UNVIÂR – Disglaç (2025)

 

Band: UNVIÂR
Album: Disglaç
Genre: Black Metal
Label: Aeternitas Tenebrarum Musicae Fundamentum

Trackliste:
01. Nevere
02. Corints
03. Disglaç
04. Ritîr
05. Sul Ôr

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass UNVIÂR mit Faliscjis eine erste, durchaus überzeugende, EP vorgelegt hat (Review: Unviâr – Faliscjis). Ende November 2025 war es dann soweit: das Quartett aus Friaul-Julisch Venetien veröffentlicht das lang erwartete Debüt-Album Disglaç, beim regionalen Black Metal-Label Aeternitas Tenebrarum Musicae Fundamentum. Es bietet 5 Songs und eine Gesamtlaufzeit von 45 Minuten.

Die vier Musiker*innen von UNVIÂR sind ihrer Heimat Friaul offensichtlich sehr verbunden, beschreiben sie die Band doch als „Ode an unsere Heimat, an ihre Menschen, ihr Leben und an ihre Erinnerungen an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ und nutzen für die Lyrics die regionale Sprache Friulanisch.
Musikalisch eröffnet sich eine atmosphärische, dynamisch zwischen zarten Akustikpassagen und rustikalen, rohen Abschnitten changierende Klangwelt. Feine Melodielinien wirken verbindend, trockene Drums und der pulsierende Bass geben Halt und Struktur. Die Vocals zwischen heiserem, aber nie krächzendem, Keifen, reihen sich harmonisch ein, oft im Duett mit den Tremolo-Riffs. Sparsam aber punktgenau eingesetzte Streicher erweitern den Klang um eine melancholische Schicht. Die Songs entwickeln sich fließend, wie das Wasser unter der eisigen Oberfläche eines Berg-Sees im Winter. Gerade in diesen Bewegungen zeigt sich die Stärke des Albums. Ein Riff zunächst wie eine entfernte Silhouette, das später Kontur gewinnt und sich schließlich wieder auflöst. Tempowechsel, Veränderung des Rhythmus bilden dynamische Akzente, sodass die Songs, die allesamt deutlich mehr als 7 Minuten dauern aber nie zu langatmig werden. Im Gegenteil, die zyklische Logik verleiht der Musik eine eigenartige Zeitlichkeit, die ganz ohne dramatische Übersteigerung auskommt.
Gerade bei Fans von starken Bildern und dichter Atmosphäre wird das verfangen und gefallen. Dennoch sei angemerkt: auf die Strecke eines Albums, fehlen die überraschenden Akzente, fehlt das Funkeln des Eises – es bewegt sich musikalisch innerhalb der etablierten Strukturen und des ästhetischen Ansatzes des Genres. Wer Songs mit stärkerer Dramaturgie sucht, wird weniger erfreut sein.

Fazit:
Disglaç glänzt durch Atmosphäre, zurückhaltend, ganz ohne Spektakel, lädt es die Hörerin ein, in seine Landschaft einzutreten. Es entfaltet sich langsam, wie ein Wintermorgen, an dem das Eis auf dem See unter den ersten wärmeren Strahlen zu knacken beginnt. Langsam gibt es Konturen preis, lässt die Charakteristik des Friaul – zwischen Schroffheit und sanfter Ebene – zum Klang werden. Und wenn es endet, bleibt das Gefühl zurück, als habe man eine Weile im Frost gestanden und erst jetzt bemerkt, wie still die Welt geworden ist.

Punkte:

Autor: distelsøl