THE LAST KNELL – Præterhuman II: Apokathistemi (2026)

   

Band: THE LAST KNELL
Album: Præterhuman II: Apokathistemi
Genre: Black Metal
Label: Schattenkult Produktionen

Trackliste:
01. I Am The Will Of Death
02. The Unfathomable Night Sky
03. The One Who Judge All Of The Earth
04. Those Wandering The Misty Forest For Eternity
05. Inhuman Transmutation II (Through The Spectral Veil Of Fear)
06. Spheres of Lava
07. Autarkic God (Wrough By The Shadows Of The Wise)
08. Theikos

THE LAST KNELL ist eine 2003 in Santiago de Chile gegründete Black-Metal-Band, deren Musik sich von rohem Underground-Black-Metal hin zu einer atmosphärischen, metaphysisch geprägten Klangsprache entwickelt hat. Besonders die neueren Werke der „Præterhuman“-Reihe verbinden hypnotische Tremoloriffs, sakrale Synthflächen und eine ferne, kalte Produktion. Anfang Mai wurde der zweite Teil der Reihe mit dem Titel Præterhuman II: Apokathistemi veröffentlicht. Das Werk führt die auf dem Vorgänger angelegte Idee eines spirituell aufgeladenen, philosophisch grundierten Black Metal weiter und bewegt sich konsequent weg von bloßer Aggression hin zu einer fast liturgischen Form von Dunkelheit. Bereits die Titel deuten an, dass hier nicht Pose, sondern metaphysische Entgrenzung das eigentliche Zentrum bildet.

Ein mächtige Synthie-Wand, Sound-Effekte gefolgt von schweren Gitarren eröffnen das Album. Keine Spur von Annäherung, von Einladung, sondern wie im Fall landet man in Præterhuman II: Apokathistemi. Von Anfang hat man damit zu tun, sich zu orientieren, wird nahezu überrollt und kann sich gerade noch auf den Beinen halten, wenn Songs wie „The Unfathomable Night Sky“ mit übermächtigen Gitarren über einen herfallen. Die gnadenlos gedroschene Snare-Drum stellt einen willfährigen Helfer dar. Das heisere Krächzen der Vocals unterstreicht den Gesamteindruck der kalten, entfernten, anklagend-aggressiven Stimmung. Die Synths bilden dazu gelegentlich einen Kontrast, wenn sie sich zu traumartigen Flächen entwickeln. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen orthodoxem Black Metal, atmosphärischer Weiträumigkeit und mitunter deathmetallischer Schwere. Wobei es eine Weile dauert bis sich im Laufe des Albums ein konsistenten, organisches Ganzes entwickelt. In „Those Wandering The Misty Forest For Eternity“ fügen sich die treibenden Drums, die gleitenden Synths und kreisenden Riffs erstmals stimmig in einer Melodielinie ineinander. Das Album lebt von Beharrlichkeit. Viele Passagen wirken wie endlose Kreisbewegungen um denselben Mittelpunkt, das kann mitunter faszinieren und tranceartige Wirkung entfalten, erzeugt aber auch Monotonie. THE LAST KNELL scheinen bewusst klassische Spannungsbögen zu vermeiden, um einen eigentümlichen Schwebezustand im kalten Raum zu bewahren, eine frostige Distanz, umgeben von brutalen Klängen. Erst gegen Ende hin, wird es harmonischer, einladender, melodiöser und atmosphärischer. So ist „Autarkic God (Wrough By The Shadows Of The Wise)“ der Höhepunkt, der Blastbeats, sphärische Synthflächen und knackige Riffs vereint.
Die Band setzt also auf lange Tremoloriff-Ketten, kontrollierte Blastbeats und bewusst reduzierte melodische Variationen. Die Kompositionen vermeiden jede Form technischer Selbstdarstellung, im Gegenteil wird mit minimalen Veränderungen innerhalb repetitiver Strukturen gearbeitet. Das ist manchmal durchaus wirkungsvoll, an einigen Passagen jedoch fehlt die nötige Prägnanz, um dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Die Produktion unterstützt die entrückte Atmosphäre wirkungsvoll, wirkt über Strecken aber zu blechern, wodurch gewisse Details im Klangbild verloren gehen. Insgesamt hat die Produktion einen gewissen DIY-Charme.

Fazit:
Præterhuman II: Apokathistemi ist ein solides und konzeptionell geschlossenes Album, das besonders Hörer ansprechen dürfte, die Black Metal mit Death Metal-Einflüssen mögen und frostige Distanz zu schätzen wissen. Das Album gewinnt im Laufe der Spielzeit an Komplexität und Tiefe, was bleibt sind aber die recht gleichförmigen Strukturen und die Dramaturgie. Die Hörerin beendet den Hördurchgang unter dem Eindruck eines langen, kalten Blicks in die Leere – es kann faszinieren, aber nicht durchgehend fesseln.

Punkte:

Autor: distelsøl