KAUNIS KUOLEMATON – Kun valo minussa kuoli (2025)

Band: KAUNIS KUOLEMATON
Album: Kun valo minussa kuoli
Genre: Melodic Doom/Death Metal
Label: Noble Demon

Trackliste:
01. Kaiku
02. Merta
03. Kun Kyynelistä Muodostuu Meri
04. Rauniot
05. Maailman Ainut Ihminen
06. Kaipaus
07. Kun Valo Minussa Kuoli
08. Kuura
09. Aatos

KAUNIS KUOLEMATON stammen aus Hamina im äußersten Südosten Finnlands und bestehen seit 2012 ohne größere Besetzungswechsel – eine Seltenheit in der Metal-Szene und ein Grund für ihre stimmige, eingespielte Klangwelt, einen beständigen, melancholischen Sound zwischen melodischem Death und Doom, wobei das Gefühl zentraler ist, als Brutalität. Die Band hat sich über Jahre ein klares klangliches Markenzeichen erarbeitet: schwere, wohldosierte Riffs, ein Wechselspiel aus gutturaler Wucht und verletzlichem Clean-Gesang sowie ein Fokus auf dichte Stimmungen. Mit Kun valo minussa kuoli legen sie ihr fünftes Studioalbum vor.

Kun valo minussa kuoli wirkt wie ein langer Spaziergang durch neblige, finnische Wälder: nicht spektakulär in der Geste, aber in jeder Szene voller Details, die sich erst nach und nach offenbaren. Die Atmosphäre baut sich langsam auf. Oft beginnt ein Stück mit sparsamen Gitarren, dann legen Bass und Schlagzeug ein schweres, beständiges und tragendes Fundament, bis Melodien und Vocals den Klangraum füllen. Atmosphärisch entsteht so eine verletzliche Melancholie, aber ohne Drama.
Bereits im Opener „Kaiku“ tastet sich die Melodie langsam vor und entwickelt sich erst allmählich zu einer tragenden Linie. Neben dieser Langsamkeit sind es Kontraste, die den Songs Charakter verleihen, wie in „Kaipaus„, wo die klaren Gesangspassagen wie ein Fenster zur eigenen Verletzlichkeit wirken und die gutturalen, kreischende Vocals dem Song Energie und Kraft verleihen. Immer wieder treffen drückende Riffs auf eine fast hymnische Refrain-Passagen, dramaturgisch exakt gesetzt, aber dennoch ohne allzuviel Pathos. Diese Struktur lässt Tracks wie kleine Erzählungen wirken. „Kun Kyynelistä Muodostuu Meri“ oder der Titeltrack „Kun Valo Minussa Kuoli“ sind gute Beispiele dafür: fragile Momente brechen in eruptive, schwerere Passagen, bis die Melodie wieder Ruhe bringt. Mit breiten Lead-Linien und fast filmischen Aufbau bringen „Rauniot“ und „Maailman Ainut Ihminen“ Weite, ohne aber die Grundstimmung zu verlassen.
Es geht den Finnen offenbar nicht um große Überraschungen, stilistische Brüche oder gar Experimente. Es scheint ein gut ausgearbeitetes und vertrautes Rezept zu sein, dass kontinuierlich weiter verfeinert wird. Das aber hat eine Schattenseite: es wird auf der Strecke gleichförmig, zumindest, wenn man sich nicht die Zeit nimmt, um hin zu hören und so dem Emotionalen den nötigen Raum zu geben.
Die Produktion ist unaufdringlich, aber präzise: saubere Layer, ohne sie zu überfrachten. So bleiben kleine Details – ein Lead-Ton, ein zurückhaltendes Piano, eine Atempause im Gesang – nachvollziehbar und wirksam. Insgesamt entsteht der Eindruck einer gereiften Band, die ihren Stil verfeinert hat und ein Album abliefert, das bei wiederholtem Hören an Gewicht gewinnt.

Fazit:
Musik als habe man die finnischen Wälder eingefangen: kalt, weit, geheimnisvoll – und voller Geschichten. Kun valo minussa kuoli ist dicht und emotional. KAUNIS KUOLEMATON verfeinern ihre melancholische Soundsignature, irgendwo zwischen doomiger Schwere und melodischer Zartheit. Wer Abwechslung im Sinne von Stilbrüchen und Experimenten sucht, könnte enttäuscht sein. Wer hingegen intensive, stimmungsdichte Alben schätzt, wird hier belohnt: ein Werk für lange Nächte, Kopfhörer und Zuhörer, die Musik als Gefühl verstehen wollen.

Punkte:

Autor: distelsøl