THRONE OF EVIL – La Noche Más Oscura (2026)

   

Band: THRONE OF EVIL
Album: La Noche Más Oscura
Genre: Black Metal
Label: Schattenkult Produktionen

Trackliste:
01. Gnosis prohibida
02. Return to Nigredo
03. Sombra
04. Conmoción en el mundo
05. El cenit del conocimiento
06. Destinos
07. Death Trip to a Miracle
08. Transmutación

Black Metal aus Chile ist schon seit Jahren fester Bestandteil der Szene und liefert immer wieder Überraschungen. So ist es nicht verwunderlich, dass die dreiköpfige Atmospheric-Black-Metal-Partie THRONE OF EVIL mit ihrem dritten Studioalbum La Noche Más Oscura erneut einen Brecher liefert, bei dem viele Vertreter aus den klassischen Black-Metal-Nationen vor Neid erblassen dürften.

Unbarmherziges Riffing, geniale Songstrukturen und die ein oder andere hervorragend gesetzte Klanglandschaft bringen bereits ab Track 1, „Gnosis prohibida“, Düsternis, Stimmung und ein einzigartiges Klangbild. Genial gesetzte Shrieks, ein großartiges Solo und eine hervorragende Basslinie machen nach dem Opener bereits wirklich Lust auf mehr. Die Nummer zwei des insgesamt acht Tracks starken Longplayers, „Return to Nigredo“, wartet mit mittlerem Tempo und tiefschwerer Atmosphäre auf. Der ein oder andere Ausbruch im Marschtempo erzeugt das Gefühl brachialer Schwere und tödlicher Kälte, während die Gitarren fast schon ritualartig reißen und die unbarmherzige Stimme in hexischem, beinahe beschwörendem Tonfall über allem keift. Die Leadarbeit ist auch hier wieder hervorragend und kommt durch die ein oder andere Bridge sowie ein gut gesetztes Solo eindrucksvoll zum Tragen. „Sombra“ tanzt etwas aus der Reihe, denn hier wird zum ersten Mal ordentlich Tempo gemacht. Das Gerumpel, welches durch das Tremolo entsteht, will nicht ganz zur feinen Arbeit der Leads aus den Vorgängern passen, wobei die fast schon gesprochenen Clean Vocals der Nummer eine gewisse Individualität verleihen und dafür sorgen, dass sie sich thematisch dennoch sauber in den Albumkontext einfügt. Schöne Klanglandschaften, 300er-Blasts und eisige Kälte bieten sowohl „Conmoción en el mundo“ als auch „El cenit del conocimiento“. Beide Nummern setzen wieder stärker auf Tempo und Tremolo anstatt auf große technische Finesse. Das bedrückende Soundbild und die feierlich triste Grundstimmung entstehen hier vor allem durch das Spiel mit dem Tempo, die gesprochenen Elemente sowie die diversen Takt- und Tempowechsel. Das ein oder andere starke Leadelement ist jedoch auch hier vertreten und sorgt dafür, dass sich beide Nummern nahtlos in den Albumkontext einfügen. Technischer und melodischer wird es in „Destinos“. Die stärkste Nummer der Platte sorgt nicht nur für eisig kalte Stimmung und bedrückende Atmosphäre. Die hervorragend gesetzte Basslinie verleiht Tiefe, während die Dissonanz zwischen dem ruhigen Gesang und dem reißenden Tempo der Instrumentalistik dem Track eine besondere Eigenständigkeit, Individualität und ein einzigartiges Klangbild verleiht. Ein Muster, das funktioniert und sich auch in der vorletzten Nummer, „Death Trip to a Miracle“, fortsetzt, auch wenn die Umsetzung hier nicht ganz so gelungen ausfällt wie in „Destinos“.
Der Closer „Transmutación“ überrascht. Erwartet man hier doch noch einmal Geballer aus allen Rohren, so ist man umso erstaunter, dass ein ruhiges instrumentales Interlude die durchaus gelungene Platte abschließt.

Fazit:
La Noche Más Oscura ist ein starkes, atmosphärisch dichtes und hervorragend aufgebautes Black-Metal-Album, das einmal mehr zeigt, dass Chile längst nicht mehr als Randnotiz der Szene betrachtet werden sollte. THRONE OF EVIL verbinden brachiale Kälte, starkes Riffing und durchdachte Klanglandschaften zu einem Werk, das klassisch schwarzmetallisch peitscht, dabei aber nie in stumpfer Nostalgie versinkt.
Gerade die Mischung aus eisiger Raserei, ritueller Schwere und melodischer Feinarbeit macht die Platte stark. Nicht jeder Moment trifft mit derselben Wucht, doch wenn THRONE OF EVIL ihr volles Potenzial ausspielen, entsteht ein Klangbild, das finster, eigenständig und mächtig wirkt. La Noche Más Oscura ist damit ein klarer Beweis dafür, dass Atmospheric Black Metal aus Chile problemlos mit den klassischen Nationen des Genres mithalten kann.

Punkte:

Autor: Nicki