UKĆ – Anomalie – Upadek konającego ćwierćwiecza (2026)

Band: UKĆ
Album: Anomalie – Upadek konającego ćwierćwiecza
Genre: Progressive Black Metal
Label: Via Nocturna

Trackliste:
01. Upadek konającego ćwierćwiecza
02. Anomalie
03. Nieobecność
04. Ślepe uszy
05. Mętne słońce
06. Czyściec
07. Odmęty
08. W ciszy

Polnischer Black Metal steht häufig für erdige, schwere Songs, mit ritualhafter Dramaturgie, bedrückender Atmosphäre und existenziellen Motiven. Auch UKĆ, Solo Projekt des vielbeschäftigten Drummers Łukasz „Icanraz“ Sarnacki, steht in dieser Tradition, geht aber darüber hinaus. Black Metal stellt den emotionalen und ästhetischen Ausgangspunkt für etwas Eigenständiges dar. Die Schwermut, die spirituelle Suchbewegung und die Bereitschaft, stilistische Grenzen zu überschreiten ermöglichen auch Verletzlichkeit, persönliche Texte und progressive Elemente stärker zu betonen als klassische Härte. Mit Anomalie – Upadek konającego ćwierćwiecza liegt nun das zweite Album des seit 2022 bestehenden Projekts vor.

Nach Jahrzehnten als Schlagzeuger gründete Sarnacki 2022 das Soloprojekt UKĆ und verließ damit erstmals die Rolle des Instrumentalisten im Hintergrund. Statt „nur“ Drums einzuspielen, übernahm er nun sämtliche Instrumente, den Gesang, das Songwriting, die Texte und große Teile der Produktion selbst. So ein Schritt bietet zweifellos die Möglichkeit, seine musikalischen Vorstellungen ohne Kompromisse umzusetzen. Darüber hinaus aber entsteht beim Hören der Musik der Eindruck der Selbstöffnung, Introspektion und Reflexion, und damit einer subjektiv-emotionalen Tiefe, wie es wahrscheinlich nur bei einem Soloprojekt möglich ist.
Anomalie – Upadek konającego ćwierćwiecza wirkt wie eine Wanderung im warmen Sommerregen kurz vor Sonnenuntergang, durch Wälder, über Lichtungen, die Luft ist klar, stellenweise mit erdigem Geruch, aber man bleibt allein – eine Begegnung nur mit sich selbst. Gelegenheit zur Ruhe zu kommen. Der warme, aber klare Sound der Produktion unterstützt diesen Eindruck und lädt die Hörerin ein, sich auf den Weg zu machen. Die atmosphärisch dichten Songs behandeln wohl Motive Verlust, Stille, Einsamkeit. Der Untertitel ‚Niedergang eines sterbenden Vierteljahrhunderts‘ klingt nach Rückblick, nach persönlicher Bilanz und Bestandsaufnahme. Entsprechend entfaltet sich die Musik nicht als Sammlung einzelner Songs, sondern als zusammenhängender Strom aus Erinnerungen, Zweifel und innerer Erosion. Obwohl Sarnacki aus dem Black-Metal-Umfeld stammt, verweigert sich UKĆ fast jeder stilistischen Festlegung. doomhafte Schwere, progressive Rockstrukturen, atmosphärische Metal-Elemente und vereinzelte Anklänge an Black Metal existieren nebeneinander, ohne sich jemals festzulegen. Wie der innere Prozess der Erkenntnis und die Kraft, die sich aus kontemplativen Schweigen ergibt, den inneren Aufbruch ermöglicht, entwickelt sich die Musik, die unterschiedlichen Elemente fein verwebend, selbstverständlich und organisch.
Diese Entwicklung, dieser Spannungsbogen, ist ein wesentlicher Teil der hohen Qualität des Albums und gleichzeitig auch das mögliche Hindernis in der Rezeption. Das Album funktioniert nur in seiner Gesamtheit – die einzelnen Songs bieten kaum Hooks, kaum die hervorstechenden Besonderheiten, die sofort Aufmerksamkeit erregen. Ungeduldige Tradtionalisten des Black Metal werden sich uninteressiert abwenden. Hörerinnen, denen enge Genregrenzen gleichgültig sind, die Musik als Erfahrungsraum verstehen, werden ihre Freude haben.

Fazit:
Anomalie – Upadek konającego ćwierćwiecza ist kein Black Metal-Album – Black Metal ist lediglich Ausgangspunkt und atmosphärischer Schatten, während sich die Musik über Genregrenzen hinaus bewegt: atmosphärisch, intensiv, persönlich. UKĆ ist nicht orientierungslos oder auf der Suche nach Identität, sondern entfernt sich bewusst von den einengenden Konventionen. Damit ist das Album ein Hörtipp für Hörerinnen, die die Offenheit mitbringen, Musik als Erfahrungsraum verstehen und sich auf Anomalien einlassen wollen.

Punkte:

Autor: distelsøl