JOURS PÂLES – Résonances (2025)

Band: JOURS PÂLES
Album: Résonances
Genre: Black Metal
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions

Trackliste:
01. La frontière entre nous et le néant
02. Une splendeur devenue terne
03. L’essentialité du frisson
04. Cinéraire
05. Incommensurable (chanson pour Aldérica II)
06. Mouvement ostentatoire rémanent totalitaire
07. Viens avec moi
08. Savile
09. La plus belles des saisons
10. 10-11-2021

Mit Résonances legt JOURS PÂLES ein Album vor, das sich weniger wie eine Sammlung von Songs anfühlt als wie ein einziger langer Atemzug. Zwischen schwarzer Melancholie und eruptiver Wut entfaltet sich eine Klangwelt, die gleichermaßen intim wie monumental wirkt. Die französische Formation taucht tief in seelische Abgründe ein, ohne dabei den Blick für melodische Schönheit zu verlieren. Schon nach wenigen Takten wird klar, dass dieses Werk mehr fordert als beiläufiges Hören.

Der eröffnende Instrumentaltrack zieht den Hörer wie ein Nebelschleier in eine düstere Landschaft hinein. Darauf entfaltet sich ein Sound, der Black Metal mit post-rockiger Weite und avantgardistischen Brüchen verbindet. Besonders „La Frontière Entre Nous Et Le Néant“ wirkt wie ein Tor zwischen zwei Welten, zwischen Verzweiflung und Erkenntnis. Die Gitarren klingen zugleich schneidend und sehnsüchtig, als würden sie nach etwas Verlorenem greifen. Über allem liegt ein Gesang, der weniger erzählt als klagt und anklagt. In „Une Splendeur Devenue Terne“ wird diese innere Zerrissenheit besonders greifbar. Die Rhythmusarbeit pendelt hier zwischen stoischer Härte und fast fragiler Offenheit. Immer wieder erlaubt sich die Band Momente der Stille, die lauter wirken als jeder Blastbeat. Diese Pausen sind wie Atemzüge in einem emotionalen Sturm. Auch die melodischen Linien besitzen eine traurige Eleganz, die lange nachhallt. „Incommensurable (Chanson Pour Aldérica II)“ hebt sich durch seine intime Grundstimmung deutlich hervor. Der Kollaboration mit Kim Carlsson „Mouvement ostentatoire rémanent totalitaire“ sollte man besondere Auferksamkeit schenken, da seine Stimme dem Stück eine zusätzliche Ebene aus Verletzlichkeit und Dramatik verleiht. Hier wird persönliche Zerrissenheit in Klang übersetzt, ohne je kitschig zu werden. Die Produktion lässt jedem Instrument Raum, sodass selbst kleinste Nuancen spürbar bleiben. Das Album ist abwechslungsreich, allerdings hätten manche Songs etwas kürzer ausfallen dürfen, um den Spannungsbogen noch konsequenter zu halten. Dennoch bewahrt das Werk eine rohe Direktheit, die es vor übermäßiger Glätte schützt. JOURS PÂLES gelingt damit eine Balance zwischen Komplexität und unmittelbarer Wirkung.

Anspieltipp: „Mouvement ostentatoire rémanent totalitaire“  

Fazit:
Résonances ist ein Album, das nicht nur gehört, sondern erlebt werden will. Es fordert Aufmerksamkeit, belohnt sie aber mit einer tiefen emotionalen Resonanz. JOURS PÂLES beweisen hier, dass moderner Black Metal weit mehr sein kann als bloße Aggression. Dieses Werk ist eine dunkle, aber leuchtende Reflexion über Verlust, Erinnerung und innere Kämpfe. Wer sich darauf einlässt, wird lange von seinem Echo begleitet.

Punkte:

Autor: Tom K.