GREEN CARNATION – A Dark Poem, Part II: Sanguis (2026)

Band: GREEN CARNATION
Album: A Dark Poem, Part II: Sanguis
Genre: Gothic/Progressive Metal
Label: Season Of Mist

Trackliste:
01. Sanguis
02. Loneliness Untold, Loneliness Unfold
03. Sweet To The Point Of Bitter
04. I Am Time
05. Fire In Ice
06. Lunar Tale

Sanguis ist der zweite Teil des als Trilogie angelegten A Dark Poem der norwegischen Prog-Metal-Band von GREEN CARNATION. Der erste Teil GREEN CARNATION – A Dark Poem, Part I: The Shores of Melancholia (2025) wurde bereits mit viel Genuss gehört. Die Vorfreude ist also groß. Sanguis lädt die Hörerin in die dunkelsten inneren Räume ein und bietet Songs, in denen sich die Musiker rund um Kjetil Nordhus von ihrer intimsten und verletzlichsten Seite zeigen.

A Dark Poem, Part II: Sanguis wirft lange, dunkle Schatten. Im Zwielicht der Dämmerung taucht die Landschaft in ein vertrautes Dunkel. Bewegungen werden langsamer, die Welt kommt zur Ruhe. Langsamer Atem.
Nach einem dynamischen Auftakt mit einem bretternden Hammond-Riff eröffnet „Sanguis“ einen Raum, eine Landschaft, wie im Sturm: das Schlagzeug poltert wie donnernde Gedanken, die Gitarren kreisen zwischen erdigen, rustikalen Passagen und gewinnen in der zunehmenden Düsternis langsam Konturen, werden schwer und dunkel. In „Loneliness Untold, Loneliness Unfold“ wird die schmerzhafte Einsamkeit förmlich greifbar, sie lastet schwer. Zerbrechlich anmutende Vocals und zurückhaltende Gitarren entfalten eine intime Atmosphäre. Während man den letzten Klängen noch nachhängt, zertrümmert der explosive Einsatz von „Sweet To The Point Of Bitter“ den zarten, emotionalen Nachhall. Schwere Riffs bieten den Rahmen für eine bittersüße Melodie. Ein Kontrast, der die Dualität des Albums widerspiegelt: Schmerz und Schönheit, Licht und Schatten. Die Arrangements sind technisch versiert, mit Schichten aus Synthesizern und Gitarren, die sich zu einer dichten Textur verweben, ohne stumpf oder breiig zu werden. A Dark Poem, Part II: Sanguis spielt mit Dynamik und Spannungsbögen. Die Produktion ist klar, die Instrumente finden ihren eigenen Raum und doch verschmelzen sie zu einem organischen Ganzen, versetzen die Hörerin in einen Zustand zwischen Nachdenken und Fühlen.
Das Songwriting ist komplex, mit jedem Hördurchgang entdeckt man neue Details, die einem bislang verborgen blieben. Manchmal gewinnen die Songs eine riesenhafte Größe wie „Fire in Ice„, in dem prägnante Basslinie die Hörerin an der Hand nimmt und durch die stürmischen und drängenden Blast Beats geleitet. Dann wieder ist es eine zärtliche Zerbrechlichkeit mit der sie berühren, wie in „Lunar Tale„. Da ist sie wieder: die Ruhe, das vertraute Dunkel, das sowohl Verletzlichkeit und Einsamkeit, aber auch leise Hoffnung und Zuversicht vermittelt.

Fazit:
A Dark Poem, Part II: Sanguis ist ein atmosphärisch reiches Album, das die Hörerin in eine Welt innerer Turbulenzen führt. Feines Songwriting verbindet technische Finesse mit emotionaler Direktheit. Es ist verletzlich und tröstlich zugleich. Mit diesem zweiten Teil ihrer A Dark Poem-Trilogie zeigen GREEN CARNATION ihre ganze Vielseitigkeit in wunderbare Einigkeit mit Nähe und Emotionalität.

Punkte:

Autor: distelsøl