Band: MALORSHIGA
Album: Vento
Genre: Black/Death Metal
Trackliste:
01. Levante
02. Bvrin
03. Bvria
04. Maestral
05. Lebich
06. Ponent
07. Bonatza
08. Ivgo
09. Oshtro
10. Tramontana

Kalkstein, Salzluft und unberechenbare Winde, die istrisch-slowenische Küste. Das ist das Klima in dem sich MALORSHIGA seine Nische geschaffen hat. Die aus dem slowenischen Istrien stammende Formation verbindet Black- und Death Metal mit regionalen musikalischen Traditionen und versteht Folklore nicht als dekoratives Beiwerk, sondern als Teil ihrer Identität. Sieben Jahre nach dem Debüt Kvlt ov Vitis et Olea erscheint mit Vento ein Konzeptalbum, das den verschiedenen Winden der istrischen Küste gewidmet ist.
Wo viele Atmospheric-Black-Metal-Bands nordische Kälte beschwören, atmet MALORSHIGA den staubigen, salzigen Wind des Mittelmeers. Das Album besitzt eine geografische Identität, die nicht behauptet, sondern gelebt wird. Vento fühlt sich an wie eine Wetterfront, die langsam am Horizont aufzieht und verändert seine Gestalt fortwährend – mal beinahe meditativ, dann wieder eruptiv und zerstörerisch.
Die Kompositionen verweben melodischen Black Metal, Death Metal, progressive Strukturen und vereinzelte avantgardistische Momente zu einem organischen Ganzen. Auffällig ist die permanente Bewegung innerhalb der Stücke: Tempi wechseln fließend, Riffs entwickeln sich eher erzählerisch als zyklisch, während dissonante Passagen immer wieder in fein gestrickte Melodiebögen übergehen. Gerade diese dynamische Dramaturgie verhindert, dass das knapp fünfzigminütige Werk jemals statisch wirkt. Statt auf permanente Aggression setzt die Band auf Spannung, Kontrast und atmosphärische Verdichtung.
Die Berücksichtigung regionaler Elemente und verschiedene istrische Dialekte erscheinen niemals als folkloristische Effekthascherei. Vielmehr sind es natürliche Elemente der musikalischen Sprache und verleihen dem Album eine kulturelle Authentizität, ohne auf Plattitüden zu setzen oder sehr stark in Richtung Folk Metal abzubiegen. Der Wind wird dabei nicht nur zum lyrischen Motiv, sondern zum eigentlichen Kompositionsprinzip: Jede musikalische Bewegung scheint Strömungen, Richtungswechsel und atmosphärische Veränderungen abzubilden.
Bemerkenswert gelingt das beispielsweise im Track „Bvria„, bei dem eine feine Melodielinie im Kontrast mit donnernden Blastbeats. Ein Song der sich aufbaut und entwickelt und donnernd die Hörerin zu verschlingen droht, bis am Höhepunkt für Momente unerwartet Ruhe einkehrt also würde der Sturm nur für einen letzten Ausbruch Energie sammeln. Der Closer „Tramontana„, auch der längste Song des Albums, ist unkonventioneller, weniger eingängig, unruhig wie ein böiger Wind, kalt und scharf bläst er ungemütlich ins Gesicht und nimmt den Atem. Die Songs dazwischen sind gut gemacht, stechen aber nicht so bemerkenswert hervor.
Produktionstechnisch überzeugt Vento mit bemerkenswerter Transparenz. Trotz dichter Arrangements bleiben Instrumente und Gesang klar voneinander getrennt; selbst die zahlreichen Klangfarben verlieren nie ihre Konturen. Die Balance zwischen organischer Wärme und moderner Präzision unterstützt den erzählerischen Charakter der Musik, anstatt ihn zu glätten. Genretechnisch bewegt sich MALORSHIGA irgendwo zwischen Atmospheric Black Metal, Progressive Black Metal und ethnisch geprägtem Extreme Metal – ohne sich einer dieser Schubladen vollständig zu unterwerfen.

Fazit:
Vento ist ein interessantes Album, das Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft verdient, sich auf seine wechselnden Stimmungen einzulassen. Vento beeindruckt durch die konsequent durchgehaltene Atmosphäre, es ist vielschichtig, abwechslungsreich und verbindet Natur, Kultur und Extreme Metal auf schlüssige Weise. MALORSHIGA beweisen, dass sich regionale Verwurzelung und künstlerische Offenheit bereichern und zu etwas Charakteristischem emergieren können. Jedenfalls ein Hörtipp.
Punkte:
Autor: distelsøl
