GALIBOT – Catabase (2026)

Band: GALIBOT
Album: Catabase
Genre: Black Metal
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions

Trackliste:
01. Catabase
02. Jeanlin
03. Bleu Noir Rouge
04. Voreux
05. Baptise Tere
06. Pénitent
07. Les Montagnes Poussent Sous Terre
08. Estaminet, Pt. 1
09. Terril
10. Saint Cordon
11. Mesektet

Die noch junge französische Band GALIBOT, gegründet im ehemaligen Bergbaugebiet von Wallers-Arenberg, verbindet melodischen Black Metal mit einem klar umrissenen konzeptionellen Fokus: der Geschichte und Realität des Kohlebergbaus und seiner Arbeiter. Mit Catabase legen sie formal ihr drittes Album vor. Es erscheint beim renommierten Label Les Acteurs de l’Ombre Productions, das bereits in der Vergangenheit ein gutes Händchen für nicht ganz konventionelle Newcomer bewiesen hat.

Der Bergbau als leitendes Motiv ist für sich schon ungewöhnlich. Wer nicht selbst in einer Bergbauregion aufgewachsen ist, wird heute wohl nur noch wenig damit verbinden, vielleicht von dem einen oder anderen Unglück wissen, ziemlich sicher eine naive Sicht auf diese harte Arbeit haben. GALIBOT wollen das ändern und nehmen uns mit in den Schacht.
Tatsächlich gelingt es dem französischen Quintett eine Atmosphäre zu schaffen, die der räumlichen Erfahrung eines Abstiegs in einem Stollen durchaus entspricht: es fühlt sich eng an, eingeschlossen, kein Blick in Richtung Tageslicht, sondern eine stetige Bewegung tiefer, ein Gefühl der Beklemmung. Dabei geht es ziemlich rasant in die Tiefe: Gitarrenlinien schneiden sich durch den Mix wie Stollen durch Gestein, und setzen dabei weniger auf klassische Riffprägnanz, sondern auf Textur und Raumwirkung. Das Schlagzeug rattert und poltert wie ein Förderwagen. Es wird dabei – trotz des hohen Tempos – nicht Aggressivität vermittelt, wohl mehr eine verschlingende Enge und Dunkelheit in Form einer rhythmischen Verdichtung mit fast technischer Struktur.
Gerade diese strukturelle Konsequenz ist eine der großen Stärken des Albums. GALIBOT gelingt es, ein klares klangliches Konzept durchzuhalten, ohne vollständig in Monotonie zu verfallen. Zwar bewegen sich viele Passagen in ähnlichen Temporegionen und Stimmungsfeldern, doch kleine Verschiebungen in Dynamik, Melodieführung und Rhythmik sorgen für genug Variation, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Die eingeflochtenen Melodien sind dabei mehr als nur Einsprengsel, sondern bieten einen wirkungsvollen Kontrast: sie wirken dabei nie dekorativ, sondern erscheinen wie kurze Lichtreflexe im Dunkel – flüchtig, fast sofort wieder verschluckt.
Die Produktion unterstützt den konzeptionellen Ansatz wirkungsvoll. Sie bleibt rau und unmittelbar, erlaubt aber gleichzeitig eine differenzierte Wahrnehmung der einzelnen Schichten. Dadurch entsteht eine eigentümliche Balance zwischen organischer Rohheit und kontrollierter Präzision. Besonders die Vocals tragen zur Gesamtwirkung bei: Sie sind weniger erzählerisch als vielmehr Ausdruck eines Zustands, ein gequältes, entrücktes Echo aus der Tiefe des Stollen, mit dem einen oder anderen Gänsehaut-Moment.

Trotz dieser Qualitäten erreicht Catabase nicht durchgehend die gleiche Intensität. In einigen Momenten verliert sich das Album leicht in seiner eigenen Dichte; die konsequente Fokussierung auf Atmosphäre geht stellenweise zulasten markanter Höhepunkte. Es fehlt gelegentlich an klar herausragenden Momenten, die sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzen. Gleichwohl ist das Album in seiner Gesamtheit und in seiner Gesamtwirkung zu sehen.

Fazit:
Catabase ist ein starkes, konzeptionell geschlossenes Album der jungen französischen Band GALIBOT. Es zieht seine Wirkung aus dem thematischen Fokus auf Bergbau, einer beklemmenden Atmosphäre und struktureller Konsequenz. Kleine Abstriche in puncto Abwechslung verhindern den ganz großen Wurf, doch die immersive Kraft bleibt beeindruckend. Eine überzeugende Veröffentlichung mit klarer Handschrift und Idee.

Punkte:

Autor: distelsøl