding ist: obwohl ich in SILENZER war und dadurch Metelcore gespielt hab, hab ich die Musik nie aktiv gehört. Ich habe immer schon die Musik, die ich jetzt mit LIFE UNDYING mache, gehört und gefeiert und war auf solchen Konzerten aber eigentlich nie auf Metalcore-Konzerten. Es ist also eine natürliche Entwicklung.
    Ich war immer gerne in SILENZER, habe auch immer gerne Metalcore gespielt, aber es war halt einfach nie das, was ich als „meine“ Musik bezeichnen würde.
    Und mit LIFE UNDYING habe ich dann einfach den Wunsch, diese Musik auch selbst zu machen, verwirklicht.
  2. Wer waren und sind deine großen Helden in der Musik?

    Im Grunde muss ich sagen, da findet man eigentlich relativ viel in Österreich. HARAKIRI FOR THE SKY und ELLENDE klarerweise, oder auch KARG zum Beispiel oder international gesehen große Bands wie DEAFHEAVEN oder was ich sehr mag, ist MØL, aus Dänemark.
  3. Gibt es auch Einflüsse, die vielleicht überraschend oder irgendwie schräg sind?

    Ich glaub tatsächlich schon. Ich bin ein großer Liebhaber von Low-Fi Hip Hop! Also gemütlichen Hip-Hop meistens sogar ohne Vocals, den man so als Hintergrund-Fahrstuhlmusik bezeichnen könnte. Das liebe ich, das hör ich einfach jederzeit gerne, das könnte den ganzen Tag hören. Es ist jetzt nichts, was ich als active listening bezeichnen würde, aber ich liebe das und eventuell ziehe ich sogar auch ein bisschen Einflüsse daraus, gerade in den ruhigeren Passagen.
  4. Schauen wir nochmal kurz zurück. Du bist Ende 2024 bei SILENZER ausgestiegen, war da für Dich schon klar, dass Du jetzt was Eigenes machen willst?

    Ja, das war damals schon klar. Ich bin damals raus von SILENZER und wollte ein bisschen Pause vom live spielen und von den Verpflichtungen, die dann eben mit einer Band, mit der viel weiter gegangen ist, gegeben sind. Ich wollte zumindest temporär von den Verpflichtungen weg, ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, mich wieder zu sammeln. Das war LIFE UNDYING mit dem Songwriting. Die Songs sind in dieser Zeit entstanden und waren für mich auch dann in irgendeiner Form Therapie, muss ich ehrlich sagen. Es war also ein fließender Übergang.
  5. Was macht LIFE UNDYING aus, was sind die wichtigsten Unterschiede zu anderen Bands?

    Der Unterschied zu vielen anderen Bands – das kommt vielleicht von SILENZER – sind die Clean Vocals und ich damit versuche Melodien und Chorus reinzubringen, die gut hörbar sind, die sofort ins Ohr gehen. Ich glaub, das macht es einzigartig, dass es eben auch die harten Passagen gibt und Blastbeats aber es mit den cleanen Vocals auch sehr abwechslungsreich ist. Und ich mach das auch gern, clean Vocals mit hinein zu nehmen.
  6. Wie schaut denn bei Dir der kreative Prozess aus? Wo fangt die Idee an, wie kommt es zu einem fertigen Stück?

    Es ist lustig, ich bin da – glaub ich – ein bisschen unüblich, ich bin da relativ strukturiert in meiner Vorgehensweise. Ich bin wirklich so, dass ich sage, ich gehe um diese Zeit einen Song schreiben. Ich blockiere mir dann meistens ein paar Stunden, setze mich hin, überlege mir ein Thema und wie sich der Song anfühlen soll und lege dann in meinem Kopf und dann tatsächlich auf Papier die Struktur des Songs fest, in all seinen Teilen. Dann arbeite ich den Song – nachdem ich die Lyrics geschrieben hab, die gibt es meistens vorher schon – Part für Part ab, von Intro bis Ende. Ich schau auch, dass ich – und das ist ein Tipp, den ich jedem geben kann – den Song von Start bis Finish einmal grob fertig schreibe. Wenn einmal ein Song in seiner Struktur fertig ist, dann legt man den nicht mehr weg. Wenn man Songs immer nur in Teilen schreibt, dann ist das unsicher, wann setzt man sich wieder hin? Und er wird wieder nicht fertig. Aber wenn der Song einmal besteht, auch wenn nur eine einfache Gitarrenspur und eine schlechte Drumspur ist, dann ist er fertig und man bleibt auch dran.
  7. Dann geht es nur noch um den Feinschliff? Wann weißt Du, dass der Song jetzt fertig ist?

    Ja genau, dann geht es nur um den Feinschliff und das können dann durchaus noch relativ viele Sitzungen werden. Es ist im Grunde eine Gefühlgeschichte. Wenn sich der Song für mich richtig anfühlt und ich fühle jeden Teil, so wie ich ihn fühlen will: Dann ist er fertig. Das betrifft sowohl das Songwriting als auch das Mixing. Beim Songwriting ist es so, dass ich weiß, der Song ist fertig, wenn er sich so anfühlt und beim Mixing, weiß ich, dass der Song auch so wirkt, wie er wirken soll.
  8. Du hast also eine Vorstellung davon, wie der Song klingen, wie er wirken soll. Wie gehst Du das Mixing an?

    Tatsächlich relativ ähnlich wie beim Songwriting. Sobald ich die Vision von Song habe, das heißt, dass der Song zumindest von vorne bis hinten steht und in irgendeiner Form aufgenommen ist, habe ich dann auch relativ bald im Kopf wie der Song klingen und wirken soll. Beim Mix selbst gehe ich schon – wie beim Songwriting auch – schon noch ziemlich noch Gefühl vor. Wenn ich einen Part habe, der majestätisch klingen soll, dann weiß ich auch, wo ich mit dem Mixing hin will. Wenn er roh klingen soll, weiß ich auch, was ich tweeten muss, damit das so klingt. Das Mixing ergibt sich also auch wieder aus dem Gefühl, das ich in dem Song haben will.
  9. Dein Vorgehen klingt einerseits kalkulierend, Du hast es strukturiert genannt, wo Du ein sehr klares Vorgehens hast und am Ende der ganze Song in seiner Struktur steht. Dann aber wird es offen für die Emotion und das Gefühl, das entstehen soll?

    Ja, das ist wichtig. Man kann kreative Prozesse nicht an fixen Parametern messen, wo man sagen könnte, dieser Song ist jetzt fertig, weil Parameter A erfüllt ist.
  10. Ja, genau, darum war ich überrascht, dass Du gesagt hast, Du gehst so strukturiert vor.

    Ja ja, genau. Aber es geht halt nicht, deshalb geht diese fixe Struktur irgendwo dann auch über ins rein Kreative, wo ich versuche den Song zu dem Bild zu bringen, das ich in meinem Kopf habe. Sobald die Struktur steht, alle Instrumente aufgenommen sind und auch die Vocals, geht es in diesen kreativen Prozess über.
    Und das ist dann schräg, weil an sich fang ich ja strukturiert an und kann so den Song einmal in einem Satz schreiben. Uns so könnte es theoretisch sein, dass ich einen Song in einer Sitzung fertig mache. Es kann aber auch gut sein, dass ich dann am Schluss der Sitzung da sitze und mir denke „Nein! Es wirkt noch nicht. Dieser Teil ist noch nicht cool. Dieser Teil soll so klingen…“ Und dann sitze ich im Endeffekt trotzdem noch mal fünf Mal, zehnmal am Song.
    Das dauert schon noch einmal ein, zwei Monate, bis er fertig ist. Ich denke, das kann man in einem kreativen Schaffensprozess nie 100%ig abschätzen und ich finde das gehört auch einfach dazu. Das ist voll in Ordnung so.
  11. Du hast bereits von den Texten gesprochen. Deine Texte sind an manchen Stellen introspektiv, aber es geht auch um Natur, Umweltzerstörung und -schutz. Sind das Themen, die Dich ganz persönlich beschäftigen und wo der Text dann einfach eine Ausdrucksmöglichkeit ist oder geht es Dir auch um die Botschaft?

    Beides. Es ist für mich ein Ventil, Dinge loszuwerden, aus dem Kopf zu bekommen, die mich beschäftigen. Meistens, wenn ein Text entsteht, ist das gerade ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt und der Text ist dann auch recht schnell niedergeschrieben. Andererseits finde ich aber auch, dass es – gerade bei diesen Themen, bei Umweltschutz und Umweltzerstörung – wichtig ist, mit einer Message rauszugehen und zu zeigen, dass ich dafür eintrete. Dabei bin ich froh, dass ich mit meiner Musik da auch ein Ventil dafür habe. Ich beschränke mich nicht auf diese Themen, aber es ist mir durchaus wichtig, dass LIFE UNDYING dafür steht
  12. Wenn du jetzt an die Hörer Deiner Musik denkst, was ist Dir da wichtig, was soll sie erreichen?

    Die Leute sollten, wenn Sie meine Musik hören, ein Gefühl empfinden. Das ist mir persönlich das Wichtigste. Ich finde Musik erreicht nur dann, wenn man sie auch fühlt. Was, das hängt vom Song ab, von der Person und von der Stimmung. Aber das ist für mich das Kriterium für meine Songs: ich will, dass die Leute etwas fühlen. Natürlich hoffe ich immer, dass es auch mit den Lyrics zusammenhängt. Wenn ich jetzt zum Beispiel in „Drown of Rivers in Tears“ über Umweltzerstörung singe und das Mutter Natur maximal unglücklich ist mit dem, was der Mensch mit ihr anstellt, dann hoffe ich natürlich, dass diese Message bei den Leuten ankommt und dass die Leute diese Message auch fühlen. Das ist immer so mein Ziel.
    Wenn ich das Feedback bekomme, dass ein Song nichts auslöst, dann habe ich keinen guten Song geschrieben oder produziert.
  13. Kommen wir zur Bildsprache. Du hast drei Videos gemacht und jedes Video ist völlig anders. Das finde ich spannend, ich lasse mich gern überraschen, aber was ist hier Dein Ansatz, der Impuls oder die Inspiration, ein Video genau so zu machen?

    Die Videos sind tatsächlich als schnelle Ideen entstanden, die ich dann festgehalten habe und die dann auch mit dem jeweiligen Song zusammengepasst haben. „Flowers of Concrete“, das neueste Video ist ein introvertierter Song, da hat ein intimes Video gepasst. Die Idee mit den Lyrics auf dem Körper, die ist ganz am Anfang vom Songwriting-Prozess schon da gewesen. Nach ein paar Monaten habe ich mir dann gedacht, jetzt frage ich mal den Simon (Anmerkung: Simon Kuro, -> LINK), der das Video gemacht hat, ob er sich die Idee irgendwie vorstellen könnte. Eigentlich habe ich im Kopf gehabt „Ach, ist nicht cool genug“ aber er hat gemeint „Ja, machen wir!“ und damit war es beschlossen.
    Und bei den anderen Songs hat es sich irgendwie ergeben. Bei „Like A Bird in Rain” hatte ich die Idee auf den Berg zu gehen, das hat sich aus den Lyrics ergeben und sich natürlich angefühlt. Und bei „Bury It Next To Me When I’m Dead” wollte ich was Rohes, weil der Song auch relativ roh ist und ich wollte es auch selbst machen. Ich bin absolut kein professioneller Videograf, ich bin sowohl in meinem Können, als auch in den Mitteln limitiert, darum wusste ich, dass es ein simples kreatives Konzept sein muss, dass sich auch ich umsetzen kann. Daher kam dann die Idee mit den festen Einstellungen zwischen denen es immer hin- und her switcht.
  14. Da Du ja aus einer Band kommst: Hattest du seitdem Du alleine arbeitest, das Gefühl gerne so etwas etwas wie einen Sparringpartner zu haben, jemanden mit dem Du Dich im kreativen Prozess austauschen oder vielleicht auch reiben könntest?

    Mittlerweile ziemlich oft sogar. Am Anfang war ich froh einfach einmal mein Ding zu machen und das fühlt sich auch sehr gut an, wenn man in seinem kreativen Schaffen keine Limitierung hat und sein Ding durchziehen kann. Ich hole mir wohl gern Feedback ein, aber die Entscheidung treffe dann ich. Mittlerweile bin ich aber wieder an dem Punkt, wo ich mich in meinem Schaffen etwas allein fühle und könnte mir schon vorstellen, eventuell, wenn es denn passt mit anderen fix zusammenzuarbeiten, als fixer Bandkollege oder auf anderer kreativer Ebene. Ja, das könnte ich mir durchaus schon vorstellen. Es geht mir mittlerweile schon etwas ab. Es gibt zu Allem Pros und Cons und das ist auch da so.
  15. Du spielst ja derzeit alle Instrumente. Hast Du vor LIFE UNDYING irgendwann auch auf eine Bühne zu bringen?

    Ja! Ich bin tatsächlich jetzt aktiv dabei Musiker zu suchen mit denen ich das live spielen kann. Ich möchte aber sicher gehen, dass das wirklich passt, dass die Leute das wollen, dass sie die Musik mögen und das ist wirklich Bock haben da was zu machen. Deswegen nehme mir bewusst jetzt die Zeit und habe auch noch keine Dates gebucht, da bin ich ganz offen. Ich möchte wirklich Leute finden, mit denen es passt. Sobald ich das habe, möchte ich dann auch relativ bald einmal auf die Bühne. Ich habe so in meinem Kopf, wann das ungefähr sein sollte und habe mir ein Ziel gesteckt, das möchte ich aber noch nicht sagen. Ich bin jetzt also aktiv dabei, die Leute zu suchen und freue mich wirklich sehr darauf, es dann gut auf die Bühne zu bringen.
  16. Du hast derzeit vier Songs veröffentlicht, arbeitest aber wahrscheinlich permanent an neuem Material, gibt es eine EP oder wird es ein ganzes Album?

    Es ist tatsächlich schon einiges fertig und es wird ein ganzes Album. Es wird noch eine Single geben, die Anfang August veröffentlicht wird und am 25. September kommt das Album Mourn, was so viel wie Trauer oder Betrauern heißt und ganz gut zum Stil und lyrischen Thema vom Album passt.
  17. Wenn Du weiter in die Zukunft schaust? Was ist Dein nächstes größeres Ziel abgesehen von der Veröffentlichung des Albums?

    Das nächste größere Ziel ist es, eine gute Band zusammenzustellen und es auf die Bühne zu bringen. Ich bin jetzt wieder an dem Punkt, wo ich richtig Bock darauf habe und ich freue mich auch darauf, einmal die Möglichkeit zu haben zu singen. Bis jetzt war ich ja immer nur Background-Sänger. Es war schon mein Wunsch irgendwann mein eigenes Projekt als Sänger zu haben. Darauf freue ich mich riesig.
    Und auch mit liebenswerten Leuten unterwegs zu sein, auf irgendwelchen Autobahnen und Raststätten und vielleicht auch an schönen Orten. Da freue ich mich jetzt wirklich schon sehr darauf.
  18. Zum Abschluss: welche Frage wurde Dir noch nie gestellt, die Du aber immer schon gern beantwortet hättest?

    (lacht) Star Wars oder Herr der Ringe?
  19. Okay, also: Star Wars oder Herr der Ringe?

    Herr der Ringe – das ist viel besser! (lacht)
  20. Was macht Herr der Ringe für Dich besser als Star Wars?

    Viel bessere Dialoge, generell gute Filme: Es gibt drei gute und nicht drei gute und sechs schlechte. Und: ich fühl’s.
  21. Wenn man das jetzt mit Deiner Musik vergleicht, Star Wars würde ich in Deiner Musik überhaupt nicht sehen, das Auenland durchaus: es geht um Natur, es geht um Verbundenheit…?

    Ja, jetzt wo Du es sagst: da könnte ich einmal etwas daraus ziehen. Ich könnte mich an SUMMONING orientieren und ein Herr der Ringe-basiertes Album machen. Das wäre auch einmal was. Danke für die Idee! (lacht)
  22. Hast Du einen Lieblingscharakter?

    Lass mich überlegen. Ja, tatsächlich. Wen ich immer sehr amüsant und wundervoll cool finde, ist natürlich Gimli. Der gute Comic-Relief aus Herr der Ringe, das liebe ich. Leider sehr unterrepräsentiert die Zwerge, zumindest in der Trilogie. Genau deswegen auch.
  23. Das heißt Du hast auch ein Faible für die Underdogs?

    Ja! Immer! Auf jeden Fall.

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