LLOTH – Archees Legeones (Ancient Legions) (2025)

Band: LLOTH
Album: Archees Legeones (Ancient Legions)
Genre: Melodic Black/Death Metal
Label: Theogonia Records

Trackliste:
01. Angel Wings
02. Archees Legeones (Ancient Legions)
03. Acherodas
04. Dark Mountain
05. Alpha and Omega
06. Paianas
07. Arise
08. Mother
09. Black Throne
10. Doomed Black Years

LLOTH hat eine von Brüchen geprägte Geschichte, so wurde bislang erst ein Album veröffentlicht, das noch dazu ganz unter dem Eindruck des Todes der Gründerin Tristessa entstand. Nach 8 Jahren legten die Griechen im Mai 2025 das zweite Album Archees Legeones (Ancient Legions) vor. Es ist ein Album, das nach Erinnerung, nach Stein, Staub und alten Geschichten klingt. Mit einer Gesamtlänge von knapp 47 Minuten und 10 Songs lassen uns LLOTH an diesen Erinnerungen teilhaben.

Der hellenische Metal hatte immer etwas Erdverbundenes. Während andere Szenen auf Frost, Chaos oder nihilistische Raserei setzten, klang Griechenlands Variante oft nach Stein und Sonne – nach uralten Landschaften, nach Ruinen, alten Kulten, nach Geschichte. In dieser typischen Klangsprache bewegt sich auch Archees Legeones. Die Gitarren bewegen sich in vertrauten Mustern: breite, epische Melodien, getragen von einem Rhythmus, der eher marschiert als explodiert. Immer wieder hört man auch folkige Passagen oder getragene Chöre, ungewöhnlich sind auch Lyrics, die teils in griechisch gehalten sind. Die Musik wirkt wie aus dem Boden selbst gewachsen. Gitarrenlinien entfalten sich langsam, nicht als Angriff, sondern als Präsenz. Sie erinnern an Mauern aus dunklem Basalt – massiv, ruhig, unerschütterlich. Die Riffs wiederholen sich mit beinahe ritueller Geduld, als wolle die Band weniger Emotionen ausdrücken als vielmehr einen Raum öffnen, in dem sich Erinnerung sammeln kann. Die Musik entfaltet so zwar die typische hellenische Atmosphäre, doch echte Spannung entsteht nur selten. Solche Strukturen können eine hypnotische Kraft entwickeln, doch hier wirken sie häufig vorhersehbar. Vieles klingt, als hätte man es bereits mehrmals gehört und der Nachhall eröffnet keine neue Perspektiven.
Es ist weniger der Stil selbst, als vielmehr in der Zurückhaltung, mit der die Band ihn behandelt. Archees Legeones wirkt erstaunlich vorsichtig. Die Arrangements vermeiden Extreme, die Dynamik bleibt kontrolliert und selbst die aggressiveren, mächtigeren Momente wirken behutsam gebettet. Diese Vorsicht führt zu einer merkwürdigen Distanz. Die Songs bauen zwar eine düstere Atmosphäre auf, doch sie erreichen selten eine emotionale Dringlichkeit.
Am Ende hinterlässt Archees Legeones ein ambivalentes Gefühl. Es besitzt Würde, aber wenig Gefahr; Atmosphäre, aber nur begrenzte Dringlichkeit. Die Band bewegt sich sicher innerhalb ihrer Tradition – vielleicht zu sicher.

Fazit:
Archees Legeones ist ein respektvoll traditionelles, aber auch vorsichtiges Album. LLOTH gelingt es, die Ästhetik des hellenischen Black Metal würdevoll zu bewahren, doch gerade diese Treue verhindert oft eine stärkere eigene Stimme. Was bleibt, ist die typische Atmosphäre – aber auch ein Album, das zu selten den Mut findet, aus dem Schatten der Vergangenheit herauszutreten.

Punkte:

Autor: distelsøl