FALAND – Narbenvolk (2026)

Band: FALAND
Album: Narbenvolk
Genre: Black/Death/Doom Metal
Label: Pesttanz Klangschmiede

Trackliste:
01. Intro / Erwachen
02. Der Ruf des Raben
03. Der Wind der Hex
04. Maskaron
05. Gespalten
06. Trauerspiel
07. Zeit – Raubend

Das Quintett aus Sachsen hat bereits Erfahrung in anderen Bands gesammelt. Insbesondere seien die beiden Melodic Death-Formationen NORSEGOD und die 2018 aufgelösten SEELENSCHMERZ erwähnt. Die Annahme, dass FALAND nun ebenfalls Melodic Death machen wird, ist zwar naheliegend, aber auch ein Kurzschluss. Vielmehr versuchen die fünf Deutschen unterschiedliche Einflüsse zu einem stimmigen Ganzen zu verweben. Das erste Album Narbenvolk ist Ende Februar 2026 bei Pesttanz Klangschmiede erschienen und bietet mit 7 Tracks und über 51 Minuten Laufzeit einen Eindruck ihrer musikalischen Vision.

Wenn man das Bedürfnis hat, Bands und ihre Musik in Genreschubladen einzuordnen, wird es mit FALAND herausfordernd. Tatsächlich lassen sich unterschiedliche Einflüsse oder besser eine Vielfalt von Stilmittel erkennen. Hier gibt es galoppierende, nach vor breschende Elemente aus Death, die mit black-metal-artigen krächzend-kreischenden Vocals gekreuzt werden, wie in „Der Ruf des Raben„. Dort hört man tragende, zirkulierende Riffs aus Atmospheric Black, die von breit angelegten, folkig wirkenden Clean Vocals und akustische Sequenzen berührt werden, wie in „Der Wind der Hex„. Nicht zuletzt bieten die Deutschen auch schwerfällige, schwarz gefärbte Songs, wie „Maskaron„, die dann aber eine Wendung nehmen und deutlich dynamischer werden.
Gemeinsam ist allen Songs, dass sie sehr sauber umgesetzt sind – die fünf Herren, wissen was sie tun. Die Produktion ist weitgehend gut ausbalanciert, nur gelegentlich gibt es Passagen, wo das Klangbild etwas verwaschen wirkt und brummend an Tiefe verliert. Das Songwriting ist abwechslungsreich und es erstaunt mit welcher scheinbaren Leichtigkeit, unterschiedliche Stilmittel miteinander verwoben werden und ein konsistentes Bild ergeben. Dass vereinzelt die Übergänge, nicht ganz funktionieren, wie bspw. in „Gespalten“ ist mehr Mäkelei, als Kritik. Stärker ins Gewicht fällt, dass viele der Songs nicht unmittelbar verfangen und man sich erst mit mehreren Durchläufen einhören muss. Die Songs arbeiten häufig mit längeren Spannungsbögen und melodischen Leitmotiven. Diese Herangehensweise belohnt aufmerksames Hören, kann aber gleichzeitig für Ungeduldige eine gewisse Zugänglichkeit vermissen lassen. Ich mag es eigentlich, wenn Musik vielfältig ist und unerwartete Wendungen hat, aber mir fehlt die klare Entwicklung und dramaturgische Tiefe, Zuspitzung oder Verdichtung.
Trotzdem: es ist eine durchaus mutige Entscheidung, sich bewusst zwischen alle Stühle zu setzen und sein eigenes Ding zu machen. Genau das ist die Stärke von Narbenvolk, es ist kein „Trauerspiel„, was man hier zu hören bekommt.

Fazit:
Narbenvolk ist ein ambitioniertes Album, mit dem sich FALAND bewusst zwischen alle Stühle im stilistischen Feld zwischen (Atmospheric) Black, (Melodic) Death und Doom setzen. Über weite Strecken funktioniert das erstaunlich gut, gleichzeitig fehlt es stellenweise an einer dramaturgischen Verdichtung und klaren Höhepunkten. So bleibt ein Album, das ob seiner Vielfalt interessant ist und neugierig macht, wie sich FALAND weiter entwickeln.

Punkte:

Autor: distelsøl